Landesportal Saarland

Navigation und Service

Thema: Industriekultur und Denkmalpflege

Hauptinhalte

Ministerium für Bildung und Kultur | Industriekultur

Villeroy & Boch AG Mettlach

Die Geschichte der um 695 von dem fränkischen Adligen Ludwinus, späterer Erzbischof von Trier, gegründeten Benediktinerabtei endet im Jahr 1794 mit dem Vorstoß der französischen Revolutionstruppen. Das vermutlich 1727/28 begonnene barocke Klostergebäude war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Gänze fertiggestellt. Nach der Flucht der Mönche wurde das Kloster säkularisiert und ging in den Besitz des französischen Staates über. Im Jahr 1809 erwirbt Jean-François Boch (1782-1858) die Gebäude und richtet darin eine weitgehend mechanisierte Geschirrfabrikation ein. Bereits im Jahr 1748 begann der Eisengießer François Boch im lothringischen Dorf Audun-le-Tiche gemeinsam mit seinen Söhnen mit der Herstellung von Keramikgeschirr, die Geburtsstunde des späteren Unternehmens Villeroy & Boch. Jean-François Boch entwickelte ein völlig neues Ofensystem und war der Erste, dem es gelang, sowohl den ersten Keramik- als auch den zweiten Glasurbrand ausschließlich mit Steinkohle als Brennstoff durchzuführen.

Im Jahr 1836 kam es zur Fusion des Mettlacher Keramikwerkes und der 1790 von Nicolas Villeroy (1759-1843) gegründeten und 1931 stillgelegten Fayencerie in Wallerfangen. Die Heirat von Octavie Villeroy (1823-1899) und Eugen Boch (1809-1898), dem 1892 das erbliche Adelsprädikat verliehen wurde, besiegelte im Jahr 1842 die Verbindung der ehemals konkurrierenden Unternehmen. Unter Eugen Boch erlebte das Unternehmen in der zweiten Hälfte der 19. Jahrhunderts weiteren Aufschwung. 1860 war die Eisenbahnlinie von Saarbrücken nach Trier fertiggestellt, für deren Bau sich Eugen Boch über ein Jahrzehnt eingesetzt hatte. Im Jahr 1843 nimmt die von Jean François Boch und Nicolas Villeroy, Eduard Karcher und Eugen Raspiller gegründete Cristallerie Wadgassen ihren Betrieb auf. Der Fund des Mosaikbodens der Römischen Villa Nennig brachte Eugen Boch, der sich auch für Archäologie begeisterte, auf die Idee, industriell gefertigte Bodenbeläge nach dem Vorbild römischer Bodenmosaike herzustellen. Das Unternehmen entwickelte daraufhin ein Produktionsverfahren für abriebfeste Fliesen, die seit 1852 als „Mettlacher Platten“ hergestellt wurden. Von 1866 bis 1869 wird die eigens auf Fliesen spezialisierte „Mosaikfabrik“ in Mettlach gebaut. Neben Boden- wurden ab 1876 auch Wandfliesen produziert. Bereits 1856 wurden in Mettlach auch Teracotten hergestellt. Erst durch die Übernahme der Fabrik von Wihelm Tell von Fellenberg in Merzig im Jahr 1879, die nun „Thonwaaren-Fabrik Villeroy & Boch auf Heilborn bei Merzig“ hieß, konnte Terracotta-Baukeramik nun in größerem Maßstab hergestellt werden. Neben Geschirr und Fliesen entwickelte sich die Sanitärkeramik zum dritten Standbein des Unternehmens. Zunächst wurden Waschgarnituren produziert. Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert wurde der Feuerton entwickelt. Im Gegensatz zur Keramik verzog sich dieser nicht beim Brennen, sodass nun auch Wannen und Waschbecken in guter Qualität produziert werden konnten. Die Installation von Trinkwasserversorgung und Kanalisation schufen einen ausreichend großen Abnehmermarkt, sodass sich nun die Produktion größerer Stückzahlen rechnete. Im Jahr 1899 begann in der Fabrik in Merzig die Produktion von Sanitärobjekten aus Feuerton wie Badewannen, Waschbecken und Toilettenschüsseln.

Das Keramikwerk, die umgestaltete ehemalige Abtei, mehrere Sakralbauwerke sowie die Villen- und Parkanlagen zeigen, wie prägend für das Leben der Mettlacher Bevölkerung, das Siedlungsbild, die Kulturlandschaft und die Entwicklung der Gemeinde Mettlach das Wirken der Unternehmerfamilie von Boch gewesen ist. Zudem wird die Konversion von einem Kloster zu einem Industriestandort dokumentiert.

Das ehemalige Abteigebäude bildet zur Saar hin eine 114 Meter lange zweigeschossige Schaufassade mit Mansarddach. Sie ist durch einen dreiachsigen Mittelrisalit und je dreiachsige Seitenrisalite gegliedert. Im Zuge der industriellen Nutzung wurden dem ehemaligen Abteigebäude weitere Produktionsgebäude angefügt. Heute beherbergt das Gebäude u.a. die Keravision mit integriertem Keramikmuseum zur Firmengeschichte, den Nachbau des berühmten Milchladens der „Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund“ sowie die Erlebniswelt Tischkultur.

An das Abteigebäude schließt sich der ehemalige Abteipark an. Der „Alte Turm“ mit oktogonalem Grundriss ist das älteste erhaltene Sakralbauwerk im Saarland. Er war Teil der 989 begonnenen für den Klostergründer Ludwinus errichteten Grabkirche. Der spätere Oberlandesbaudirektor und Architekt des preußischen Königs, Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), besuchte 1826 im Rahmen einer Studienreise Mettlach. Dort besichtigte er das Keramikwerk und überzeugte Eugen Boch von der Erhaltung des „Alten Turms“. Boch ließ das Bauwerk zwischen 1849 und 1854 restaurieren. Er plante zudem, den ehemaligen Abteipark in einen zeitgemäßen Landschaftspark umzugestalten, in den die Kirchenruine integriert werden sollte. Am Eingang des Abteiparks steht der 1838 nach einem Entwurf Schinkels in Berlin gegossene gusseiserne „Schinkel-Brunnen“. Der damalige preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. ließ durch Schinkel die Ruine der ehemaligen Klausnerkapelle und -wohnung bei Kastel über der Saar zu einer Grabkapelle für den blinden König Johann von Böhmen umgestalten. Friedrich Wilhelm schenkte den Brunnen der Familie Boch als Dank für die Aufbewahrung der sterblichen Überreste des blinden Königs im Zusammenhang mit der Überführung von dessen Gebeinen im Jahr 1838.

„Schinkel-Brunnen“ und „Alter Turm“ Mettlach „Schinkel-Brunnen“ und „Alter Turm“
Am Eingang des Abteiparks steht der 1838 nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels in Berlin gegossene gusseiserne „Schinkel-Brunnen“. Der damalige preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. schenkte den Brunnen der Familie Boch. Im Hintergrund ist der „Alte Turm“ zu erkennen. Foto: Landesdenkmalamt, Kristine Marschall

Auf einer oberhalb der Werksanlagen gelegenen Anhöhe ließ Edmund von Boch (1845-1931) – einer der drei Söhne Eugen von Bochs und ab 1868 Direktor der Steingutfabrik – in den Jahren 1878/79 Schloss Ziegelberg als Wohnsitz errichten. Gleichzeitig entstanden ein Forsthaus sowie ein Remisen- und Wirtschaftsgebäude. Auch das im Stil der Neorenaissance erbaute Schloss Ziegelberg erhielt eine Parkanlage. 1939 hat die Familie das Gebäude an die Gemeinde Mettlach verkauft.

Schloss Saareck wurde in den Jahren 1901-1903 am gegenüberliegenden Saarufer als repräsentatives Wohnhaus für Luitwin von Boch (1877-1932), ein Enkel Eugen von Bochs, und Adeline von Boch (1880-1932), geb. Baronin von Liebieg, erbaut. Das Anwesen wurde in eine in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts von Eugen von Boch beauftragte Parkanklage gebaut. Der verwendete Bundsandstein stammt aus einem in Familienbesitz befindlichen Steinbruch bei St. Gangolf. Seit 1954 ist Schloss Saareck Gästehaus des Unternehmens Villeroy & Boch.

Die im Jahr 1905 konsekrierte Kirche St. Lutwinus ist von der Familie von Boch als Ersatz für die im Jahr 1819 abgerissene Abteikirche St. Peter gestiftet worden. Die Mosaike und Bodenfliesen in der Kirche stammen aus der Produktion von Villeroy & Boch.

Die neogotische Kapelle St. Joseph wurde 1864 nach Entwurf des Architekten Franz Georg Himpler (1833-1916) im Auftrag von Madame Barbara Céphalie Thierry (1796-1870), geb. de Lasalle von Louisenthal, als Hauskapelle am Schloss in Niederlimberg (Gemeinde Wallerfangen) angebaut. Die Kapelle stand auch den in der Krankenanstalt in der Nähe wirkenden Borromäerinnen zur Verfügung. Nach dem Neubau des Nikolaushospitals abseits des Schlosses war die Kapelle ungenutzt. Borromäerinnen waren auch in dem 1857 von der Familie Boch gegründeten Krankenhaus tätig. Daher ließ Eugen Boch die Kapelle in Wallerfangen ab 1878/79 Stein für Stein abbauen und per Treidelschiff saarabwärts nach Mettlach transportieren. Im Rahmen des bis 1882 dauernden Wiederaufbaus in der Mettlacher Bahnhofstraße wurden wesentliche Teile des Wallerfanger Baus verwendet, wobei das Innere der Kapelle jedoch völlig neu gestaltet wurde. In der neu angelegten Krypta wurde eine Familiengruft errichtet. Den Bau ließ Boch reichhaltig durch Mosaike, Fliesen und Bauschmuck aus Terracotta aus dem Mettlacher Werk ausstatten. 2003 wurde mit umfassenden Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten begonnen, die im Jahr 2013 abgeschlossen worden sind. Hierbei wurden u.a. der Fliesensockel und die Wand- und Deckenmalereien freigelegt und restauriert sowie Fehlstellen ergänzt. Für die Restaurierung wurde im Jahr 2013 der Saarländische Denkmalpflegepreis verliehen.

Kapelle St. Joseph Mettlach Kapelle St. Joseph
Im Rahmen der im Jahr 2013 abgeschlossen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten der neogotischen Kapelle St. Joseph sind u.a. der Fliesensockel und die Wand- und Deckenmalereien freigelegt und restauriert sowie Fehlstellen ergänzt worden. Foto: Landesdenkmalamt, Gregor Scherf

Im Rahmen des Standortentwicklungsprogramms „Mettlach 2.0“ der Gemeinde Mettlach und Villeroy & Boch soll das Mettlacher Ortsbild modernisiert und der Unternehmenshauptsitz von Villeroy & Boch umgestaltet werden. Mettlach soll für Shopping- und Industriekultur-Touristen noch attraktiver werden und moderne Arbeitswelten für die Villeroy & Boch-Mitarbeiter geschaffen werden. Die Maßnahmen sollen die Modernisierung der Gebäude auf dem Abteigelände, den Rückbau alter Fabrikhallen und die Schaffung von Freiflächen sowie die Neugestaltung der Außenanlagen beinhalten.

Gemeinde Mettlach

Freiherr-vom-Stein-Straße 64
66693 Mettlach