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Thema: Landwirtschaft

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| Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz | Agrar- und Landentwicklung, Natur und Landschaft, Naturschutz, Nachhaltigkeit, Landwirtschaft, EU und Europarat

Informationen zur EGFL-Förderung

Aktuelles zur 1. Säule der GAP

Ausnahmen in 2023 für GLÖZ 7 Fruchtwechsel und GLÖZ 8 Mindestanteil unproduktiver Flächen

Stand: 04.10.2022

Der Bundesrat hat am 16. September der GAP-Ausnahmen-Verordnung zugestimmt. Diese legt Bedingungen fest für die durch EU-Recht eingeräumte Abweichungsmöglichkeit von den Standards GLÖZ 7 und 8 im Jahr 2023. GLÖZ ist dabei die Abkürzung für „Guter landwirtschaftlicher und ökologischer Zustand“. Im Folgenden werden die Bedingungen zur Nutzung näher beschrieben.

Ziel der Ausnahmeregelung ist die Ermöglichung einer höheren Lebensmittelproduktion in Europa und auch in Deutschland vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Angriffskrieges gegen die Ukraine auf die globale Ernährungssicherheit. Dabei sollen aber Belange der Biodiversität und des Klimaschutzes nicht unberücksichtigt bleiben, weshalb es Einschränkungen für die Anwendung gibt.

GLÖZ 7 – Fruchtwechsel auf Ackerland

In der neuen Förderperiode wird in Deutschland eine Rotationspflicht auf Ebene der landwirtschaftlichen Parzelle vorgesehen. Die GAP-Konditionalitäten-Verordnung enthält in § 18 die Regelungen zu Fruchtwechsel auf Ackerland (GLÖZ 7).
Die Details, welche Verpflichtungen für welche Ackerflächen und welche Begünstigten gelten, sind dort bzw. in erklärenden Ausführungen der Landwirtschaftskammern und Berufsverbände dargestellt.

Der GLÖZ-Standard 7 sollte eigentlich bereits erstmalig in 2023 mit Rückblick auf das Jahr 2022 zur Anwendung kommen. Die GAP-Ausnahmen-Verordnung regelt nun jedoch, dass GLÖZ 7 einmalig ausgesetzt wird. Konkret wird zum Beispiel im Jahr 2023 der Anbau von Weizen nach Weizen im Jahr 2022 ermöglicht.

Diese einmalige Aussetzung betrifft lediglich den Rückblick vom Antragsjahr 2023 auf das zurückliegende Jahr 2022.

Obacht: Ausnahme nur für 2023

Es gibt Regelungen für Anteile der Ackerflächen eines Betriebes, die vorsehen, dass ein Wechsel der Hauptkultur spätestens im dritten Jahr zu erfolgen hat. Diese Vorgaben bleiben trotz Ausnahme-Jahr 2023 bestehen, so dass in 2024 ein Rückblick auf 2022 und 2023 stattfindet. Zudem wird im Jahr 2024 für die Rotationsverpflichtung der Rückblick auf das Ausnahmejahr 2023 erfolgen, wie es die GAP-Konditionalitäten-Verordnung regulär vorsieht.

GLÖZ 8 – Mindestanteil von nichtproduktiven Flächen und Landschaftselementen an Ackerland

Begünstigte, die der Verpflichtung nach GLÖZ 8 unterliegen, müssen regulär auf mindestens 4% ihres Ackerlandes unproduktive Flächen und Landschaftselemente vorweisen.
Die Details, welche Verpflichtungen und Anforderungen für welche Begünstigten gelten, sind der GAP-Konditionalitäten-Verordnung bzw. erklärenden Ausführungen der Landwirtschaftskammern und Berufsverbände zu entnehmen.

Im Jahr 2023 soll aus den vorgenannten Gründen der Lebensmittelknappheit eine gewisse produktive Nutzung dieser Flächen erlaubt werden. Die GAP-Ausnahmen-Verordnung sieht hier Ausnahmeregelungen vor.

Auch Flächen mit folgenden Kulturen können angerechnet werden auf die verpflichtenden 4% der Ackerfläche:

  • Getreide (ohne Mais)
  • Sonnenblumen
  • Leguminosen (ohne Soja).

Obacht: Begünstigte verfügen über mehrjährige Brachen

Dieser Fall ist relevant, wenn Begünstigte über Flächen verfügen, die sowohl im Jahr 2021 als auch im Jahr 2022 entweder nicht für die Erzeugung genutzt oder als Brache im Rahmen der Ökologischen Vorrangfläche beantragt worden sind. Flächen mit entsprechenden Verpflichtungen aus einer ELER-Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) in 2022 betrifft dies nicht!

Um die produktive Flächen (Getreide, Sonnenblumen, Leguminosen) anrechnen zu können auf die verpflichtenden 4% GLÖZ 8-Flächen, müssen die Begünstigten die genannten mehrjährigen Brachen im Jahr 2023 zwingend ebenfalls als Brache beantragen. Dies ist unabhängig davon, wer diese Flächen in 2021 und 2022 beantragt hat. Das Kriterium ist Flächenbezogen und unabhängig von den Begünstigten.

Über diese mehrjährigen Brachen hinaus kann eine mögliche Differenz zu den 4% GLÖZ 8-Flächen dann über die anrechenbaren produktiven Flächen erbracht werden.

Obacht: Teilnahme an Öko-Regelungen (ÖR) oder an AUKM

Die Anwendung der GAP-Ausnahmen-Verordnung führt NICHT zu einem grundsätzlichen Wegfall der ÖR- und ELER-Zahlung! Dies betrifft nur die wenigen Fälle, bei denen die Einhaltung von GLÖZ 7 / GLÖZ 8 die Grundanforderung für eine ÖR oder ELER-Maßnahme darstellt. Dies ist bei der ELER- Eiweißpflanzenförderung (Förderung großkörniger Leguminosen) als Ergänzung zu Öko-Regelung 2 (Vielfältige Kulturen im Ackerbau) der Fall.

Begünstigte, die an der Öko-Regelung 1a (flächenmäßige Aufstockung der 4% unproduktive Flächen) oder zusätzlich 1b (Blühflächen auf den ÖR 1a-Flächen) teilnehmen wollen, müssen die verpflichtenden 4% GLÖZ 8-Flächen gänzlich mit unproduktiven Flächen und Landschaftselementen erbringen.

Die im Saarland angebotenen AUKM stehen nicht im Wiederspruch zu der Ausnahmeregelung für GLÖZ 8 und können wie geplant umgesetzt werden.

Eine Anrechnung produktiver Flächen ist also lediglich nicht kombinierbar mit Öko-Regelung 1a oder 1b!!

Ansprechpartnerin:

Aileen Gniffke
Referat B/1: Europäische Agrar- und Förderpolitik, ELER-Verwaltungsbehörde, GAK

Keplerstraße 18
66117 Saarbrücken