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18-Mio.-Euro-Projekt: Bauminister Bouillon und Justizminister Strobel besuchen Neubau Pfortenbereich und Empfangsgebäude der JVA Saarbrücken

Bauminister Klaus Bouillon und Justizminister Peter Strobel besuchten am heutigen Freitag, 8. Oktober 2021, den Rohbau des neuen Eingangsbereichs der Justizvollzugsanstalt der Landeshauptstadt – eine Entscheidung für den Standort am Lerchesflur.

„Die Bestandsgebäude für die Pforte und die Verwaltung entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Hier gibt es bspw. Mängel im Bereich des Brandschutzes und der technischen Ausstattung“, so Bauminister Klaus Bouillon. „Dies führt zu einer Generalsanierung, die im laufenden Betrieb nur unwirtschaftlich über einen Zeitraum von über sechs Jahren hätte durchgeführt werden können. Daher haben wir uns mit dem Justizministerium und den Verantwortlichen der JVA in einem Abstimmungsprozess für einen Neubau entschieden.“

Justizminister Peter Strobel: „Mit dem Neubau entsteht ein Gebäude, das einerseits nach seiner Fertigstellung die Sicherheitslage im Strafvollzug der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken, gleichzeitig aber auch die Qualität des Strafvollzugs erheblich verbessern wird. Denn es entsteht hier nicht bloß eine neue Außenschleuse, sondern zugleich auch eine neue Besuchsabteilung, die neuen Standards und dem Anliegen eines modernen, dem Ziel der Resozialisierung verschriebenen Strafvollzugs gerecht werden wird. Bei der Planung des Neubaus war uns daher besonders wichtig, dass die Besuche der Gefangenen, nicht zuletzt, wenn sie unter Beteiligung von Kindern erfolgen, in einer kindgerechten Atmosphäre stattfinden können.“

Die Baumaßnahme geht auf einen Planungsauftrag aus dem Jahr 2016 zurück. Nach dem VOF-Verfahren (Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen) wurde die Arbeitsgemeinschaft Planungsgruppe Focht + Partner GmbH – AB Rende + Thewes mit der Planung des Gesamtprojekts beauftragt.

Die Projektbeteiligten haben sich aus organisatorischen und sicherheitstechnischen Gründen für die Umsetzung der Baumaßnahme in zwei Bauabschnitte entschieden.

  • 1. Bauabschnitt beinhaltet den Neubau der Pforte sowie einen Besuchsbereich
  • 2. Bauabschnitt beinhaltet die Sanierung des Verwaltungstraktes

1.   Bauabschnitt:

Neubau Außenpforte

Investition:      gerundet 8 Mio. Euro

 

Nutzungsfläche                       548 m²

Netto-Raumfläche               1.189 m²

Bruttogrundfläche               1.577 m²

Bruttorauminhalt                 6.631 m³

 

Das Pfortengebäude und der Besuchsbereich werden außerhalb des gesicherten Bereiches der JVA Saarbrücken in einem Neubau errichtet. Dadurch werden Störungen des Dienstbetriebs vermieden und die Sicherheit des Bestands auch während der Bauzeit gewährleistet.

Wesentlicher Bestandteil der Planung: räumliche Trennung der Verkehrsströme von Personal und Besuchenden sowie dem rollenden Verkehr. Der 3-stöckige Neubau beherbergt eine Schleuse für Ein- und Ausfahrt von Lkw und Pkw, sowie in den Obergeschossen die Kontrolle der Besuchenden und die Besuchsabteilung. Die Installation der notwendigen Infrastruktur für die Bediensteten runden den Neubau ab.

Das Gebäude wird in Massivbauweise gemäß dem heutigen Stand der Technik in Bezug auf Sicherheit, Brandschutz, Energieeinsparung, etc. errichtet. Deshalb ist das Gebäude mit einer Be- und Entlüftungsanlage sowie im Wachbereich mit einer Kühlanlage ausgestattet.

Die Fertigstellung des 1. Bauabschnitts ist für Sommer 2022 geplant. Nach der Fertigstellung schließt sich ein Probebetrieb von ca. drei Monaten an. Geplante Inbetriebnahme des Neubaus: Ende 2022.

Bis dahin wurden in den Neubau ca. 10 Mio. Euro investiert. Die Umsetzung der Baumaßnahme erfolgt überwiegend nach öffentlichen Ausschreibungen (87 Prozent) und Einzelvergaben an ortsansässige Firmen. 

2.   Bauabschnitt:

Sanierung Verwaltungsgebäude          

Investition:   gerundet 10 Mio. Euro

 

Nutzungsfläche                    2.325 m²

Netto-Raumfläche                3308 m²

Bruttogrundfläche               4.048 m²

Bruttorauminhalt              13.767 m³

 

Nach Realisierung des Neubaus und Umzug der Besuchsabteilung und Pforte wird das Verwaltungsgebäude generalsaniert.

Mit freiwerdenden Flächen im Verwaltungsgebäude kann der Mehrbedarf für die Kammer, die Umkleiden und die Bürofläche abgedeckt werden. Zusätzlich wird das Verwaltungsgebäude energetisch ertüchtigt und die Haustechnik erneuert. Das Verwaltungsgebäude wird mit einer Photovoltaikanlage bestückt.

Historische Einordnung:

Aus handschriftlichen Aufzeichnungen, die während der Aushubarbeiten für den Neubau des Pforten- und Besuchsgebäude gefunden wurden, ist bekannt, dass bereits im Dezember 1904 die Baumaßnahme in der heutigen Liegenschaft „Saarbrücken, Lerchesflurweg“ für eine Straf- und Untersuchungsanstalt begonnen wurde.

Nach mühsamer Freimachung des Geländes von Bewuchs und Erdmassen konnte bereits 1905 das Wohnhaus für die Aufseherinnen bezogen werden. Es wurden dann neben den Gebäuden für die Aufseher und die Anstaltsleitung die Gebäude für ein „Weibergefängnis“ und eine „Männeranstalt“ in Angriff genommen. Nach den Aufzeichnungen waren maximal 186 Gefangene mit 10 Aufsehern mit der Durchführung der Baumaßnahmen betraut.

Der Ursprung der baulichen Anlage bestand aus dem Weibergefängnis, der Männeranstalt, zwei Aufseherwohnhäusern, einem Inspektorenwohnhaus sowie Torhäusern. In den Aufzeichnungen wird ausdrücklich daraufhin gewiesen, dass „sämtliche Arbeiten in jedem Handwerk ausschließlich von Gefangenen hergestellt worden sind ...“. 

Bereits seit 1. Dezember 1907 ist die heutige JVA als damalige Straf- und Untersuchungsanstalt in Betrieb gegangen. Das Unterkunftsgebäude, also das „Weiberhaus“ wurde bis zu seinem Abriss über 100 Jahre für die Unterbringung von Gefangenen genutzt. 

Die Straf- und Untersuchungsanstalt wurde als königliches Gefängnis abseits einer Wohnbebauung, also auf freiem Feld, gebaut. Alt-Saarbrücken hatte in dieser Zeit 2.800 Einwohnerinnen und Einwohner, die heutigen Saarbrücker Stadtteile St. Johann 24.000 Einwohnerinnen und Einwohner und Malstatt-Burbach 40.0000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Lebensverhältnisse wurden in der Chronik als außerordentlich teuer beschrieben, so erhielt ein Maurer 50 Pfennige und ein Zimmermann 48 Pfennige die Stunde bei Kosten von einem 4 Pfünder Laib Brot von 85 Pfennigen.

Medienansprechpartner

Pressesprecherin

Katrin Thomas
Pressesprecherin

Franz-Josef-Röder-Str. 21
66119 Saarbrücken