Landesportal Saarland

Navigation und Service

Thema: Kultur

Hauptinhalte

| Ministerium für Bildung und Kultur | Kultur, Landeskunde

Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes im Saarland

Lebendige Traditionen im Landesverzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe des Saarlandes

In das "Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes des Saarlandes" können gemäß des Ministerratsbschluss vom 30. November 2021 auf Empfehlung der unabhängigen Landesjury für das immaterielle Kulturerbe diejenigen lebendigen Traditionen aufgenommen wurden, die einen besonderen Bezug zum Saarland haben.

Am 18. März 2022 wurden im Rahmen einer Pressekonferenz die ersten lebendigen Traditionen und Brauchtumsformen, die in das Landesverzeichnis aufgenommen werden, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Landesverzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe des Saarlandes

Die Gehöferschaft Wadrill - traditionelle Waldgenossenschaft

Die Gehöferschaft Wadrill ist eine traditionelle Waldgenossenschaft, deren Zweck die gemeinschaftliche Verwaltung, Bewirtschaftung und Nutzung ihres ungeteilten (ideellen) Grundbesitzes ist.

In ihrer Grundstruktur besteht die Gehöferschaft Wadrill seit Jahrhunderten, seitdem gab es viele Veränderungen, der wesentliche Charakter der Gehöferschaft aber ist erhalten geblieben: Die gemeinschaftliche Nutzung der ideellen Anteile ihrer Miteigentümer. Ziel der Gehöferschaft heute ist die Schaffung und Erhaltung gesunder und stabiler Mischwälder. Naturschutz und Klimawandel erfordern ein Umdenken in der Bewirtschaftung, das Gebot der Nachhaltigkeit ist heute aktueller denn je.

Derzeit hat die Gehöferschaft 128 Miteigentümer (Einzelpersonen, Eheleute und Erbengemeinschaften). Heute besitzt die Gehöferschaft Wadrill 325 ha vorwiegend als Waldfläche. Das aktuelle Forstbetriebswerk weist rund 100 Hektar Nadelwald aus, 180 ha Niederwald, die restlichen Flächen sind zum Großteil Aufforstungen. Die Nadelwälder, insbesondere die Fichtenbestände, werden sukzessive in klimastabilere Mischwälder umgewandelt.

Das Prozedere der Brennholzzuteilung erfolgt auch heute noch auf altertümliche Art und Weise. In Holzkugeln geritzte „Heckenzeichen“ oder Hausmarken so beispielsweise mit Bezug zur Landwirtschaft (Mistgabel, Heugräbchen, Hahnenfuß) oder einfache Zeichen (Keft, Raute) werden bei der Auslosung weiterhin genutzt. Die eigentliche Zuteilung erfolgt nach wie vor mit der „Rute“, einer Fichtenstange, die in 16 Mäßchen eingeteilt ist. Die Maßeinheit „Mäßchen“ ist auch im Grundbuch hinterlegt und entspricht bei der Zuteilung wohl einem preußischen Fuß von 0,31 m. Die zugewiesenen „Heckenanteile“ werden mit Holzpfählen und dem jeweils eingeritzten Heckenzeichen markiert.

Nikolauspostamt - Weihnachtspostfiliale St. Nikolaus

Seit 1966 schreiben Kinder aus aller Welt in der Vorweihnachtszeit an den Nikolaus aus St. Nikolaus. 6. Dezember ist sein Namenstag und im schönen Warndt fühlt sich der Nikolaus zu Hause.

Für die Beantwortung der mittlerweile über 30.700 Kinderbriefe an den Nikolaus wird extra in der Adventszeit vom 5. bis 24. Dezember das ehrenamtliche Nikolauspostamt am Nikolausplatz in St. Nikolaus eingerichtet. Bei der Beantwortung der vielen Kinderbriefe hilft dem Nikolaus ein 44-köpfiges ehrenamtliches Team. ln über 40 Tagen werden die Antwortschreiben kuvertiert, handschriftlich die Adresse geschrieben und mit dem jährlich wechselnden Nikolaus-Sonderstempel abgestempelt - Briefpapier, Antwortkuvert und das Bild des Nikolaus-Sonderstempels werden jährlich eigenhändig und ehrenmatlich vom Festausschuss St. Nikolaus entworfen und mit Unterstützung der Deutschen Post gedruckt.

Die Nikolaus-Antwortschreiben ins Ausland werden in die Sprachen Englisch, Französisch,Italienisch, Ungarisch,Spanisch, Russisch, Polnisch und ins Chinesische übersetzt. Bei Bedarf sogar in Blindenschrift.

Das Steigerlied

Zum Bergmann gehört der Gesang - Kapitel 1 in Bermusik an der Saar. Bei der körperlich anstrengenden und gefährlichen Arbeit unter Tage war Gesang ein großer Halt und gab Hoffnung auf eine glückliche Ausfahrt. Im Laufe der deutschen Bergbaugeschichte wurden mehr as 1000 Bergmannslieder intoniert. Das Steigerlied, die Hymne der Bergleute, war und ist auch heute noch das bekannteste unter diesen Liedern.

Im Saarland wird es regelmäßig bei unterschiedlichsten Anlässen zum Besten gegeben. Grund dafür ist die optmistische und lebensbejahende Grundhaltung - und die zugehörigen Tugenden wie Solidarität, Verlässlichkeit, Zusammenhalt, Offenheit und Lebensfreude.

Festival PERSPECTIVES - deutsch-französisches, grenzüberschreitendes Festival der Bühnenkunst

PERSPECTIVES (Saarland/Moselle), das deutsch-französische und grenzüberschreitende Festival der Bühnenkunst, bietet eine Plattform für das zeitgenössische frankophone und deutschsprachige Theaterschaffen. Seit über 40 Jahren ermöglicht es einer großen Vielfalt von Publikumsgruppen aus der Großregion Saarland-Grand Est-Luxemburg die Begegnung mit Werken der darstellenden Künste. PERSPECTIVES wurde 1978 gegründet und findet jedes Jahr zehn Tage lang statt. Hier eine Auflistung aller Genres seit der ersten Ausgabe des Festivals: Theater, Tanz, neuer Zirkus, aktuelle Musik, Performance. Allesamt Werke, die die Welt, in der wir leben, und unsere heutige Gesellschaft hinterfragen.

Das Potenzial der deutsch-französischen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist und bleibt immens. PERSPECTIVES richtet den Blick auf das, was es zu verbessern, zu stärken und zu erfinden gilt, um den Bürgerinnen und Bürgern im Eurodistrikt SaarMoselle auch weiterhin die Begegnung mit künstlerischen Werken zu ermöglichen – und dafür geeignete Lösungen für die nach wie vor bestehenden sprachlichen, sozialen und kulturellen Barrieren zu finden.

Arbeitskammer des Saarlandes

Als öffentlich-rechtliche Institution zur Vertretung der Interessen der Arbeitnehmerschaft ist die Arbeitskammer des Saarlandes in dieser Form ein einzigartiges Kulturgut. Die Arbeitskammer berät und bildet ihre Mitglieder und forscht für deren Interessen. In Deutschland gibt es nur in einem weiteren Bundesland (Bremen) eine vergleichbare Institution. Erste Bestrebungen zur Gründung gab es bereits im 19. Jahrhundert. 1925 schuf die Regierungskommission im Saargebiet dann eine paritätisch besetzte Arbeitskammer. Die Mitglieder wurden auf Vorschlag von Wirtschaftsvereinigungen und Gewerkschaften ernannt. Die Arbeitskammer sollte „Gutachten und Wünsche ... unterbreiten, welche die Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen, sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer, namentlich in Bezug auf Verbesserung der Arbeitsbedingungen, betreffen“. Die Schaffung der Arbeitskammer ist somit im kulturellen Kontext der Identitätsfindung der saarländischen Bevölkerung eines neu gegründeten Saargebiets zu sehen, dem im Versailler Vertrag eine kulturelle Eigenständigkeit garantiert worden war.

1951 beschloss der Landtag des Saarlandes erneut die Einrichtung einer Arbeitskammer, jetzt jedoch als öffentlich-rechtliche Vertretung der Arbeiter und Angestellten; als Aufgaben werden die „Wahrnehmung der allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte)“ und die „Förderung der auf die Hebung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage abzielenden Bestrebungen“ festgelegt. 1967 erweitert das neue Arbeitskammergesetz die Aufgaben um die kulturellen Interessen der Arbeitnehmer/innen.

Viezen - Viez im Saarland

Beim Viezen (bzw. der Viezkultur) handelt es sich um die Kultur rund um den Viez. Beim Viez handelt es sich um einen aus Streuobst-Äpfeln und -Birnen frisch gepressten Saft (der "Viez), sowie den alkoholhaltigen "herben Viez" und den ebenfalls alkoholhaltigen "süßen Viez", die dem Apfelwein und Most vergleichbar sind.

Das Viezen umfasst sowohl der Anbau des Obstes auf Streuobstwiesen als auch die Herstellung des Viezes aus den geernteten Früchten sowie Bräuche um den Verzehr. Der Viez hält in den Viezregionen eine Stellung als traditionelles, regionales Getränk und ist mancherorts auch in Kombination mit bestimmten Gerichten verankert. Im saarländischen Merzig und in den zahlreichen
Dörfern finden jedes Jahr im Herbst Viez- und Kelterfeste statt, in den Perler Moselgaudörfern das "Äppelfesch". (Auch in Trier gibt es entsprechende Bräuche.)

Für Bewirtschafter*innen von Streuobstwiesen ist es üblich, eigenen Viez herzustellen; insbesondere entlang der touristischen Viezstraße von Merzig über die Saar-/Moselgaudörfer bis Trier erfreut er sich in lokalen Gaststätten großer Beliebtheit, was neben den Aktivitäten der Gartenbau- und zum Teil auch dedizierten Viezvereine zu Erhalt und Vermittlung von Wissen um das Viezen
beiträgt. Gleichzeitig hat das Viezen mittlerweile eine wichtige Rolle beim Artenschutz gewonnen, da die traditionellen Streuobstwiesen mit ihren alten und hochgewachsenen Obstbäumen wichtige Brut- und Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Lebewesen bieten, die andernorts nicht mehr in dieser Form bestehen. Deshalb beteiligen sich inzwischen auch Vogel- und
Naturschützer und die Mitglieder der Obst- und Gartenbauvereine an der Viezstraße.

Historisch ist das Viezen schon so lange Bestand der Region, dass eine konkrete Entstehung der Viezkultur schwer an einzelne Ereignisse oder Jahreszahlen geknüpft werden kann. Es handelt sich jedoch um eine viele hundert Jahre alte Tradition, wie jentsprechende schriftliche Erwähnungen des Viez' belegen. Mögliche Hinweise gehen bis in die Antike und eine Nutzung als
Weinersatz durch die Römer zurück. Der Erfolg des Viezens lag unter anderem daran, dass der Anbau von Streuobst in vorindustrieller Zeit bereits sehr einfach und günstig war und die Gewinnung von Getränken aus Obst keine besonders raffinierte Technologie erfordert. Diesem Umstand verdankt der Viez, dass er lange Zeit das "Getränk für jedermann" war, da er einfach und ohne große Kosten gewonnen werden konnte - Obst konnte sich auch der gemeine Bauer oder Handwerker leisten, während beispielsweise Wein in früheren Zeiten oft zu teuer für das gemeine Volk war.

Regional war der Viez im Saarland (insoweit als Zentrum), im ganzen Saar-Lor-Lux-Raum und in Moselfranken damit in früheren Zeiten als nichtalkoholisches und auch alkoholisches Erfrischungs- oder Zechgetränk (mit natürlicher Kohlensäure) in gewisser Weise vergleichbar mit Limonade oder Bier heute. Der Anbau des Streuobsts und Konsum von Viez erfüllte somit auch eine soziale Funktion und das Viezen ist in entsprechenden Viezregionen heute noch identitätsstiftend.

Mundarttheater / Mundartliches Volkstheater im Kontext des deutschsprachigen Amateurtheaters

Die Vielfalt der Mundarten korrespondiert mit einem weitgefassten Volkstheaterbegriff. Die Stoffe wurzeln in volkstümlichen Mythen, Sagen und Legenden und reichen über Schwänke bis zur kritischen Auseinandersetzung mit der Historie und dem Alltag der Menschen.

Das Mundarttheater hat besondere Qualitäten bei künstlerischen Produktionen entwickelt, die zu einer Stärkung der Breitenkultur als der Kultur im ländlichen Raum beitragen. Als Volkstheater bezieht es sich auf eine lange Traditionslinie. Es steht im Dialog mit der örtlichen Bevölkerung, der lokalen Geschichte und Gegenwart. Mundartliches Volkstheater ist der regionalen kulturellen Identität, der Pflege des Brauchtums und des Dialekts verpflichtet. Nicht nur Passionsspiele verweisen auf eine lange religiös-kulturelle Tradition. Die Bandbreite des Volkstheaters reicht von Historienspektakeln bis zu idealisierenden, volkstümlichen Schwänken, Possen und bäuerlich-ländlichen Heimatstücken. Sie wurzeln in einer überlieferten Vorstellung wie das Leben einmal gewesen sein könnte bzw. gewesen sein sollte.

Es ist der Dreiklang von Mundart, Theaterspiel und Ehrenamt, in dem es seine kulturelle und gesellschaftliche Besonderheit entwickelt, die bei aller Verschiedenheit der Mundarten und Spielformen allen zu eigen ist. Ehrenamt als bürgerschaftliches Engagement, Mundart als mündlich tradierte Nahsprache und Theater als unmittelbare künstlerische Ausdrucksform evozieren bei den Aktiven und dem Publikum Gefühle von Identität und Heimat. Mundarttheater sind fast ausschließlich als Vereine organsiert. Das soziale Umfeld ist oft gleichermaßen Teil des Theatervereins und Teil des Publikums.

Die kulturelle Praxis wird in den Mundarttheatervereine von einer Generation an die nächste weitergegeben, das Theaterspiel in der „eigenen“ Mundart ermöglicht dem Spieler einen individuellen authentischen Ausdruck, und vermittelt dabei ein spezifisches kulturelles Mehr. Hier zeigt sich keineswegs ein „folkloristisches“ Selbstverständnis, vielmehr steht jede Mundart und damit auch ihre Theaterpraxis für eine eigene Sicht der Welt. Im Zentrum steht die Emotion. Mit jeder Inszenierung und damit jeder Neuinterpretation entdeckt jede Generation für sich neu, was sie an den Stoffen wichtig findet und wie sie tradierte Formen auf ihre Weise fortführt.

Amateurtheater ist mehr als auf der Bühne zu sehen ist. Es entfaltet im lebendigen Ausdruck eine integrative Kraft.