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5. Rezeptionen im 21. Jahrhundert

Heute, 65 Jahre nach dem Beitritt des Saarlandes zur BRD am 1. Januar 1957, ist die Erinnerung an die (teil-)autonome Nachkriegsepoche an der Saar nicht nur aufgrund des Jubiläums oder der jährlichen Beflaggung öffentlicher Gebäude der Landesbehörden anlässlich der Erinnerung an die Volksbefragung vom 23. Oktober 1955 aktuell. Gelegentlich wird sogar heute noch darüber diskutiert, ob die Ablehnung des Saarstatuts tatsächlich die beste Wahl war, oder ob sich das Saarland derart selbst die Möglichkeit genommen habe, sich zu einem wirtschaftlich prosperierenden, wohlhabenden Land im Herzen Europas zu entwickeln. Gleichwohl solche Koketterien mit kontrafaktischer Geschichte meist einen anlassbezogenen ernsten Kern in sich tragen, werden sie im Regelfall mit einem Schmunzeln vorgetragen.
In den letzten Jahren ist demgegenüber leider immer stärker zu beobachten, dass die Saarlandzeit der 1950er Jahre auch als Dreh- und Angelpunkt für Verschwörungstheorien unterschiedlichster Couleur instrumentalisiert wird – angebliche historische Fakten werden hierbei aus dem Zusammenhang gerissen oder verkürzt dargestellt und so als vermeintliche Belege für zahlreiche krude Theorien herangezogen sowie meist unwidersprochen über soziale Netzwerke geteilt und eigene Internetseiten verbreitet. Regelmäßig sind Saarlandflaggen derzeit zudem auf Demonstrationen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie zu sehen. Im Regelfall zielen derartige Narrative auf die Behauptung ab, das Saarland sei noch immer ein unabhängiger Staat und kein deutsches Bundesland, weshalb die aktuelle Rechtsordnung nicht angewendet werden könne – analog zu Reichsbürgern, die die Existenz Deutschlands ablehnen, wird hier von „Saarbürgern“ gesprochen.
Dass dies natürlich nicht stimmt, kann in jedem deutsch- und französischsprachigen Schulbuch sowie einer mittlerweile ganze Bücherregale füllenden Fachbibliographie nachgelesen werden. Oder anhand der zeitgenössischen Akten, Protokolle, Dokumente, Fotografien und sonstigen Unterlagen, die das Saarländische Landesarchiv verwahrt und dort jederzeit von Interessierten eingesehen werden können. Historische Fakten bleiben auch nach 65 und mehr Jahren weiterhin Fakten und eignen sich nicht für eine abwegige verschwörungstheoretische Theoriefindung.

 

 

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