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3. Ergebnisse

Rund 1.000 internationale Wahlbeobachter überwachten den ordnungsgemäßen Ablauf der Abstimmung in den 341 örtlichen Wahllokalen und die abendliche Stimmauszählungen – zu diesem Zweck waren eigens 355 Luxemburger, 325 Niederländer, 155 Belgier, 120 Italiener und 50 Engländer an die Saar gereist. Um die Gefahr von gewaltsamen Protesten am Abstimmungstag zu verringern, wurden bereits am Vortag die Grenzübergänge geschlossen: zwischen Samstag, den 22. Oktober, 12:00 Uhr und Montag, den 24. Oktober 1955, 6:50 Uhr war eine Einreise aus bzw. Ausreise nach Frankreich, (West-)Deutschland und Luxemburg nur für Ärzte, Grenzpendler und den Transitverkehr möglich. Während der Stimmauszählung am Sonntagabend zwischen Schließung der Wahllokale und Mitternacht galt sogar eine vollständige Grenzschließung. In Wirtschaften und Kneipen war am Abstimmungstag zudem der Ausschank von alkoholischen Getränken strikt verboten, doch dürfte dies in den Abendstunden nicht mehr allzu streng umgesetzt worden sein.

Auszählung der Abstimmungszettel in einem der 341 Wahllokale am Abend des 23. Oktober 1955. SaarLA_B StK, RegHoffmann 8_bearb
Auszählung der Abstimmungszettel in einem der 341 Wahllokale am Abend des 23. Oktober 1955. (Urheber: Presse Photo Actuelle, Copyright: SaarLA, CC-BY SA) Foto: SaarLA_B StK, RegHoffmann 8_bearb


Die saarländische Bevölkerung lehnte das Saarstatut schließlich mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ab – bei einer Wahlbeteiligung von 96,6 % votierten nur 32,3 % der Saarländer für eine Europäisierung, während 67,7 % sich diesem Zukunftsentwurf verweigerten. Nur in 17 von 341 saarländischen Gemeinden hatten sich die Befürworter des Saarstatuts durchsetzen können, jedoch repräsentierten sie zusammen weniger als zwei Prozent aller Stimmberechtigen.

Geografisch auffällig ist das überdurchschnittliche Ergebnis der Befürworter der Europäisierung an der Saarschleife, wo mit Mettlach, Nohn, Orscholz, Weiten und Britten gleich fünf benachbarte Gemeinden mehrheitlich für das Saarstatut stimmten (Mettlach: 1503 Ja- zu 1245 Nein-Stimmen; Nohn: 170 Ja- zu 123 Nein-Stimmen; Orscholz: 887 Ja- zu 605 Nein-Stimmen; Weiten: 344 Ja- zu 317 Nein-Stimmen; sowie Britten mit 336 Ja- zu 277 Nein-Stimmen). In mehr als 70 Gemeinden wurde das Statut mit mindestens 80 % abgelehnt, darunter Ludweiler und Bischmisheim mit jeweils 81,8 % Nein-Stimmen. Das deutlichste Ergebnis wurde schließlich aus Dörrenbach (heute ein Stadtteil von St. Wendel) gemeldet: mit lediglich 4 Ja- zu 210 Nein-Stimmen lehnten mehr als 98 % der Wahlberechtigten dieser Gemeinde ein europäisches Saarstatut ab.

Die saarländische Regierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann (CVP) trat noch in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober zurück, der Landtag wurde aufgelöst und vorgezogene Neuwahlen für Dezember 1955 ausgerufen. Aus diesen Landtagswahlen gingen die prodeutschen Parteien CDU, DPS und DSP, welche sich als Heimatbund zusammengeschlossen und gegen das Saarstatut ausgesprochen hatten, als deutliche Sieger hervor und erzielten 63,9 % der abgegebenen Stimmen. CVP und SPS, die für eine Europäisierung eingetreten waren, verbuchten mit -59,2 % die erwarteten erdrutschartigen Verluste und kamen unterm Strich nur noch auf 27,6 %. Die KP verlor ebenfalls fast ein Drittel ihrer Wähler und erzielte nun 6,6 %. Die mit einem eindeutigen Regierungsauftrag versehenen prodeutschen Parteien einigten sich in den nächsten Tagen zügig auf eine gemeinsame Regierungsbildung und mit dem am 10. Januar 1956 gewählten Juristen Hubert Ney stellte fortan die CDU den Ministerpräsidenten an der Saar.

Johannes Hoffmann und seine Familie unmittelbar nach ihrer Stimmabgabe am 23. Oktober 1955. SaarLA_N PressPhA 327_32
Johannes Hoffmann und seine Familie unmittelbar nach ihrer Stimmabgabe am 23. Oktober 1955. (Urheber: Presse Photo Actuelle, Copyright: SaarLA, CC-BY SA) Foto: SaarLA_N PressPhA 327_32


Ney begleitete als Regierungschef zwar die politische Eingliederung der Saar in die BRD, trat jedoch bereits im Sommer 1957 nach parteiinternen Differenzen vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. Der neuen Landesregierung unter Egon Reinert blieb er als Justizminister erhalten. Auf Reinert, der im April 1959 bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt war, folgte Franz Josef Röder nach, in dessen Amtszeit die wirtschaftliche Wiedervereinigung der Saar nach (West-)Deutschland fiel, die als Tag X in die Geschichte einging (siehe unten). Innerhalb von drei Jahren zeichneten sich derart gleich drei Ministerpräsidenten für die Fragen rund um die wirtschaftliche Eingliederung der Saar verantwortlich.

 

 

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