| Staatskanzlei | Geschichte

Gegen das Vergessen

Liste saarländischer Euthanasieopfer um weitere 280 Personen ergänzt

Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hat das Saarländische Landesarchiv am Samstag, 27. Januar, eine aktualisierte Liste der saarländischen Euthanasieopfer veröffentlicht.

Sie ermöglicht ein würdiges Gedenken an die Opfer des NS-Regimes und bewahrt ihr Leid vor dem Vergessen. Seit 2021 veröffentlicht das Landesarchiv zum Gedenktag jährlich eine aktualisierte Liste der saarländischen Euthanasieopfer, die größtenteils bis 1939 in der Heil- und Pflegeanstalt Merzig sowie im Landeskrankenhaus Homburg untergebracht waren. Diese Liste wird aus weiteren Quellen ergänzt, um möglichst viele saarländische Opfer der NS-Verbrechen zu erfassen. Im vergangenen Jahr wurde die Liste vor allem um Euthanasieopfer erweitert, die in der Landesheilanstalt Weilmünster den Tod fanden. Zwischen September 1939 und Mai 1945 starben dort ca. 285 Saarländerinnen und Saarländer.

Die aktualisierte Liste der saarländischen Euthanasieopfer ist online verfügbar. Sie umfasst nun insgesamt 1.336 Personen und kann weiterhin keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Zu viele Unterlagen sind verloren. Nach heutigem Wissenstand wurden jedoch die wichtigsten Quellen für die überwiegende Anzahl der saarländischen Euthanasieopfer systematisch ausgewertet:

  • Patientenakten des Landeskrankenhauses Homburg und der Heil- und Pflegeanstalt Merzig (Landesarchiv)
  • Forschungsergebnisse zu den Akten des Bundesarchivs, des Landeswohlfahrtverbandes Hessen und des Hauptstaatsarchivs Wiesbaden (Christoph Braß)
  • Opferlisten des Vereins „Gedenkort Kalmenhof e.V.“ (Idstein) sowie des Stadtarchivs Eltville für die Anstalt Eichberg
  • Opferlisten der Gedenkstätte Hadamar
  • Gedenkbuch Weilmünster

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass weitere Saarländerinnen und Saarländer an anderen Orten Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms geworden sind, schreibt das Landesarchiv die Opferliste fort, sofern Ergänzungen bekannt werden.

Weitere Informationen und Erläuterungen zu den Inhalten sowie den Link zum Download der Liste finden Sie hier.

Hintergrundinformationen

Die Euthanasiepolitik des NS-Regimes forderte im Saarland zahlreiche Opfer. Wichtige Forschungsbeiträge dazu stammen von Christoph Braß und Claudia Flöter. Eine öffentlich einsehbare Liste der saarländischen Euthanasieopfer wurde im 2018 initiiert. Der Landtag des Saarlandes beschäftigte sich nach einer Anfrage der Landtagsfraktion DIE LINKE und einer Petition, die das Gedenken an die Euthanasieopfer anmahnten, mit der Thematik. Mit dem Bemühen um Aufklärung begann die saarländische Staatskanzlei mit der Zusammenstellung einer Opferliste und übermittelte erste gewonnene Daten dem Saarländischen Landesarchiv zur Überprüfung und Vervollständigung. Seitdem fließen eigene Rechercheergebnisse sowie Informationen von Forscherinnen und Forschern aus dem Saarland und darüber hinaus in die Aufklärungsarbeit ein. Die Zwischenergebnisse werden jährlich publiziert.

Medienansprechpartner

Regierungssprecher Julian Lange

Julian Lange
Regierungssprecher

Am Ludwigsplatz 14
66117 Saarbrücken

Logo der Staatskanzlei des Saarlandes