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Entwicklung der saarländischen Wirtschaft unter Einfluß von Corona

Vorläufiger Jahresrückblick 2020

Die saarländische Wirtschaft stand in diesem Jahr gänzlich unter dem Einfluss der zu Jahresbeginn aufgekommenen Corona-Pandemie. Die Auswirkungen auf das wirtschaftliche Geschehen traten zu Beginn des zweiten Quartals deutlich zu Tage. Dies zeigen die aktuellen Konjunkturdaten des Statistischen Amtes des Saarlandes.

Auch wenn im Laufe der Monate vereinzelt positive Tendenzen auszumachen waren, liegen die kumulierten Monatsergebnisse doch erheblich unter den Vorjahreswerten. Wie sich die Saarwirtschaft im nun zu Ende gehenden Jahr im Lichte der amtlichen Statistik präsentiert, zeigen die folgenden Auswertungen. Dazu liegen für das Produzierende Gewerbe und einzelne Dienstleistungsbereiche Ergebnisse z. T. bis Oktober vor, bei der Arbeitslosigkeit und der Preisentwicklung sogar bis zum November.

Verarbeitendes Gewerbe

Die bereits im vergangenen Jahr aufgekommene Konjunkturschwäche bildete für die saarländische Industrie keine gute Ausgangslage zum Jahresanfang. Zu Beginn des zweiten Quartals 2020 zeigten sich zusätzlich die negativen Auswirkungen der Corona-Krise, insbesondere die durch Unterbrechung der Lieferketten verursachten vorübergehenden Produktionsausfälle.

Die Umsätze im zweiten Quartal gingen gegenüber dem Vorquartal um 29,1 Prozent zurück, gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres belief sich das Minus auf 36,6 Prozent. Der Halbjahresumsatz fiel fast um ein Viertel geringer aus als im Jahr zuvor. Zum dritten Quartal verbesserte sich die Erlössituation. Zum Vorquartal stiegen die Umsätze um ein Viertel, lagen jedoch um 13,7 Prozent unter den Ergebnissen des vergleichbaren Vorjahreszeitraums.

Die im Jahresverlauf bestehende wirtschaftliche Unsicherheit schlug sich – auch bei z. T. im Vormonatsvergleich positiver Entwicklung – in den deutlich rückläufigen Auftragseingängen, der Produktion und den Umsätzen nieder. Die Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe gingen von Januar bis Oktober 2020 deutlich um 15,1 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zurück. Die Produktion, deren Daten in Form eines vierteljährlichen Index bis September vorliegen, fiel um ein Fünftel geringer aus. Die erwirtschafteten Umsätze unterschritten mit 17,9 Mrd. Euro den vergleichbaren Vorjahreswert um 19,3 Prozent. Dabei reduzierte sich der Auslandsumsatz um 19,9 Prozent auf 9,0 Mrd. Euro, während der Inlandsabsatz um 18,7 Prozent auf 8,9 Mrd. Euro zurückging.

In den ersten zehn Monaten verbuchten die Stützpfeiler der Saarindustrie deutliche Umsatzeinbußen. Bei den Betrieben der Metallerzeugung und Metallbearbeitung verringerten sich die Umsätze um 29,7 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro. Die Bestellungen gingen um 20,3 Prozent zurück, die Produktion wurde um 28,3 Prozent gedrosselt.

Umsatzrückgänge um 31,8 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro meldeten auch die Maschinenbau-Betriebe. Hier fielen die Order um 21,5 Prozent geringer aus und die Produktionsleistung verringerte sich um 21,5 Prozent.  

1,3 Mrd. Euro erwirtschafteten die Hersteller von Metallerzeugnissen, was einem Rückgang um 10,3 Prozent entspricht. Hier zogen die Auftragseingänge zwar um 2,7 Prozent an, der Produktionsausstoß lag aber noch um 15,7 Prozent unter dem Vergleichsergebnis vom Vorjahr.

Die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen befinden sich mitten in einem Transformationsprozess bei gleichzeitiger Unsicherheit auf der Nachfrageseite. Der Umsatz blieb mit 6,1 Mrd. Euro ebenfalls deutlich um 18,8 Prozent unter den Vorjahreswerten. Die Aufträge sind um 14,8 Prozent ausgeblieben und die Produktion fiel um 30,9 Prozent unter das Vorjahresniveau.  

Auch die Gummi- und Kunststoffwaren herstellenden Betriebe verbuchten deutliche Umsatzeinbußen um 14,9 Prozent auf 736 Mio. Euro.

Nutznießer der Pandemie sind die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln, die von Januar bis Oktober eine Umsatzsteigerung ausweisen und mit 1,2 Mrd. Euro ein Plus von 11,7 Prozent erzielten.

Die Auswirkungen der Corona-Krise mit zeitweisem Lockdown schlugen sich auch im Arbeitsvolumen nieder. In den ersten zehn Monaten wurden in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes (mit 50 und mehr Beschäftigten) 81,7 Mio. Arbeitsstunden geleistet, was einem Minus von 16,7 Prozent entspricht. Die Zahl der tätigen Personen hat sich um 6,5 Prozent auf durchschnittlich 76 029 verringert.

Baugewerbe

Das saarländische Baugewerbe schloss die ersten neun Monate 2020 mit einem Umsatzrückgang von 4,7 Prozent auf 985 Mio. Euro ab. Dabei blieben sowohl das Bauhaupt,- als auch das Ausbaugewerbe hinter den Erwartungen zurück. Während sich im Bauhauptgewerbe der baugewerbliche Umsatz auf 672 Mio. Euro belief und den Vorjahreswert um 3,4 Prozent unterschritt, rechnete das Ausbaugewerbe baugewerbliche Leistungen in Höhe von 313 Mio. Euro ab. Dies entspricht einer Umsatzverringerung um 7,5 Prozent. Die im Baugewerbe insgesamt erbrachte Produktionsleistung übertraf den entsprechenden Vorjahreswert dennoch um 6,3 Prozent. 

Im Bauhauptgewerbe kam der Hochbau mit 322 Mio. Euro nicht an den Vergleichswert aus dem Vorjahr heran. Hier liefen die Geschäfte um 9,5 Prozent ungünstiger. Der Tiefbau steigerte hingegen sein Ergebnis um 3,0 Prozent auf 350 Mio. Euro.

Dennoch stimmen die kumulierten Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe für Januar bis September zuversichtlich. Bei einem Gesamtvolumen von 752 Mio. Euro wurde ein deutliches Auftragsplus von 15,2 Prozent verbucht. Dabei lagen für den Hochbau Aufträge im Volumen von 403 Mio. Euro vor. Gegenüber dem Vorjahresergebnis ist dies ein kräftiges Plus von 34,1 Prozent. Für den Tiefbau summierten sich die Bestellungen auf 349 Mio. Euro. Diese blieben allerdings um 0,9 Prozent unter dem Vergleichswert.

Das Arbeitsvolumen erhöhte sich (in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten) um 3,5 Prozent auf rund 4,7 Mio. geleistete Arbeitsstunden. Mit durchschnittlich knapp 5 300 Personen lag die Beschäftigtenzahl um 1,6 Prozent über dem Vorjahresvergleichswert.

Im Ausbaugewerbe zeigen die Ergebnisse der ersten drei Quartale Corona-bedingte Einbußen. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ging (in Betrieben des vierteljährlichen Berichtskreises) um 4,3 Prozent auf 3,2 Mio. zurück. Die Beschäftigtenzahl reduzierte sich um 2,0 Prozent auf durchschnittlich knapp über 3 400 Personen. Der ausbaugewerbliche Umsatz wies mit 313 Mio. Euro einen Rückgang von 7,5 Prozent aus.

Bautätigkeit

Eine positive Entwicklung zeigte der Wohnungsbau auf: Die Zahl der von Januar bis September genehmigten Neubau-Wohnungen im Wohn- und Nichtwohnbau hat sich deutlich um 17,1 Prozent auf 1 811 erhöht.

Dabei erfreuten sich Wohnungen in Zweifamilienhäusern einer deutlichen Präferenz mit fast verdoppelter Fallzahl (178). Die Zahl der Wohnungen in Dreifamilienhäusern erfuhr ebenfalls einen hohen Zuspruch (+ 11,0 % auf 907). Dagegen blieb die Nachfrage nach Einfamilienhäusern mit 566 Einheiten auf Vorjahresniveau. Die veranschlagten Kosten für Wohngebäude lagen mit 366 Mio. Euro um 14,8 Prozent über dem Vorjahreswert. 

Energiewirtschaft

Die Stromwirtschaft hat im bisherigen Jahresverlauf ihre seit Jahren andauernde Talfahrt fortgesetzt. 2019 verringerte sich mit 1,8 Mio. Megawattstunden (MWh) die Bruttostromerzeugung der saarländischen Kraftwerke (für die öffentliche Versorgung) gegenüber dem Vorjahr bereits um 14,6 Prozent. Von Januar bis September 2020 wurden 1,2 Mio. MWh erzeugt, was bereits einem Rückgang um 6,1 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum entspricht.

Die Stromproduktion aus (importierter) Steinkohle fiel hierbei um 5,4 Prozent geringer aus und betrug 517 000 MWh. Der Einsatz von Gasen, incl. Grubengas, reduzierte sich um 10,4 Prozent auf 491 000 MWh. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich dagegen die Einspeisung aus erneuerbaren Energien um 11,3 Prozent auf 1,3 Mio. MWh. Dabei wurden aus Windkraft nach vorläufigen Berechnungen mit einem Plus von 20,4 Prozent 741 000 MWh ins Stromnetz eingespeist. Photovoltaik stellte 378 000 MWh bereit, was dem Vergleichswert aus dem Vorjahr entspricht.  

Handel und Gastgewerbe

Auch das Konsumverhalten der privaten Haushalte wurde von Januar bis Oktober 2020 von der Corona-Pandemie beeinflusst. Der Einzelhandel (ohne Kfz) setzte 1,1 Prozent mehr um als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dabei konnte der Einzelhandel mit Lebensmitteln sein Umsatzniveau mit einem Plus von 1,0  Prozent halten. Der Einzelhandel mit Möbeln, Haushaltsgeräten und Baubedarf hingegen weist im Vorjahresvergleich sogar ein Umsatzplus von 5,2 Prozent aus.

Der stationäre Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren hingegen blickt in den zehn Monaten des Jahres auf erhebliche Umsatzeinbußen von 24,5 Prozent zurück. Dahingegen bescherte die Corona-Krise in den ersten zehn Monaten des Jahres 2020 im Vorjahresvergleich dem Versand- und Internethandel ein Umsatzplus von 26,6 Prozent.

Der Handel mit Kraftfahrzeugen verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2020 ein Minus von 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Corona-Krise setzte dem Landestourismus Saarland bis Oktober 2020 stark zu. Die Beherbergungsbetriebe und Campingplätze des Landes verzeichneten insgesamt rund 594 000 oder 38,4 Prozent weniger Gäste als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, die Zahl der Übernachtungen ging um 32,8 Prozent auf 1 866 000 zurück. Corona-bedingt wurden sowohl 28,8 Prozent weniger Gäste aus Deutschland als auch 54 Prozent weniger aus dem Ausland aufgenommen.

Insgesamt brach sowohl in der Beherbergung (- 31,2 %) als auch in der Gastronomie (- 32,1 %) der Umsatz in den ersten zehn Monaten 2020 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres deutlich ein.

Außenhandel

Der Außenhandel der Saarwirtschaft konnte in den ersten neun Monaten 2020 nicht an sein Vorjahresergebnis anknüpfen und verzeichnete sowohl bei dem Im- als auch Exporten deutliche Rückgänge: Das Saarland exportierte Waren im Wert von 9,6 Mrd. Euro, dies sind 18,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Importe beliefen sich auf 9,7 Mrd. Euro (- 16,5 %). 

Die meisten Einfuhren bezieht das Saarland weiterhin aus Spanien (- 16,8 % auf 1,9 Mrd. Euro) und Frankreich (- 17,4 % auf 1,5 Mrd. Euro). Weit abgeschlagen folgen Italien mit 762 Mio. Euro (+ 0,3 %) und dann erst das Vereinigte Königreich (Großbritannien) mit 402 Mio. Euro (- 26,5 %). Beim Export beklagt die Saarwirtschaft starke Rückgänge der Lieferungen ins Vereinigte Königreich (- 37,4 % auf 822 Mio. Euro) wie auch nach Frankreich (- 17 % auf 1,4 Mrd. Euro).

Der Warenaustausch des Saarlandes mit den Vereinigten Staaten von Amerika ist im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Die Importe aus den USA gingen bis Ende September um 3,9 Prozent auf 434 Mio. Euro zurück, und die Ausfuhren dorthin verringerten sich um 17,4 Prozent auf 967 Mio. Euro. Die USA bleiben neben Frankreich und Großbritannien der wichtigste Exportpartner der Saarwirtschaft.

Sowohl bei der Einfuhr als auch bei der Ausfuhr stellen die Güter der Fahrzeugindustrie (Fahrgestelle, Karosserien, Motoren sowie fertige Pkw) mit einem zusammengefassten Handelsvolumen von rund 6,5 Mrd. Euro die weitaus dominierende Warengruppe im saarländischen Außenhandel dar.

Beschäftigung

Der Arbeitsmarkt hat sich der konjunkturellen Entwicklung angepasst und konnte sich im Jahresverlauf stabilisieren. Nach vorläufigen Daten der Bundesagentur für Arbeit lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Saarland Ende September 2020 bei 390 900 Personen, 5 100 Personen bzw. 1,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Allerdings hat sich die „Corona-Delle“, beginnend im April mit 387 963 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, wieder geglättet. Von 390 900 entfielen 119 400 Arbeitskräfte auf die produzierenden Bereiche einschließlich Landwirtschaft und 271 500 Beschäftigte auf die übrigen Sektoren, also die Dienstleistungen im weitesten Sinne.

Personalaufstockungen verzeichneten u. a. die Branchen Information und Kommunikation, das Baugewerbe, die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen. Auch im Bereich der sonstigen Dienstleistungen und private Haushalte nahmen die Beschäftigungsverhältnisse zu. Von Arbeitsplatzverlusten in größerem Umfang sind das Verarbeitende Gewerbe und die Unternehmen der Arbeitnehmerüberlassungen betroffen. Das Gastgewerbe musste – auch infolge des Corona-bedingten Lockdowns - ebenfalls Arbeitsplätze abbauen.

Auf Bundesebene zeigt sich die Arbeitsmarktentwicklung im Jahresverlauf relativ robust. Der vergleichbare Beschäftigtenstand verringerte sich bis zum September 2020 um 142 700 Personen oder 0,4 Prozent auf knapp 33,8 Millionen.

Arbeitslosigkeit  

Die Konjunkturentwicklung hat die Arbeitslosigkeit im Saarland und in Deutschland negativ beeinflusst. Im Saarland waren Ende November dieses Jahres 37 737 Menschen arbeitslos gemeldet, das waren 5 428 Personen oder 16,8 Prozent mehr als zur gleichen Vorjahreszeit. Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, stieg von 6,0 auf 7,1 Prozent. Im Reigen der Bundesländer bedeutet dies den 10. Rang für das Saarland.

41,8 Prozent der saarländischen gemeldeten Erwerbslosen sind Frauen und 7,7 Prozent sind jünger als 25 Jahre. Von Langzeitarbeitslosigkeit sind 35,5 Prozent aller Arbeitsuchenden betroffen.

Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen binnen Jahresfrist um 519 134 auf 2,7 Millionen. Das bedeutet einen Anstieg um 23,8 Prozent. Die gesamtdeutsche Arbeitslosenquote beträgt 5,9 Prozent, im vergleichbaren Vorjahresmonat lag sie bei 4,8 Prozent.

Bruttoinlandsprodukt

Der mit der Corona-Krise verbundene wirtschaftliche Einbruch ließ das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Saarlandes als Maßstab der gesamtwirtschaftlichen Leistung im ersten Halbjahr 2020 (neuere BIP-Ergebnisse liegen zurzeit noch nicht vor) dramatisch einbrechen. Nominal betrug das Minus 7,0 Prozent, preisbereinigt bedeutete das einen realen Rückgang von 9,5 Prozent. Für Deutschland insgesamt wurde die Wirtschaftsentwicklung des ersten Halbjahres nominal auf minus 4,2 Prozent beziffert, real auf minus 6,6 Prozent.

Bevölkerungsentwicklung

Das gesamtwirtschaftliche Geschehen des Saarlandes wurde auch im Jahr 2020 von einer rückläufigen Einwohnerzahl begleitet. Im ersten Halbjahr hat sich die saarländische Bevölkerung um 2 036 Personen oder 0,2 Prozent verringert und lag am 30. Juni bei 984 851 Einwohnerinnen und Einwohnern. Gegenüber der Jahresmitte 2019 beträgt der Bevölkerungsrückgang sogar 3 407 Personen.

Preisentwicklung

Das Niveau der Verbraucherpreise im Saarland hat sich im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig verändert. Im Durchschnitt der aktuell vorliegenden Berichtsmonate Januar bis November lagen die Preise für private Endverbraucher im Schnitt um 0,4 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert.

Die Entwicklung auf der Konsumentenpreisebene war wie so oft sehr stark durch die Energiepreise beeinflusst. Im Zuge der Corona-bedingten globalen Wirtschaftskrise sind die Erdölpreise zeitweise dramatisch eingebrochen. Von dieser Entwicklung konnten vor allem die Verbraucher profitieren, die ihre Heizölvorräte aufgefüllt haben: Im Jahr 2020 (Januar bis November) lag der Durchschnittspreis für Heizöl um gut ein Viertel unterhalb des vergleichbaren Vorjahreswertes (- 26,5 %). Auch die Fernwärme verbilligte sich um 10,3 Prozent. Während bei Gas (einschließlich Umlage) die Preise mit einem Minus von 0,6 Prozent noch geringfügig nachgaben, genehmigten sich die Stromversorger bei den privaten Haushalten einen durchschnittlichen Preisaufschlag von 4,8 Prozent. Die saarländischen Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer konnten sich an den Tankstellen über eine finanzielle Entlastung von durchschnittlich 11,1 Prozent freuen.

Die Nahrungsmittelpreise sind im nun zu Ende gehenden Jahr im Schnitt um 2,6 Prozent gestiegen. Spürbar verteuert haben sich Fleisch und Fleischwaren (+ 6,4 %), insbesondere die Preise von Schweinefleisch lagen um 9,6 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Auch beim Obst gab es einen deutlichen Preisanstieg um 5,8 Prozent, wohingegen die durchschnittliche Verteuerung bei Gemüse mit 1,1 Prozent moderat ausfiel.

Im Handel mit Bekleidung und Schuhen reagierten die Anbieter auf zeitweilige Einschränkungen und Käuferzurückhaltung mit Preissenkungen um durchschnittlich 0,5 Prozent.

Die Nettokaltmieten im Saarland haben sich im Jahresvergleich um 1,4 Prozent erhöht.

Im Juli 2020 wurden die Mehrwertsteuer in Deutschland auf ein halbes Jahr befristet reduziert. In vielen Geschäften wurde eine Weitergabe der Steuervorteile an die Kunden offen kommuniziert. Der Einfluss der Maßnahme auf das Verbraucherpreisniveau lässt sich allerdings mit dem Instrumentarium der Preisstatistik nicht quantifizieren. Da die unterschiedlichsten Effekte die Preisbildung beeinflussen, ist eine quantitative Aussage zur Auswirkung der Mehrwertsteuersenkung auf das Preisniveau nicht möglich.

Nach einer fiktiven Rechnung des Statistischen Bundesamtes würde eine vollständige Weitergabe der Steuervorteile an die Verbraucherinnen und Verbraucher für sich genommen das Preisniveau im Vergleich mit einer ansonsten gleichen Situation ohne Mehrwertsteuersenkung um 1,6 Prozent verringern.

Medienansprechpartner

Dipl.-Politologin, Master of Evaluation Koba Krause
Leitung SG A 11

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