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Thema: Wald und Forstwirtschaft

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| Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz | Wald und Forst, Umwelt und Natur

Waldzustandsbericht 2021: Keine Entwarnung für den Wald – Kein erhöhter Einschlag trotz Einnahmeverlusten – Minister Jost: Ökologie hat Vorrang   

Der Zustand des saarländischen Waldes hat sich im Vergleich zu 2020 kaum verändert. Die Waldbäume leiden noch immer unter Vitalitätsschwäche und Schäden. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2021 machen deutlich: Unser Wald befindet sich ungeachtet der kühlen und nassen Sommermonate weiter im Klimastress.

Der Zustand des saarländischen Waldes hat sich im Vergleich zu 2020 kaum verändert. Die Waldbäume leiden noch immer unter Vitalitätsschwäche und Schäden. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2021 machen deutlich: Unser Wald befindet sich ungeachtet der kühlen und nassen Sommermonate weiter im Klimastress.

Zwar stellt sich bei der Betrachtung der Schadenstufenverteilung über alle Baumarten die Situation im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas besser dar: Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden hat sich geringfügig auf einen Anteil von jetzt 37 Prozent (2020 waren es 41 %) verringert. Denn der Witterungsverlauf mit den hohen Niederschlägen begünstigte den Kronenzustand der Bäume. 

„Diese Entwicklung bedeutet aber keineswegs eine Entwarnung. Infolge der extrem heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre sind die Bäume nach wie vor geschwächt und dadurch anfälliger für Schaderreger“, betont Umweltminister Reinhold Jost. Im Saarland sind von 2018 bis zum 3. Quartal 2021 bislang rund 570.000 Festmeter Schadholz angefallen. Das entspricht in etwa der doppelten Holzmenge, die in einem normalen Jahr im Zuge einer naturnahen Waldbewirtschaftung im Saarland geerntet wird. Das Nadelholz, besonders die Fichte, hat mit 90% den größten Anteil am Schadholzaufkommen.

Die gesamte Schadfläche beläuft sich auf rund 1200 Hektar. Diese Flächen wurden schon zum Teil wiederbewaldet. Im Staatswald wurden von den insgesamt 635 Hektar Schadfläche bislang rund 520 Hektar wiederbewaldet, überwiegend durch Naturverjüngung, teilweise Pflanzung. Darüber hinaus wurden bereits 78.000 Pflanzen, überwiegend Eiche, aber auch Esskastanie und andere, gekauft, die in den kommenden Monaten gepflanzt werden. 

Kommunen und Privatwaldbesitzer wurden in den letzten drei Jahren bei der Wiederbewaldung von bislang rund 324 Hektar Fläche unterstützt. Das Saarland bietet zudem mit zwei forstlich ausgebildeten Privatwaldbetreuern einen unentgeltlichen Beratungsservice für Privatwaldbesitzerinnen und Besitzer an. Dieses Angebot habe sich hervorragend bewährt, so der Minister. 

„Unsere Strategie, um unsere Wälder klimastabiler zu gestalten, haben wir bereits 2019 in unserem Masterplan für den Wald festgelegt. Diese Forststrategie ist natürlich nicht in Stein gemeißelt, sondern unterliegt einem stetigen Prozess der Evaluierung und des Nachbesserns.“

Umweltminister Reinhold Jost

Zentrale Punkte der forstpolitischen Strategie:

  • Der Holzvorrat soll im Staatswald von aktuell 358 Festmeter/Hektar bis 2029 auf ca. 400 Festmeter/Hektar anwachsen, trotz Holznutzung. Ein höherer Holzvorrat pro Hektar ist klimarelevant, da mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre als Kohlenstoff im Holz und Waldboden gespeichert ist.
  • Der Hiebssatz wurde reduziert und zwar bei der Holzernte älterer Bäume, um möglichst wenig Störung im bestehenden Waldinnenklima zu verursachen. Der Nutzungsverzicht von jährlich 15.000 Erntefestmetern Starkholz führt zu Mindereinnahmen von ca. 1,275 Millionen Euro jährlich. Unser Gewinn: Die ökologischen Leistungen des Waldes werden dauerhaft gesichert.
  • Preisverfall und Aufarbeitungskosten haben zu einem unvorhersehbaren Defizit beim SaarForst geführt. Eine Kompensation von Einnahmeverlusten durch erhöhten Einschlag wird allerdings nicht erfolgen. Stattdessen ist eine Begrenzung des Holzeinschlags vorgesehen. Walderhalt vor Waldnutzung hat seinen Preis. Aus dem Landeshaushalt werden dem SaarForst zur Deckung des Defizits 11 Millionen Euro für die beiden Jahre 2021 und 2022 zusätzlich zur Verfügung gestellt.
  • Vor dem Hintergrund der Klimakrise hat Wald die Funktion der Kohlenstoffsenke. Diese Ökosystemleistungen des Waldes sollen honoriert werden. Auf Initiative von Rheinland-Pfalz und dem Saarland wurde das Thema Honorierung von Ökosystemleistungen auf Umweltministerkonferenz im September 2020 in Weiskirchen diskutiert. Ziel ist die Entwicklung eines langfristigen Ansatzes für die Einführung eines Honorierungssystems von Klimaschutz- und Ökosystemleistungen des Waldes.  Ein solches Programm sollte aus Mitteln des Energie- und Klimafonds (EKF) finanziert werden.
  • Der junge Wald, der heranwächst, muss geschützt werden. Dazu kommen beispielsweise Hordengatter zum Einsatz, aber es ist ebenso wichtig, die Jägerschaft einzubinden. Es muss eine strategisch verstärkte Bejagung im Wald stattfinden. Dazu hat auf Initiative des Umweltministeriums die Arbeitsgruppe „Runder Tisch Wald und Wild“ dieses Jahr die Arbeit aufgenommen.

„Ein wichtiger Baustein zur Weiterentwicklung unseres Waldes ist die Biodiversitätsstrategie für den Staatswald des Saarlandes, die ich im Sommer 2021 vorgestellt habe. Sie wurde vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Ergebnisse und Erfahrungen aus 30 Jahren naturnaher Waldwirtschaft erarbeitet. Sie beschreibt aus Sicht des Waldnaturschutzes und der Verantwortung des Saarlandes für die Rotbuchenwälder unseren Wald der Zukunft. Ziel ist die Erhaltung und Optimierung intakter standort- und naturraumtypischer Waldökosysteme“, so Minister Jost. 

Der Zustand der wichtigsten Baumarten in der Übersicht:

Buche:

Die Spätfolgen der drei zurückliegenden Trockenjahre hat zu einer gravierenden Schadsituation in alten Buchenwäldern geführt. Die Absterberate von älteren Buchen ist stark erhöht. Bei vielen Bäumen setzen die Kronen weiter zurück, abgestorbene Kronenteile oder einzelne Starkäste führen in vielen Waldteilen zu einem erhöhten Gefahrenpotential und notwendigen Maßnahmen für die Verkehrssicherung.

Minister Jost: „Wir haben im Saarland eine besondere Verantwortung für die Buche. Wir liegen im Kerngebiet ihrer natürlichen Verbreitung, unsere natürlichen Waldgesellschaften sind mit einem Buchenanteil von 23% buchengeprägt. Unsere Hoffnung liegt darin, dass sich insbesondere jüngere Buchen an verändernde Klimaverhältnisse anpassen können. Immerhin hat sich deren Kronenzustand gegenüber dem Vorjahr insgesamt wieder leicht verbessert.“

Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Schadniveau etwas verbessert. Um 13 Prozentpunkte ist der Anteil der deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) gesunken, von 58 % im Vorjahr auf jetzt 45 %.

Der Anteil an Probebäumen ohne sichtbare Schadmerkmale (Schadstufe 0) hat sich um 3 Prozentpunkte auf 15 Prozent erhöht.

Eiche:

Die Eiche ist mit 21 % Flächenanteil die zweite wichtige Laubbaumart im Saarland. Grundsätzlich hat sie die Fähigkeit, Trockenphasen besser zu überstehen als die Buche, ist als Mischbaumart ausgesprochen wichtig und hat bei der Wiederbewaldung von Kalamitätsflächen ihren festen Platz. Auftretende Kronenschäden liegen in der langjährigen Beobachtungsreihe vergleichsweise hoch. Ausgeprägte jährliche Schwankungen hängen unter anderem von einem kombinierten Befall von blattfressenden Raupen (Eichenfraßgesellschaften) und Eichenmehltau ab, der Befall war 2021 höher als im Vorjahr. Der Kronenzustand der Eiche hat sich deshalb leicht verschlechtert.

Der Anteil deutlich geschädigter Bäume ist um 11 Prozentpunkte von 35 % im Vorjahr auf jetzt 46 % angestiegen. Der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden hat sich um einen Prozentpunkt auf 10 % verringert.

Esche:

Auch bei anderen Baumarten ist der Gesundheitsverlauf durch Insekten- und Pilzbefall geprägt, im Zuge der Globalisierung ein erhöhtes Risiko: So hatten mit dem Auftreten des Eschentriebsterbens (ab 2013) die Kronenschäden der Esche rasant zugenommen und zu flächigem Absterbeerscheinungen geführt. Verursacht wird das Eschentriebsterben durch eine Pilzinfektion mit dem aus Japan eingeschleppten „Falschen Weißen Stängelbecherchen“. Trotz einer gewissen Erholung in 2021 ist die weitere Entwicklung der Esche als bedeutende Mischbaumart ungewiss.

Douglasie:

Auch die Douglasie, deren Anbau als Gastbaumart seit den 1950er Jahren forciert wurde, ist verbreitet durch chronischen Befall der „Rußigen Douglasienschütte“ geschädigt. Ein weiterer aktiver Anbau der Douglasie wird angesichts dieser Schadsituation in den saarländischen Waldbewirtschaftungsrichtlinien nicht mehr verfolgt.

Fichte:

Der Anteil der Fichte ist im Saarland durch die anhaltenden Borkenkäferkalamitäten deutlich zurückgegangen, die Fichte verliert zusehends ihre Bedeutung als wirtschaftliche „Brotbaumart“. In der Inventur sind 11% der aufgefundenen Probebäume abgestorben. Obwohl der Borkenkäferbefall aufgrund der kühl-feuchten Witterung geringer war als im Vorjahr, ist die Absterberate viel höher als bei allen anderen Baumarten. Immerhin hat sich der Kronenzustand der verbleibenden Fichten etwas verbessert.

Der Anteil gesunder Bäume (Schadstufe 0) ist immerhin von 8 % auf 12 % gestiegen. Rund 46 % der Fichten weisen in diesem Jahr deutliche Schäden auf – ein Rückgang um 9 Prozentpunkte.

Kiefer:

Die Kiefer hat landesweit einen Anteil von knapp 6 %. Im Vergleich zu Buche, Eiche und Fichte scheint die Kiefer vergleichsweise gut mit den klimatischen Entwicklungen zurechtzukommen.

Bei der Kiefer hat sich der Kronenzustand gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Der Anteil der Probebäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist um 3 Prozentpunkte auf aktuell 16 % gestiegen. Der Anteil ohne sichtbare Schadmerkmale (Schadstufe 0) ist ebenfalls gestiegen, von 36 % auf 41 %. 

Sonstige Baumarten:

Positiv einzuschätzen ist die Schadentwicklung der Sonstigen Baumarten wie Birke, Ahorn, Hainbuche und viele weitere Baumarten mit geringem Flächenanteil. Insgesamt hat sich der Kronenzustand wieder verbessert und das relativ geringe Schadniveau wirkt sich positiv auf das Gesamtergebnis aus.

Minister Jost: „Diese Entwicklung bestärkt uns, den Wald durch ein möglichst breites Baumartenspektrum für die Zukunft klimaflexibler zu gestalten.“

 

Der Waldzustandsbericht 2021 kann hier heruntergeladen werden.

Medienansprechpartner

Pressesprecherin des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz

Sabine Schorr
Pressesprecherin

Keplerstraße 18
66117 Saarbrücken