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Thema: Wald und Forstwirtschaft

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| Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz | Wald und Forst

Waldzustandsbericht 2022: Dürresommer macht Saar-Wald zu schaffen

Ministerin Berg: klimaflexible Wälder als vielfältige und essenzielle Leistungsträger für Natur und Gesellschaft

Der Sommer 2022 war einer der wärmsten und trockensten seit 1881: wenig Niederschläge, zu trockene Böden, Kahlflächen in Folge von Käferbefall, durch Trockenschäden aufgelichtete Wälder und erhöhtes Waldbrandrisiko. Der Zustand des saarländischen Waldes hat sich im Vergleich zu den beiden Vorjahren vor allem ab dem Spätsommer verschlechtert.

„Die Herausforderungen, vor die uns heiße und trockene Sommer, Extremwetterereignisse sowie die Folgen aus beidem stellen, legen die Messlatte für die Forstwirtschaft sehr hoch“, sagt Umweltministerin Petra Berg. „Unser bisheriger Weg zu struktur- und artenreichen, aber vor allem klimaflexible Mischwäldern ist kein leichter, aber wir werden ihn weiter konsequent gehen. Die Entwicklung zum Dauerwald zur Erhaltung unseres Waldes für künftige Generationen gewinnt hier zunehmend an Bedeutung.“

Insgesamt hat sich der Kronenzustand im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr zum Inventurzeitraum Ende Juli/Anfang August über alle Baumarten kaum verändert. Doch die Entwicklung ist uneinheitlich. Dem Anstieg des Schadniveaus bei Fichte, Kiefer, Lärche, Esche und Birke steht eine Verbesserung bei Eiche und Buche gegenüber. Die Anteile der abgestorbenen und stark geschädigten Probebäume (Schadstufe 4 und 3) sind leicht angestiegen. Das Fichtensterben durch Borkenkäferbefall setzte sich bei den Witterungsbedungen dieses Jahres weiter fort. Gänzlich frei von äußerlich erkennbaren Schadsymptomen ist nur noch jeder fünfte Baum.

Allerdings verschlechterten sich die Wachstumsbedingungen für den Wald im weiteren Verlauf des Sommers zunehmend. Besorgnis bereitet dabei, dass in naturnahen Wäldern nicht nur Altbäume, sondern auch nachwachsende Natur-Verjüngungen unter deren Schirm von Trockenschäden betroffen waren. Das volle Ausmaß der Schäden wurde erst im Spätsommer ersichtlich und konnte damit auch nicht mehr in den diesjährigen Waldzustandsbericht einfließen.

„Es ist keine Entspannung für den Wald in Sicht. Trotz überdurchschnittlich viel Niederschlag im April folgten vier Trockenmonate mit konstant hohen Temperaturen und vielen Sonnenstunden. Die Bäume befinden sich im Trockenstress und sind dadurch anfälliger für Schädlinge“, so Berg. „Eine 100-jährige Buche - Baum des Jahres 2022 - verdunstet mehrere Hundert Liter Wasser pro Tag. Reißt die Wasserzufuhr des Baumes ab, kann Luft ungehindert eindringen. Das stört nicht nur den Wassertransport, sondern kann zu vorzeitigem Laubabwurf und im schlimmsten Fall zum Absterben durch Austrocknen führen. Alle Kennwerte der Waldzustandserhebung unterstreichen die anhaltende Schädigung und Vitalitätsschwäche der Waldbäume.“

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 sind bis Oktober fast 38.000 m³ Schadholz im Staatswald angefallen. Diese verteilen sich auf fast 29.000 m³ im Nadelholz und rund 9.000 m³ im Laubholz. Auffallend im Vergleich zum letzten Jahr sind einerseits die deutlich reduzierten Schadholzmengen durch Schadinsekten und pflanzliche Infektionskrankheiten von rund 22.000 m³ im Vergleich zu 42.000 m³ im Vorjahr. Abiotische Schäden wie z.B. Sturmschäden oder Starkregen, haben sich hingegen um mehr als das Neunfache erhöht.

Durch die trockenen Böden, die Kahlflächen in Folge des Käferbefalls und die lichten und dürren Stellen im saarländischen Wald stieg das Waldbrandrisiko im Sommer erheblich. 28 Waldbrände mit einer Größe von rund 40 Hektar waren die Folge. „In enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Innenministerium und den saarländischen Feuerwehren leistet der SaarForst präventiv und im Falle eines Brandes im Wald bestmögliche Unterstützung“, so Berg. Das reiche von einer ständigen Rufbereitschaft, entsprechender Ortskenntnis und der Erarbeitung detaillierter Waldbrandeinsatzkarten im Staatswald bis hin zur Teilnahme von Försterinnen und Förstern an Übungen mit der Feuerwehr.

Auch die Anlage von Feuerlöschteichen und Löschwasserentnahmestellen ist für Kommunen seitens des Ministeriums förderfähig. Zudem stellt der konsequente Aufbau des ohnehin schon hohen Laubwaldanteils im Saarland (ca. 75%) mit seinem Strukturreichtum einen wichtigen Beitrag des vorbeugenden Waldbrandschutzes dar.

„Unsere Strategie, um unsere Wälder klimastabiler zu gestalten, haben wir bereits 2019 in unserem Masterplan für den Wald festgelegt. Diese Forststrategie unterliegt einem stetigen Prozess der Evaluierung und des Nachbesserns“, betont die Umweltministerin. „Waldumbau benötigt Zeit und ist mit der Einführung der naturnahen Waldbewirtschaftung noch längst nicht abgeschlossen. Wälder müssen immer stärker als Ökosysteme betrachtet werden, die neben der Holzerzeugung vielfältige und wichtige ökologische Leistungen für Natur und Gesellschaft erbringen. Trotz der dürrebedingten Stressbelastungen können wir feststellen, dass der naturnahe saarländische Wald im Vergleich zu anderen Regionen noch relativ gut durch diese heißen Phasen gekommen ist.“

 Zentrale Punkte der forstpolitischen Strategie:

  • Vor mehr als 30 Jahren war das Saarland das erste Bundesland, das die naturnahe Waldbewirtschaftung als zukünftige Bewirtschaftungsform für seinen Staatswald und den mitbetreuten Kommunalwald festgeschrieben hat. Wir waren mit dieser Entscheidung Vorreiter. Das bedeutet: keine Kahlschläge, kein Chemieeinsatz, Einzelbaumnutzung, Naturverjüngung u.v.m.
  • 2019 hat das Ministerium den „Masterplan Wald“ aufgelegt. Außerdem sind die Biodiversitätsstrategie und die Waldbewirtschaftungsrichtlinie (WBRL) für den Staatswald des Saarlandes (09/2021) Konzepte für die nachhaltige Nutzung unseres Waldes, den Erhalt der Lebensräume und die Steigerung der Artenvielfalt im Wald.
  • Der Holzvorrat hat sich seit der ersten Staatswaldinventur im Jahr 1990 nahezu verdoppelt. Im saarländischen Staatswald wachsen pro Hektar Wald jährlich 9,5 Erntefestmeter (EFM) Rohholz zu. Nach Planung der Staatswaldinventur 2018 ist eine Nutzung von 5,2 EFM vorgesehen. Dies führte zu einem jährlichen Holzvorratsaufbau von 4,3 EFM. Damit soll das Ziel von durchschnittlich 400 Kubikmeter Holzvorrat pro Hektar im Staatswald bis 2029 erreicht werden. Ein höherer Holzvorrat pro Hektar ist klimarelevant, da mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre als Kohlenstoff im Holz und Waldboden gespeichert ist.
  • Der Hiebsatz wurde bei der Holzernte älterer Bäume auf die Hälfte reduziert, um möglichst wenig Störung im bestehenden Waldinnenklima zu verursachen. Der Nutzungsverzicht von jährlich 15.000 Erntefestmetern Starkholz führt zu Mindereinnahmen von ca. 1,275 Millionen Euro jährlich. Unser Gewinn: Die ökologischen Leistungen des Waldes werden dauerhaft gesichert.
  • Walderhalt vor Waldnutzung hat seinen Preis: Zur Finanzierung der ökologischen, sozialen und klimaschutzgerechten Aufgaben unabhängig von der Wirtschaftlichkeit der Holznutzung sind für das Haushaltsjahr 2023 ca. 5,5 Mio. als Defizitausgleich für den SaarForst-Landesbetrieb eingeplant.
  • Der Staatswald ist mit FSC® und PEFC™ zweifach zertifiziert. Regelmäßige Kontrollen garantieren, dass die Nachhaltigkeitsstandards eingehalten werden.
  • Kommunen und Privatwaldbesitzer wurden in den letzten vier Jahren bei der Wiederbewaldung von bislang rund 324 Hektar Fläche unterstützt. Das Saarland bietet zudem mit zwei forstlich ausgebildeten Privatwaldbetreuern einen unentgeltlichen Beratungsservice für Privatwaldbesitzerinnen und Besitzer an.
  • Im Staatswald sind Maßnahmen zur Wasserrückhaltung bereits vor Jahren eingeführt worden und ihre Umsetzung ist in der Biodiversitätsstrategie des Staatswaldes von 2021 vorgegeben. Ein verdichtetes Netz von Wasserabschlägen und Rohren trägt zum Wasserrückhalt bei: Regenwasser wird aus den Wegegräben an zahlreichen Stellen wieder in den Wald zur Versickerung zurückgeleitet, um es länger im Wald zu halten. Für Privat- und Kommunalwaldbesitzer werden durch Förderung Anreize geschaffen, Maßnahmen zur Wasserrückhaltung und Versickerung (z.B. bei Wegen) umzusetzen.
  • Der junge Wald, der heranwächst, muss vor Wildverbiss geschützt werden. Dazu kommen beispielsweise Wildschutzzäune aus Holzlatten, sog. „Hordengatter“ zum Einsatz. Ebenso wichtig ist es, die Jägerschaft einzubinden, um eine strategisch verstärkte Bejagung im Wald gewährleisten zu können.
  • Dazu hat auf Initiative des Umweltministeriums die Arbeitsgruppe „Runder Tisch Wald und Wild“ stattgefunden. Dieser wird auch in Form von themenbezogenen Gesprächen  weitergeführt.

Die komplette Übersicht über die Waldzustandsberichte finden Sie hier.

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