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Thema: Nachhaltigkeit

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Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz | Nachhaltigkeit

Bericht über die Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie für das Saarland


Hier finden Sie zudem eine Übersicht über die Nachhaltigkeitsaktivitäten der Landesregierung.

Startpunkt zur Fortschreibung - Was machen wir schon?

  • Rückblick Nachhaltigkeitsstrategie 2016:
    Die saarländische Nachhaltigkeitsstrategie wurde am 13. Dezember 2016 im Ministerrat verabschiedet und am 17. Januar 2017 der Öffentlichkeit bzw. am 18. Januar 2017 als Regierungserklärung dem saarländischen Landtag vorgestellt.
    Zur Nachhaltigkeitsstrategie 2016
  • Aktuelle Nachhaltigkeitsaktivitäten der saarländischen Landesregierung
    Die saarländische Landesregierung ist seit vielen Jahren aktiv entlang der 17 Nachhaltigkeitsziele. In den verschiedenen Ressorts werden unterschiedliche Nachhaltigkeitsaspekte aufgegriffen und entlang nachhaltiger Maßstäbe weiterentwickelt. Zahlreiche Projekte und Vorhaben zeugen davon, dass das Saarland nachhaltig vorangeht. Eine Übersicht finden Sie im Status Quo-Bericht der Nachhaltigkeit der saarländischen Landesregierung

Miriam Gabriel, Nachhaltigkeitsbeauftragte des Ministeriums für Finanzen und Europa

Nachhaltigkeit gewinnt auch im Finanzbereich immer mehr an Bedeutung – sowohl national als auch international. Die finanzielle Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Baustein, der umsichtiges und zukunftsorientiertes Handeln fordert, um für nachfolgende Generationen eine solide Basis zu schaffen.

Isabelle Kiehn, Nachhaltigkeitsbeauftragte des Ministeriums für Bildung und Kultur

Nachhaltigkeit bedeutet für mich eine ständige Entwicklung und Positionierung zwischen den vier verschiedenen Zieldimensionen Wirtschaft, Umwelt, Soziales und Politik, welche uns immer wieder in komplexe Dilemma-Situationen bringen, was Entscheidungsprozesse angeht. Für diese Dilemma-Situationen gilt es, Lernende im Dreischnitt Erkennen, Bewerten und Handeln kompetent aufzustellen und die globalen Auswirkungen unseres lokalen Handelns immer im Blick zu behalten.

Governance der Fortschreibung – Wer sind die beteiligten Akteure?

Die Fortschreibung der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie ist ein akteursgetriebener, offener Prozess. Ziel ist es, eine saarländische Plattform für den Aufbau und die Umsetzung der vernetzten Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu organisieren und Projekte für ein nachhaltiges Saarland voranzutreiben.

Beteiligte des Fortschreibungsprozesses 2020-22 waren saarländische Vertreterinnen und Vertreter aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Verwaltung und der Politik. Dies deckt ein breites gesellschaftliches Spektrum an freiwillig Engagierten für die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes ab (i.d.S. horizontale Integration), wenngleich nicht alle Perspektiven gleich stark und einzelne gesellschaftliche Bereiche nicht aktiv im Prozess vertreten waren.

Das Bild zeigt die Zusammenhänge der Akteure die den Prozess der Fortschreibung begleiten und mitbestimmen. Prozessbegleitung Fortschreibung
Experten und Expertinnenteam Nachhaltigkeit beschäftigt sich mit allen Ideen und Projektansätzem zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie und bewertet diese im Hinblick auf mögliche Umsetzungspfade Foto: (c) Ref. D/1, MUV

Die Governance-Struktur, im Rahmen derer die Beteiligten den Fortschreibungsprozess mit `Projekten im Fokus` gemeinsam gestalten, ermöglicht auch eine vertikale Integration, d.h. eine Zusammenarbeit über Akteurs- und Entscheidungsebenen hinweg. In diesem Sinne ist der saarländischen Prozess an die kommunalen, wie auch nationalen und globalen Strategien zur Nachhaltigen Entwicklung angebunden. Hierbei verbindet die Struktur die Impulse und Projektideen der gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure zur Fortschreibung direkt mit den Landesgremien des interministeriellen Koordinierungskreises und des neu berufenen, unabhängigen Beratungsgremiums Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit in einem Beteiligungsprozess. Koordiniert wird dies durch die Geschäftsstelle Nachhaltigkeitsstrategie des Landes beim Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz, welche durch eine externe Prozessbegleitung zur Ausgestaltung des partizipativen Ansatzes unterstützt wurde.

Die Verschränkung von Themen und Menschen über verschiedene Ebenen und aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen in einem selbstorganisierten und beteiligungsorientierten Prozess, stellt ein besonderes Charakteristikum des saarländischen Fortschreibungsprozesses dar.

Die wichtigsten Akteure des Prozesse waren neben der Prozessbegleitung durch die Geschäftsstelle Nachhaltigkeitsstrategie, dem IZES, RENN.west und der htw.Saar, das Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit und der Interministerielle Koordinierungskreis Nachhaltigkeitsstrategie. Weitere Informationen finden Sie durch Klick auf die verlinkten Seiten.

Fortschreibung als offener Beteiligungsprozess – Wie gestalten wir gemeinsam?

Prozessgenese

In der Nachhaltigkeitsstrategie 2016 wird bereits auf eine regelmäßige Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie abgezielt. Als Termin für die Fortschreibung der Strategie ist der Zeitraum 2020 bis 2022 besonders geeignet, da dadurch ein sinnvoller Rhythmus (Strategie – Fortschreibung) erreicht werden kann. Die Fortschreibung wurde daher bereits durch die Verabschiedung und Veröffentlichung der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie durch die Landesregierung als Aufgabe definiert. Die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen bieten einen sehr guten Nährboden für die Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie. Die Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Jahr 2016 war die erste dieser Art für das Saarland; es gab kaum Erfahrung im Vorfeld und entsprechende Reibungspunkte und Störmomente, die trotz allem Lob für das fertige Dokument auch Kritik am Prozess legitimierten.

Die Strategie war zum Zeitpunkt der Erarbeitung in Betrachtung der strukturellen Möglichkeiten ein gelungenes Dokument, doch im Laufe der folgenden Jahre hat sich gezeigt, dass über den theoretischen Unterbau der bisherigen Strategie hinaus der Fokus in einer Fortschreibung stärker auf zukunftsgewandte, konkrete Umsetzungsbeispiele an nachhaltigen Ideen, Projekten und Aktionen in den Handlungsfeldern gelegt werden muss. Aus diesem Grund beschloss der saarländische Ministerrat die Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie und beauftragte das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit der Federführung der Erarbeitung. Die Fortschreibung verfolgt das Ziel, die Nachhaltigkeitsstrategie konkreter, nachvollziehbarer sowie zukunftsfokussierter und auf Basis einer konstruktiven Zusammenarbeit in Form einer die Zivilgesellschaft durch eine durchdachte und ehrliche Beteiligung mitnehmenden Art praxistauglicher zu machen.

Als Leitbild der Fortschreibung wurde der Wunsch formuliert, dass mit der Nachhaltigkeitspolitik ein sinnvoller Beitrag des Landes zur Bewältigung des Strukturwandels geleistet werden kann, die Potentiale der Nachhaltigkeit als Chance für ein zukunftsfähiges Saarland zu begreifen und zu nutzen. Grundsätze für dieses Leitbild sind die Thematisierung konkreter Problemstellungen und damit verbundenen Zielvorstellungen, die in praxisnahen, zukunftsträchtigen und innovativen Lösungsansätzen münden, sowie die rechtzeitige Beteiligung der Zivilgesellschaft auf Augenhöhe. Die (Fortschreibung der) Nachhaltigkeitsstrategie soll sowohl für das Land als auch für die Zivilgesellschaft als Chance verstanden werden, das Land fit für die Zukunft zu machen.

Kennzeichnend für die Fortschreibung war und ist der Einbezug der Zivilgesellschaft und der Interessenvertreterinnen und -vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen durch eine Beteiligung auf Augenhöhe in allen Phasen der Fortschreibung. Aus diesem Grund wurde vom Umweltminister das Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit berufen, in welchem mehr als 30 saarländische Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten regelmäßig ihre Expertise in den Fortschreibungsprozess einbringen. Durch die Corona-Pandemie konnte der ursprüngliche Ablauf- und Zeitplan nicht ganz eingehalten werden. Doch aus der Not wurde eine Tugend gemacht: verschiedene Online-Formate und Abstimmungen haben dazu geführt, dass ein besonderer Beteiligungsansatz mit allen interessierten Nachhaltigkeitsakteurinnen und -akteuren gewählt werden konnte.

Über regelmäßige Online-Foren konnten sich alle interessierten Nachhaltigkeitsakteurinnen- und Akteure über die Entwicklung der Fortschreibung informieren und eigene Ideen einbringen. Die im Rahmen eines Projektaufrufes eingegangenen 80 Projektideen wurden vom Expertinnen- und Expertenteam in intensiven Beratungen begutachtet und diskutiert. Final wurden zehn Leuchtturmprojekte identifiziert, die ein Kernelement der Fortschreibung bilden. Darüber hinaus wurde insbesondere von den Akteurinnen und Akteuren sowie vom Expertinnen- und Expertenteam angeregt, im Follow Up der Fortschreibung eine Verstetigung und einen stärker strategischen Ansatz der Nachhaltigkeitsaktivitäten anzustreben. Zum Beispiel wurde die Verankerung nachhaltiger Entwicklung als Gesamt- und Querschnittaufgabe der Landesregierung und eine stärkere Position des Expertinnen- und Expertenteams Nachhaltigkeit gefordert.

Beteiligungsansatz & Partizipatives Design

Die Erfahrungen aus dem Entwicklungsprozess der 1. Saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 haben die Relevanz eines verstärkten Einbezugs von gesellschaftlichen Akteursgruppen in den Erstellungsprozess der Nachhaltigkeitsstrategie verdeutlicht. Auf Basis dieser Erfahrungen wurde für die Fortschreibung ein Vorgehen angestrebt, das als offener und partizipativer Prozess genau diesen Einbezug sicherstellt und auf diese Weise auf verschiedenen Ebenen Mehrwerte für eine Nachhaltige Entwicklung im Saarland ermöglicht:

  • Durch den Einbezug möglichst aller Akteursgruppen werden die jeweiligen Potentiale, Ideen und Beiträge der unterschiedlichen Akteursgruppen erschlossen und damit bessere Lösungen in den jeweiligen Nachhaltigkeitsfeldern möglich.
  • Ein auf dieser Akteursbeteiligung basierter projektbezogener Ansatz betont zum einen die Relevanz der praktischen Umsetzung, zum anderen werden durch die akteursgetragenen Projekte Nachhaltigkeitsthemen von der abstrakten Ebene konkret veranschaulicht und erfahrbar – es wird gezeigt, dass es geht und wie es gehen kann.
  • Als offen angelegter Beteiligungsprozess erfolgt zum einen eine Vernetzung der verschiedenen Akteursgruppen, zum anderen ein kontinuierlicher Transfer in die breite Öffentlichkeit, wodurch die Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsthemen und Aktivierung, dieses Bewusstsein dann auch in konkreten Verhaltensweisen umzusetzen, unterstützt wird.

Letztendlich ist die Förderung von Nachhaltigkeit im Alltagshandeln auf allen Akteursebenen, seien es Ministerien, Kommunen, Unternehmen oder Privathaushalte, ein übergeordnetes Ziel der Beteiligung zum Fortschreibungsprozess der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie. Das partizipative Vorgehen wurde von der Geschäftsstelle Nachhaltigkeitsstrategie koordiniert und durch eine externe Prozessbegleitung unterstützt. Die Prozessbegleitung umfasst dabei sowohl die moderative Beteiligungsorganisation als auch wissenschaftliche Begleitung des Beteiligungsprozesses. Der Beteiligungsprozess war und ist offen, inklusiv und kooperativ angelegt, d. h. die unterschiedlichen Sichtweisen der Akteursgruppen wurden einbezogen und abgebildet. Er wurde durch alle Beteiligten gemeinsam gestaltet. Die Grundhaltung des angelegten Beteiligungsprozesses spiegelt sich dementsprechend im Motto „Nichts geht verloren, alles ist sichtbar“ wider. Die Gestaltung des Beteiligungsprozesses von Seiten der Prozessbegleitung folgt klaren Prinzipien:

  • Transparenz in allen Prozessschritten
  • Offenheit für alle Akteursgruppen und Sichtweisen
  • Vernetzung & Einbezug aller Akteursgruppen und NH-Themen
  • All-Parteilichkeit
  • Wertebezogenheit hinsichtlich des Nachhaltigkeitsgedankens

Grundsätzlich wurde und wird in der Kommunikation und innerhalb des direkten Austauschs eine konstruktive Kommunikationskultur gelebt, geprägt von gegenseitigem Respekt und Verständnis für unterschiedliche Ansichten, welche einen Perspektivenwechsel zwischen den Akteurinnen und Akteuren ermöglicht. Zudem ist die Wertschätzung für das Engagement aller beteiligten Akteurinnen und Akteure ein weiterer Grundstein der Beteiligung. 

Verfahrensweise

In einem Auftaktworkshop mit der Geschäftsstelle Nachhaltigkeitsstrategie wurden die einzelnen Schritte des Prozessdesigns erarbeitet. Dabei lag ein Fokus auf der Identifikation und Definition relevanter Schnittstellen und Informationsflüsse, insbesondere zwischen den Ebenen Governance (Strukturen), Partizipation (Beteiligung gesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure) und Prozessbegleitung (Moderation).

Um den Beteiligungsprozess vorzubereiten, wurden im Vorfeld akteursgruppenübergreifende Stakeholder-Interviews und persönliche Gespräche geführt, welche seit dem Start des Beteiligungsprozesses auch noch weiterhin prozessbegleitend umgesetzt wurden. Die Interviews zielten darauf ab, den Motivationsstand, konkrete Bedarfe, Themen oder auch Aktivitätsprofile und Vernetzungspotenziale unter den Akteursgruppen sowie Hinweise zur Beteiligungsgestaltung zu erfassen und zu dokumentieren. Gleichermaßen dienten die Interviews als Informationsquelle für die Akteurinnen und Akteure, stellten Transparenz hinsichtlich des geplanten Vorgehens her und bedeuteten somit bereits den Schritt der Aktivierung und Einbindung der gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure in den Beteiligungsprozess zur Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie. Einen zentralen Bestandteil der Interviews bildeten die Fragen zu den Erfahrungen mit bisherigen nachhaltigkeitsbezogenen Prozessen im Land, insbesondere mit der ersten saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie, und daraus abgeleitet die Erwartungen und Ansprüche an den zu gestaltenden Fortschreibungsprozess.

Folgend wird eine kurze Übersicht über die Ergebnisse der Interviews gegeben:

Erfahrungen mit und Kritik an der ersten saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie

  • Teilweise fehlende Kenntnis über die Strategie und Nachhaltige Entwicklung an sich
  • Fehlende Struktur (Ziele, Vorgehen)
  • Fehlende Transparenz (wer macht/entscheidet was, wann, wie, warum)
  • Zu wenig Zeit für die Diskussion der Ziele und Maßnahmen
  • Nur oberflächlicher Einbezug der Öffentlichkeit
  • Inhaltliche Balance: z. T. zu sehr Fokus auf ökologische Dimension der Nachhaltigkeit (zusammenhängend mit Besetzung des NH-Rates sowie der Aufhängung der GS am MUV), zu wenig wirtschaftliche Perspektiven
  • Damit einhergehend z. T. fehlende Legitimität der Beschlüsse bzw. der Basis für die Nachhaltigkeitsstrategie

 Geäußerte Wünsche und Erwartungen an einen neuen Prozess

  • Klare Struktur, Ziele, Transparenz im Fortschreibungsprozess
  • Vernetzung der Akteurinnen und Akteure, damit es kein unverbundenes „Nebeneinander her“ gibt, sondern die Kräfte gebündelt werden
  • Genügend Zeit und kommunikative Räume für inhaltliche Diskussionen, dabei Ausgewogenheit der Themen
  • Umsetzungsorientierung (insbesondere geäußert aus kommunaler Perspektive), nicht nur theoretische Abhandlungen
  • Andocken der Ergebnisse der Fortschreibung an politische Prozesse und Strukturen, damit es eine Wirkung hat und kein Schubladenbericht wird
  • Zurverfügungstellung von finanziellen Ressourcen für den Prozess

Die Ergebnisse der Interviews bildeten einen wichtigen Baustein für die konkrete Ausgestaltung der Akteursbeteiligung im Rahmen der Fortschreibung, durch weitere Interviews und Rückmeldungen aller Akteurinnen und Akteure während des Beteiligungsprozesses konnte das Vorgehen zudem kontinuierlich angepasst werden. Der Prozess ist allen Beteiligten sehr wichtig. Selbst Menschen, die aktuell nicht mehr aktiv dabei sind, bewerten die Entwicklung als sehr wichtig und richtig.

Beteiligungsformate

Ursprünglich war ein großer Auftakt-Workshop in Präsenz mit möglichst vielen Akteursgruppen geplant, in dem die Punkte wie Ziele, Vorgehen und Struktur sowie Themenschwerpunkte innerhalb der Handlungsfelder der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie gemeinsam diskutiert und konkretisiert werden sollten. Pandemiebedingt konnte nicht wie geplant mit einem solchen Auftakt-Workshop mit allen gesellschaftlichen Akteursgruppen als Präsenzveranstaltung begonnen werden, sodass kurzfristig auf ein online-Verfahren umgestellt wurde.

Nach der Auftaktveranstaltung bildeten sich acht thematische Dialoggruppen, welche sich inhaltlich an den Handlungsfeldern der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie orientieren. Zudem wurden ein öffentlicher Mail-Verteiler sowie eine die Möglichkeit zum selbstorganisierten Austausch über die Online-Kollaborationsplattform WeChange eingerichtet. Die acht Dialoggruppen konnten bei WeChange jeweils eigene Arbeitsbereiche anlegen, den Austausch gestalten und Ergebnisse dokumentieren. Die Plattform steht jederzeit zur Beteiligung neuer Personen und Institutionen im Prozess offen, sodass ein transparentes Arbeiten und Vernetzen ermöglicht wird. Ergänzend zu den durch die engagierten Akteurinnen und Akteure selbstorganisierten Aktivitäten innerhalb der thematischen Dialoggruppen wurden auf Ebene der übergeordneten Akteursbeteiligung monatliche online-Foren durch die Prozessbegleitung organisiert, in denen alle Akteurinnen und Akteure jeden letzten Montag im Monat die Möglichkeit hatten, sich über aktuelle Arbeitsstände in den thematischen Dialoggruppen auszutauschen. Ergänzt wurden diese Foren und die Arbeit in den thematischen Dialoggruppen durch das „Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit“ und den interministeriellen Koordinierungskreis, deren Mitglieder größtenteils auch im Forum aktiv eingebunden waren.

Ebenso erfolgte in diesen Foren die Steuerung der Projektentwicklung und -einreichung: eine konkrete Beteiligungsebene stellte die Konzeption von Nachhaltigkeitsprojekten durch die Akteurinnen und Akteure e dar, die bei einer erfolgreichen Auswahl in der Umsetzung gefördert werden sollten. Dafür wurde durch das Expertinnen- und Expertenteam ein Projektformblatt entwickelt, welches in den Online-Foren vorgestellt und diskutiert wurde. Insgesamt wurden rund 80 Nachhaltigkeitsprojektideen durch die beteiligten Akteurinnen und Akteure eingereicht. Die folgende Abbildung illustriert die Aktivitäten im Jahr 2020, zeigt die Online-Foren mit durchschnittlich 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Zeitleiste, die Zahl der eingetragenen Gesamtbeteiligten im Verteiler des Fortschreibungsprozesses (224 Personen) sowie in den inhaltlichen Dialoggruppen. Auch entstanden im Prozess aus der Aktivität der beteiligten Akteurinnen und Akteure heraus weitere Initiativen, wie Positionspapiere, Visionsprozesse und Wünsche zur Erweiterung und Weiterführung der Nachhaltigkeitsstrategie. Neben dem MUV waren auch andere Ressorts aktiv in den Beteiligungsprozess eingebunden. Die vom Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit ausgewählten Projekte sollen im Idealfall von den verschiedenen Ministerien (auch finanziell) unterstützt werden, daher war eine frühe Einbindung sinnvoll und notwendig.

Bewertung des Verlaufs der Beteiligung

Trotz der durch die Pandemie bedingten erschwerten Umstände, dass z. B. Treffen in Präsenz nicht immer möglich waren, konnte der Prozess auch online sehr aktiv beginnen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden als sehr motiviert wahrgenommen und waren gewillt, sich im Saarland für eine Nachhaltige Entwicklung einzubringen. Auch die Stakeholder-Interviews und inzwischen zahlreichen Gespräche, welche die Prozessbegleitung im Verlaufe des Prozesses führen konnte, bestätigen dies immer wieder und tiefer. Das Saarland hat hier bereits eine große Gemeinschaft von Aktiven, die sich in eine Nachhaltige Entwicklung des Saarlandes substanziell einbringen wollen. Das stellt eine große Ressource dar.

Wie anzunehmen war, bestehen unterschiedliche Vorstellungen davon, was eine Nachhaltige Entwicklung für das Saarland wirklich ausmacht und wie der Weg dorthin gestaltet werden sollte. Gleichzeitig besteht eine große Toleranz, die unterschiedlichen Wahrnehmungen nebeneinander stehenzulassen. Auf der einen Seite gibt es auf den inhaltlichen Ebenen naturgemäß unterschiedliche Vorstellungen, was zum Teil in den Akteursperspektiven begründet ist. Im Handlungsfeld Mobilität zeigt sich bspw. der Gegensatz zwischen straßengebundenem Lastverkehr vs. dem Einsatz von Lastenfahrrädern, oder auch prinzipiell die Rolle der Industrie in einem nachhaltigen Saarland der Zukunft.

Auf der anderen Seite gibt es auch auf der Verfahrensebene unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse:  Einige der Beteiligten wünschten sich mehr Klarheit z.B. über Geldquellen und Finanzierungsumfang, über Entscheidungsprozesse bezüglich der Weiterentwicklung der Strategie oder eine klarere Fixierung, was genau unter „Projekten“ oder zwischenzeitlich „Ideen“ zu verstehen sei. In diesem Zusammenhang gab es auch immer wieder Zweifel an der Entschiedenheit des Landes zur Umsetzung einer wirklich nachhaltigen Strategie, oder ob die Fortschreibung und Projektentwicklung jetzt eher vorgeschützte Aktivität sei, weil die Fortschreibung nicht an alle relevanten Strukturen und Prozesse angebunden ist. Durch den offenen und kontinuierlichen Austausch zu diesen Aspekten konnten zumindest Ansätze entwickelt werden, diese Punkte zu adressieren. So war bspw. die Abteilung Verkehr im MWAEV stärker in den Partizipationsprozess der Fortführung der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie eingebunden, um auch dort Synergien zu schaffen und die verschiedenen Entwicklungsprozesse im Lande miteinander zu verbinden. Zudem haben Vertreterinnen und Vertreter der saarländischen Wirtschaft einen stärkeren Einbezug ebendieser in die künftige Nachhaltigkeitspolitik gefordert. Das wurde von allen Beteiligten eindeutig befürwortet. Diese Ansätze gilt es entsprechend zu vertiefen und fortzuführen.

Nachhaltigkeitsveranstaltungen

 Am 14.09.2020 fand im Saarbrücker Schloss die 3. Saarländische Nachhaltigkeitskonferenz mit dem Titel „Sturm und dann?! Nachhaltiger Klimaschutz im Saarland“ statt.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen von Renn.west und zu Global Nachhaltige Kommune.

Fortschreibung zum Motto Wir gestalten gemeinsam. Saarland nachhaltig – Projekte im Fokus!

Projektaufruf und Auswahlprozess

Die Fortschreibung der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie ist ein Mitmach-Projekt! Den Rahmen dafür bietet ein gesellschaftlicher Beteiligungsprozess, den möglichst viele saarländische Akteurinnen und Akteure und Institutionen eingeladen sind, mitzugestalten. Über ein Formblatt konnten im Herbst 2020 innovative Ideen für nachhaltige Projekte eingereicht werden. Die korrekt eingereichten Projekte wurden in vielen Sitzungen vom Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit hinsichtlich ihres Nachhaltigkeitsnutzens für das Saarland diskutiert und bewertet, sodass final 10 Leuchtturmprojekte ausgewählt wurden, die in den kommenden Monaten bei der Realisierung auch von der Landesregierung unterstützt werden. Alle anderen Projektideen werden ebenfalls aufgenommen und sollen langfristig in der Umsetzung durch die Landesregierung begleitet werden. Zudem wurden vom Expertinnen- und Expertenteam weitere sogenannte „Projekte+“ identifiziert, die sich eher als strukturelle Empfehlungen an die Landesregierung verstehen. Diese wurden vom Team gesondert diskutiert und werden zu einem späteren Zeitpunkt in einer umfassenderen Würdigung auf unserer Internetseite vorgestellt.

Die Bewertungskriterien wurden vom Expertinnen- und Expertenteam selbst erarbeitet und umfassten inhaltliche (z. B. Wirkung, Synergien, Transformationspotential etc.) und formale (Vollständigkeit, Verständlichkeit, realistische Kostenkalkulation etc.) Kriterien, die unterschiedlich gewichtet wurden. Dazu wurden die 80 eingereichten Projektvorschläge in einem ersten Schritt in drei Cluster unterteilt: A) Bildung für Nachhaltige Entwicklung, B) Nachhaltiges Wirtschaften und C) Klimaschutz.

 Weitere Informationen zum Auswahlprozess durch das Expertinnen- und Expertenteam finden sich im Abschnitt Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit.

 Hier finden Sie die ausgewählten Leuchtturmprojekte sowie alle anderen eingereichten Projekte.

Fortschreibung: Impulse für die Zukunft – Wie geht es weiter?

Impulse zur strategischen Ausrichtung

Das Expertinnen- und Expertenteam Nachhaltigkeit hat in mehreren Workshops Vorschläge für den Post-Fortschreibungsprozess gemacht. Herausgekommen ist ein umfangreiches Impulspapier zur strategischen Ausrichtung der saarländischen Nachhaltigkeitsstrategie, dass Sie hier herunterladen können.

Verstetigung der Fortschreibung

Der Fortschreibungsprozess folgt als offen angelegte, inklusive Mitgestaltungsmöglichkeit den Prinzipien der Verfahrensgerechtigkeit hinsichtlich maximaler Transparenz des Verfahrens (u.a. über die monatlichen Foren, über die Kollaborationsplattform WeChange), sowie der Offenheit und allparteilichen Mitwirkungsoptionen. Die Beteiligung findet auf den Stufen Information, Konsultation und Kooperation statt und ermöglicht auch eigeninitiatives Handeln, insbesondere in den Arbeitsgruppen, welche zudem bedarfsorientiert durch die Prozessbegleitung unterstützt werden.

Der Beteiligungsprozess dient ganz wesentlich der Vernetzung unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure und ist gleichermaßen durch deren großes Engagement getragen. Hier haben sich innerhalb des Fortschreibungsprozesses konstruktive Strukturen aufgebaut und Netzwerke etabliert, welche beibehalten und weiterhin unterstützt werden sollten. Der Austausch zu den Nachhaltigkeitsthemen und -projekten bietet einen übergreifenden Mehrwert, da es sich um eine sehr heterogene und dynamische Akteurslandschaft handelt, sind Interessengegensätze und inhaltliche Konflikte ganz natürlich – der Beteiligungsprozess bietet genau dafür einen Rahmen zu einem konstruktiven Umgang und einer weiterbringenden Diskussion.

Für eine mögliche Verstetigung des akteursgetragenen Beteiligungsprozesses im Feld der Nachhaltigkeit ist es hinsichtlich der Umsetzungsorientierung besonders relevant, übergeordnete Akteurinnen und Akteure und Strukturen weiterhin bzw. noch verstärkt einzubeziehen, sodass die Umsetzung der Projekte durch einen unterstützenden Rahmen erleichtert wird. Das Expertinnen- und Expertenteam hat sich als wichtiges Gremium etabliert, welches neben der Aufgabe, eingereichte Projekte zu bewerten, auch eigene Anregungen und Impulse in die Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie einbringt. Der interministerielle Koordinierungskreis wirkt ebenfalls an der Fortschreibung mit, sodass Impulse aus dem Prozess Eingang in die Ressorts finden und Synergien mit dort stattfindenden Aktivitäten geschaffen werden können. Diese Verbindung mit übergeordneten Akteurinnen und Akteuren und Strukturen zu vertiefen sowie die Verknüpfung mit weiteren Aktivitäten des Landes zu beleben, ist für eine Verstetigung des Fortschreibungsprozesses ein zentraler Schritt.

Mit Ausblick auf eine mögliche Verstetigung könnten folgende Punkte adressiert werden:

  • Regelmäßige Projektausschreibungen, z. B. einmal jährlich für den Zeitraum eines Vierteljahres, sodass eine gute Balance zwischen Aufwand und Aktivierung erreicht wird und es keine permanente Belastung der oftmals ehrenamtlichen aktiven Akteurinnen und Akteure bedeutet.
  • Vernetzung und Austausch als genereller Mehrwert, Kräfte bündeln und Synergien schaffen. Angebot regelmäßiger Übersichtsformate („Was passiert im Bereich Nachhaltigkeit im Saarland?“) sowie damit verbundener Projektbörsen.
  • Umsetzungsmonitoring bei den Nachhaltigkeitsaktivitäten, Leuchtturmprojekten u.ä..
  • Weiterer und verstärkter Einbezug von Gremien wie dem interministeriellen Koordinierungskreis, um Impulse in die beteiligten Ressorts zu ermöglichen.
  • Weiterer und verstärkter Einbezug der Industrie- und Wirtschaftsverbände sowie der Kommunen, um eine stärkere Verzahnung mit dortigen Aktivitäten zu erzielen.

Das Wichtigste bleibt aber die Gemeinschaft und die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit über die Ressorts, gesellschaftlichen Ebenen und Gruppen hinweg sowie die Entwicklung von gegenseitigem Verständnis und einem Miteinander für das Saarland und die Welt.

Im (Rück-)Spiegel – Perspektiven auf den Fortschreibungsprozess

Unser Ansatz in der Fortschreibung war es, erst mal zuhören, reinhören und dann gemeinsam das Wagnis eingehen, mit den Menschen gemeinsam den Weg zu finden und inhaltliche wie politische Ziele für mehr Nachhaltigkeit, die uns weiterbringen, zu definieren. Dieser Ansatz hat sich aus Sicht der Beteiligten und des wissenschaftlichen Begleitteams nicht nur gelohnt, sondern einen wichtigen Schritt in die Richtung für mehr Nachhaltigkeit im Saarland ermöglicht.

Wir sind dabei, den gemeinsamen Weg und ein gemeinsames Zusammenwirken von Politik, Verwaltung, Fachleuten und Bürgerinnen und Bürger zu finden und so die Chancen und Potentiale der Nachhaltigkeit für den saarländischen „Strukturwandel“ im umfassenden Sinne zu heben. Jetzt gilt es, den Weg und die Strukturen in eine nachhaltige Zukunft gemeinsam und auf Augenhöhe weiterzugehen.

Der Wunsch, die Nachhaltigkeit im Saarland strategischer zu betrachten, gibt uns den Auftrag, Nachhaltigkeit auf allen Ebenen nach vorne zu bringen, zu verstetigen und mit aller Ernsthaftigkeit transparent, ambitioniert und zielorientiert zu entwickeln. Wir haben diesen Auftrag verstanden!

Den genauen Weg dahin möchten wir mit Ihnen gemeinsam gestalten. Mit den Ideen des Expertinnen- und Expertenteam, mit den saarländischen Nachhaltigkeitsakteurinnen und -akteuren, mit allen, die tolle Vorstellungen und Visionen für diesen dauerhaften Prozess haben.

Daher ist der Fortschreibungsbericht kein Endbericht, sondern ein Zwischenbericht. Aber einer, der gerne gelesen wird, der Ertrag und Auftrag zugleich ist.