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Thema: Industriekultur und Denkmalpflege

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Ministerium für Bildung und Kultur | Industriekultur

UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist ein Industriedenkmal von höchster Bedeutung. Seine Strahlkraft reicht weit über das Saarland hinaus. Die Völklinger Hütte steht exemplarisch für die Prägung unseres Bundeslandes durch die Montanindustrie im 19. und 20. Jahrhundert. An ihr lässt sich auf beeindruckende und authentische Weise der Prozess der Roheisenerzeugung vollständig ablesen.

Die Hütte wurde 1873 durch den Hütteningenieur Julius Buch gegründet. 1881 erwarben die Gebrüder Röchling das zwischenzeitlich stillgelegte Werk. Der erste Hochofen wurde 1883 angeblasen. Bis 1903 wuchs die Zahl auf insgesamt sechs Hochöfen, die in ihrer Aneinanderreihung als Hochofengruppe bis heute den Anblick der Anlage bestimmen. Vor den sechs Hochöfen stehen die Winderhitzer (Cowper) mit insgesamt fünf Schornsteinen, wobei jedem Hochofen drei Cowper zugeordnet sind. Sie erhitzten die in der Gasgebläsehalle erzeugte Druckluft.

1897 erfolgte die Errichtung der ersten Koksbatterie. Im Jahr 1890 sind die Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke der größte Eisenträgerhersteller Deutschlands. Mit der Eröffnung des Thomas-Stahlwerks im Jahr 1891 wurde nun auch die Verhüttung lothringischer Minette möglich. Im Jahr 1900 erfolgte erstmals im großen Stil der Einsatz von Gasgebläsemaschinen, die durch das in den Hochöfen anfallende Gichtgas betrieben wurden. Sie bliesen zur Optimierung des Verbrennungsprozesses Luft in die Glut und wurden in einer eigens errichteten Maschinenhalle untergebracht, die zeitweise bis zu neun Maschinen beherbergte.

Für die ständigen Reparatur-, Neu- und Umbauarbeiten waren zahlreiche Handwerker auf dem Hüttengelände beschäftigt. Für diese wurden ab 1907 in der sogenannten „Handwerkergasse“ Werkstatt- und Lagergebäude errichtet.

1911 wurden die oberen Hochofeneinlässe durch eine durchgehende Gichtbühne zusammengefasst und zur weiteren Optimierung der Hochofenbeschickung zwei Schrägaufzüge mit Hängebahnwagen zum Transport von Erz und Koks installiert. Ebenfalls ins Jahr 1911 fällt der Einsatz der Trockengasreinigung. Diese reinigte das im Hochofenprozess anfallende Gichtgas von Festbestandteilen. Anschließend konnte das Gas zum Antrieb der Gasgebläsemaschinen genutzt werden. 1913 wurde eine zweite Trockengasreinigungsanlage bestellt, die 1917 erweitert wurde. Zwischen den Jahren 1922 und 1926 wurde schließlich eine dritte Trockengasreinigungsanlage errichtet. 1913 erfolgte der Bau der Möllerhalle zur Lagerung von aufbereitetem Erz. Im Jahr 1914 kam die Produktion zu Beginn des Ersten Weltkrieges zunächst zum Erliegen. Später wurde auch in Völklingen Rüstungsmaterial hergestellt. 1917/18 wurde der Wasserhochbehälter erbaut. Es folgte 1928/29 die Errichtung der Sinteranlage (Erweiterung auf vier Sinterbänder im Jahr 1939), um die Ausnutzung der minderwertigen lothringischen Minette zu verbessern. Diese Ausbauphase hat sich bis zur Stilllegung des Werkes kaum verändert.

Die Völklinger Hütte wurde in erster Linie über die Bahnlinie Saarbrücken – Trier erschlossen. Viele Arbeiter erreichten mit der Bahn ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig zweigten von der Bahnlinie die Gleise ab, über die die Rohstoffe zur Hütte gelangten: Das „Kohlegleis“ führte bis zur Kokerei, das „Erzgleis“ zu den Erzsilos.

Erwähnt werden muss auch, dass während der beiden Weltkriege Zwangsarbeiter auf der Völklinger Hütte arbeiten mussten. Während des Zweiten Weltkrieges mussten ca. 12.000 Menschen dort Zwangsarbeit verrichten.

Die Völklinger Hütte erreichte im Jahr 1965 mit mehr als 17.000 Personen ihre höchste Beschäftigtenzahl. 1975 kam es zur weltweiten Stahlkrise und 1982 zur Zusammenlegung der Eisen- und Stahlwerke in Völklingen und Burbach zu ARBED-Saarstahl. Im Jahr 1986 wurden schließlich die Roheisenphase der Hütte stillgelegt und Teile der stillgelegten Anlage unter Denkmalschutz gestellt. Das Eisenwerk wurde zum Industriedenkmal und erhielt 1994 von der UNESCO als erstes Industriedenkmal aus der Blütezeit der Industrialisierung den Welterbe-Status verliehen.

1999 wurde die Trägergesellschaft „Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur“ gegründet. Seitdem wird das Weltkulturerbe kontinuierlich instand gesetzt und für Besucherinnen und Besucher entwickelt. 2004 wurde in der Möllerhalle das Science Center „Ferrodrom® – Erlebniswelt Völklinger Hütte“ eröffnet. 2006 folgte durch die Sanierung und den Umbau der 1902 errichteten Erzhalle ein weiterer Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich. Im Jahr 2014 wurde die Umnutzung der Sinteranlage zum UNESCO-Besucherzentrum abgeschlossen. 2014 und 2015 gelang schließlich die Sanierung der Trockengasreinigungsanlagen.

Das UNESCO-Weltkulturerbe hat sich in den letzten Jahren zu „dem“ touristischen Leuchtturm des Saarlandes entwickelt. In den nächsten Jahren wird es darum gehen, die Anforderungen, die aus der Anerkennung des Ensembles als UNESCO-Weltkulturerbe resultieren, zu erfüllen, den Zugang und die Nutzung für touristische Zwecke zu sichern und – wenn und wo möglich – zu erweitern sowie das Profil des Welterbes zu schärfen.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur

Rathausstraße 75-79
66333 Völklingen