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Thema: Industriekultur und Denkmalpflege

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Ministerium für Bildung und Kultur | Industriekultur

Rechtsschutzsaal, Friedrichsthal-Bildstock

Der 1891/92 vom Saarbrücker Architekten Güth errichtete Backsteinbau ist das älteste Gewerkschaftsgebäude Deutschlands. Er ist als „Geburtsort“ der Arbeiterbewegung an der Saar ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.

Im Jahre 1889 solidarisierten sich zunächst etwa 3.000 Bergleute in Bildstock zu einem gemeinsamen Kampf für den Acht-Stunden-Tag und Lohnerhöhungen. Um diesen „Bildstocker Forderungen“ mehr Nachdruck zu verleihen, kam es Ende Mai 1889 zu einem Streik. Aber weder die preußische Bergverwaltung noch Kaiser Wilhelm II., bei dem eine Delegation des „Streikkomitees“ vorsprechen wollte, zeigten sich verhandlungsbereit. Der Streik brach in sich zusammen. Die Streikführer lernten aus dieser Erfahrung und riefen am 28.07.1889 die Saarbergleute zur Gründungsversammlung des „Rechtsschutzvereins für die bergmännische Bevölkerung des Oberbergamtsbezirks Bonn“ zusammen. Zum Vorsitzenden wurde der Hasborner Bergmann Nikolaus Warken (1851-1920), genannt „Eckstein“, gewählt. Trotz Unterdrückungsversuchen durch den Staat und Hetzkampagnen der bürgerlichen Presse waren zwischenzeitlich 19.000 bis 24.000 der etwa 25.000 Bergleute an der Saar im Rechtsschutzverein organisiert. Da die Behörden öffentliche Versammlungen zu verhindern versuchten, plante der Verein bald den Bau eines eigenen Vereinshauses. Ermöglicht durch Geld- und Materialspenden der Vereinsmitglieder entstand so der Rechtsschutzsaal. Jedes Mitglied steuerte eine Reichsmark und zwei Backsteine zum Bau bei.

Rechtsschutzsaal Rechtsschutzsaal
Der 1891/92 vom Saarbrücker Architekten Güth errichtete Rechtsschutzsaal ist das älteste Gewerkschaftsgebäude Deutschlands. Der Backsteinbau ist der „Geburtsort“ der Arbeiterbewegung an der Saar und trägt seit Kurzem den Beinamen „Haus der Solidarität“. Foto: Ministerium für Bildung und Kultur, Jens Falk

Ab Sommer 1892 verschärfte sich der Konflikt zwischen den Bergleuten und den staatlichen Arbeitgebern. Einbußen im Kohleabsatz versuchte die Bergverwaltung durch Lohnsenkungen zu kompensieren. Ferner wurde eine neue rigorose Arbeitsordnung erlassen. Beide Maßnahmen führten am 29. Dezember zu einem erneuten Streik, dem sich Anfang Januar 1893 mehr als 20.000 Bergleute anschlossen. Durch autoritäre Maßnahmen versuchten die Behörden, der Lage Herr zu werden. Massenhaft wurden Bergleute auf Dauer oder auf Zeit entlassen. Gegen diese Maßnahmen hatte der Rechtsschutzverein kein wirksames Gegenmittel. Der Streik brach erneut zusammen. Der Verein erholte sich von den staatlichen Repressionsmaßnahmen nicht mehr. 1894 musste der Rechtsschutzsaal verkauft werden. Am 27.08.1896 erfolgte dann die Selbstauflösung des Vereins.

1990 wurde die Stiftung Rechtsschutzsaal gegründet. Ihr Zweck sind u.a. die bauliche Unterhaltung des Rechtsschutzsaals, die Etablierung einer Nutzung als sozialgeschichtliche Gedenk- und Informationsstätte, die Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit sowie die Dokumentation der Geschichte der ersten Solidarisierungsbestrebungen der Saarbergleute im Zuge des sogenannten Rechtsschutzvereins.

Der Rechtsschutzsaal wurde zuletzt 2014 mit finanzieller Unterstützung der saarländischen Landesregierung saniert. Heute präsentiert er sich als moderne Veranstaltungsstätte, deren Räume für Tagungen, Ausstellungen, Feierlichkeiten etc. gerne angemietet werden können.

Rechtsschutzsaal Rechtsschutzsaal
Heute präsentiert sich der Rechtsschutzsaal als moderne Veranstaltungsstätte, deren Räume für Tagungen, Ausstellungen, und Feierlichkeiten angemietet werden können. Von den vier unterschiedlich großen Räumen ist der Hans-Böckler-Saal im 1. Obergeschoss der repräsentativste. Foto: Ministerium für Bildung und Kultur, Axel Böcker

Der Rechtsschutzsaal ist ein Ort der Begegnung und trägt seit kurzem den Beinamen „Haus der Solidarität“. Es stehen mittlerweile vier unterschiedlich große Räume zur Verfügung, deren Namen für bedeutende Persönlichkeiten der (saarländischen) Gewerkschaftsgeschichte stehen: Nikolaus-Warken-Saal, Hans-Böckler-Saal, Lucie-Meyfahrt-Saal und Kurt-Hartz-Saal. Zudem gibt es eine Außenterrasse.

Stiftung Rechtsschutzsaal

Schmidtbornstraße 12a
66299 Friedrichsthal