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Thema: Industriekultur und Denkmalpflege

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Ministerium für Bildung und Kultur | Industriekultur

Pénichen (Theaterschiff Maria-Helena, Museumsschiff Anna Leonie)

Seit 1853 verbindet der Rhein-Marne-Kanal die Seine mit dem Rhein. Erst der Bau des Saar-Kohle-Kanals (heute oftmals als Saarkanal bezeichnet) zwischen 1862 und 1866, der bei Sarreguemines in die Saar geführt wurde, sowie die Schiffbarmachung der Saar bis Luisenthal, später schließlich bis Ensdorf, ermöglichten die Einführung des Schiffstyps der „Péniche“ (auch „Penische“) in unserem Raum.

Die Pénichen waren Lastkähne, die anfangs aus Holz, später dann aus Stahl gefertigt wurden. Sie waren zunächst unmotorisiert und wurden mittels einer Leine meist von Pferden – später dann von Traktoren – auf dem sogenannten Treidel- bzw. Leinpfad über den Fluss gezogen, d.h. getreidelt. Mit der Nachtiefung des Saar-Kohle-Kanals bzw. der Anhebung des Wasserspiegels 1895 konnten Pénichen mit höherer Tragfähigkeit eingesetzt werden. Deren Abmessungen betrugen nun 38,5 m Länge, 5 m Breite und 2 m Tiefe bei einem zwischen 270 und 300 t fassenden Laderaum.

Flussabwärts wurden hautsächlich Erze aus Lothringen zu den Hüttenwerken an der Saar, flussaufwärts dagegen Kohlen aus saarländischen Bergwerken nach Lothringen transportiert. Auf der Saar wurde noch bis in die 1960er Jahre hinein getreidelt.

Theaterschiff Maria-Helena

Die Maria-Helena ist eine zu einem Theater umgebaute ehemalige Péniche. Gebaut wurde sie 1911 in der Werft Pauly in Straßburg im Auftrag der Saarlouiser Familie Fontaine. Der Schiffsrumpf hat eine Länge von 39 m und eine Breite von 5 m.

1939 wurde die Maria-Helena von Frankreich beschlagnahmt, 1940 auf der Maas versenkt, 1941 gehoben und 1943 repariert. 1945 wurde sie erneut von Frankreich beschlagnahmt. 1955 erfolgte die Rückgabe der Péniche durch Frankreich an die Eigentümerfamilie Lahr, die das bis dahin unmotorisierte Schiff auf der Werft in Luisenthal mit einem Motor nachrüsten ließ.

Die Maria-Helena war bis 1991 als Frachtschiff vorwiegend in Frankreich im Einsatz. 2006 erwirbt Frank Lion die Péniche. Anschließend erfolgt der Umbau zum Theaterschiff auf der Wirotius-Werft in Rilchingen-Hanweiler.

Seit 2007 wird das fahrbereite Schiff für Theater, Konzerte, Kino und Ausstellungen genutzt. Es ist Spielstätte der im Jahr 1981 von Frank Lion gegründeten TheaterCompagnie Lion.

TheaterCompagnie Lion (Kontakt Theaterschiff „Maria-Helena“)

Lessingstraße 28
66121 Saarbrücken

Museumsschiff Anna Leonie

Die Anna Leonie ist das letzte saarländische Treidelschiff, das heute als Museumsschiff erhalten ist. Es handelt sich um ein gedecktes Kanalschiff aus Eisen mit einem Mast und einer Kajüte im hinteren Bereich. Sie wurde 1925/26 gebaut und nie motorisiert. Gebaut wurde sie von der Werft der Gebrüder Schäfer in Völklingen-Luisenthal, die auch Ersteigentümer des Schiffes waren.

1937 erwarb das Ehepaar Johann und Eugénie Kind das Schiff und taufte es auf den Namen „Anna Leonie“ zu Ehren ihrer jüngsten Tochter Anna und ihrer ältesten Tochter Leonie. Der Schiffsrumpf hat eine Länge von 38,76 m und eine Breite von 5,03 m, die mittlere Leertauchung beträgt 0,30 m. Die Péniche hat eine Ladefähigkeit von ca. 276 t bei 1,80 m Tiefgang.

Die Anna Leonie war bis 1964 in Betrieb. Der Fischereiverband Saar konnte die Péniche erwerben und anschließend in der Schiffswerft Wirotius in Rilchingen-Hanweiler in jahrelanger Kleinarbeit bis 2011 instand setzen lassen.

Fischereiverband Saar KöR (Kontakt Museumsschiff „Anna Leonie“)

Feldstraße 49
66763 Dillingen