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Thema: Industriekultur und Denkmalpflege

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Ministerium für Bildung und Kultur | Industriekultur

Altes HüttenAreal Neunkirchen

Die erste Eisenhütte wurde 1593 von Graf Albrecht von Ottweiler im Bliestal gründet. 1635 wurde das Werk im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1652. Im Jahr 1752 folgte der Bau der „Oberen Schmelz“. Das Eisenwerk ging am 21.03.1806 in den Besitz der Gebrüder Stumm über. Im Jahr 1858 übernahm Carl Ferdinand Stumm (1836-1901), der im Jahr 1888 zum Freiherrn von Stumm ernannt wurde, gemeinsam mit seinem Onkel Carl Böcking die Leitung des Werkes. 1903 wurde das Unternehmen in eine GmbH überführt; Inhaber sind die Erben Stumm. Im Jahr 1920 erfolgte die Gründung der Neunkircher Eisenwerk AG. Am 10.02.1933 kamen bei einer Gasometerexplosion 63 Menschen ums Leben. Nach Fliegerangriffen am 30.11.1944 wurde das Werk so stark beschädigt, dass der Betrieb eingestellt werden musste. Ab dem 15.07.1950 erfolgte nach und nach die Wiederinbetriebnahme. Es folgten der Bau einer neuen Drahtstraße im Jahr 1963 und einer neuen Mölleranlage im Jahr 1967. Eine neue Feinstahlstraße ging 1972 in Betrieb. Im Jahr 1978 erfolgte im Rahmen der Stahlwerke Röchling-Burbach die Übernahme der noch weiter bestehenden Neunkircher Eisenwerk AG durch die ARBED-Gruppe.

Ab dem 08.07.1982 beginnt die teilweise Außerbetriebnahme des Eisenwerks: Die Kokerei, die Hochöfen und das Stahlwerk werden stillgelegt. Der letzte Hochofenabstich erfolgt am 29.07.1982. In Betrieb bleiben lediglich zwei Walzstraßen. In den Jahren 1984-1987 werden viele funktionslos gewordene Werksteile abgerissen. Zwischen 1987 und 1995 werden insgesamt 93 Hektar Industriebrache revitalisiert und rekultiviert.

Im Jahr 1991 wird der Neunkircher Hüttenweg eröffnet. Es folgt 1995 die Fertigstellung des Hüttenparks. 1996 wird das Freizeit- und Kulturzentrum Wasserturm eröffnet, 1999 die Gebläsehalle als offene Veranstaltungshalle renoviert, 2000 eine Illuminierung des „Alten HüttenAreals“ realisiert, 2003 der Spitzbunker begehbar gemacht und 2011/12 die Gebläsehalle zu einer Eventhalle umgebaut.

Das „Alte HüttenAreal“ in Neunkirchen ist Beispiel eines gelungenen Strukturwandels. Es zeigt eine Symbiose aus Erhaltung industriekultureller Zeugnisse bei gleichzeitiger Schaffung eines modernen Erlebnisareals. Die neue Gebläsehalle, der Wasserturm und die Stummsche Reithalle bilden heute ein kulturelles Zentrum der Stadt Neunkirchen. Der grüne Hüttenpark, der aus 40 Hektar Industriebrache entstanden ist, beherbergt in Erinnerung an das Neunkircher Eisenwerk Teile ehemaliger Großmaschinen. Vor dem Wasserturm befindet sich das von Seiji Kimoto geschaffene Denkmal, das an die über 3.000 Zwangsarbeiter erinnert, die während der NS-Zeit im Eisenwerk arbeiten mussten.

Heute erschließt der „Neunkircher Hüttenweg“ die Relikte des „Alten HüttenAreals“ und gibt Einblick in die damalige Lebenswelt der Hüttenherren und -arbeiter. Er führt u.a. an folgenden industriekulturellen Zeugnissen entlang:

Die Stummsche Reithalle wurde 1858/59 als „Reitbahn“ für die Kinder der Familie Stumm errichtet und gehörte zum einstigen Ensemble des Herrenhauses. Heute dient das restaurierte Gebäude als Veranstaltungsort.

Stummsche Reithalle Neunkirchen Stummsche Reithalle
Die 1858/59 als „Reitbahn“ für die Kinder der Familie Stumm errichtete Stummsche Reithalle dient heute als Veranstaltungsort. Foto: Landesdenkmalamt, Gregor Scherf

Der 1936 zur Sicherung der Wasserversorgung der Hochöfen erbaute Wasserturm beherbergt seit seinem Umbau 1996 Kinos und gastronomische Betriebe.

Von der Hochofengruppe sind von ehemals sechs Hochöfen heute noch die Hochöfen II und VI erhalten. Sie zeigen gemeinsam mit dem alten Gebläsehaus und dem Wasserturm Funktionsgebäude des früheren Eisenwerks. Die Gichtbühne von Hochofen VI fungiert heute als Aussichtsplattform, die im Rahmen von Gruppenführungen begangen werden kann.

Gasometer, Hochofen VI, Wasserturm und Hochofen II Neunkirchen Gasometer, Hochofen VI, Wasserturm und Hochofen II
Zum Neunkircher Eisenwerk gehörten der am 26.06.2020 gesprengte Gasometer, der Hochofen VI mit Gichtbühne und drei Winderhitzern, der Wasserturm und der Hochofen II mit zwei Winderhitzern (v.l.n.r.). Foto: Landesdenkmalamt, Gregor Scherf

Das alte Gebläsehaus wurde ab 1903 errichtet und beherbergte die mit Hochofengas (Gichtgas) betriebenen Gebläse, deren Aufgabe es war, die Cowper (Winderhitzer) mit Luft zu versorgen. Die noch erhaltene Maschine stammt aus dem Jahr 1909. Heute wird die Gebläsehalle kulturell genutzt.

Altes Gebläsehaus und Hochofen VI Neunkirchen Altes Gebläsehaus und Hochofen VI
Direkt neben dem 1903 errichteten alten Gebläsehaus steht Hochofen VI mit Gichtbühne und drei Winderhitzern. Foto: Landesdenkmalamt, Gregor Scherf

Der 1938 gebaute achtgeschossige Spitzbunker hat eine Höhe von 23 Metern und war für bis zu 400 Personen ausgelegt. Er kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Die vom Kommunalbaumeister Mathias Mußweiler aus St. Wendel entworfene Stummsche Kapelle wurde 1852-1854 erbaut. Der im neugotischen Stil errichtete Sakralbau wurde von der Familie Stumm bis zu deren Übersiedlung nach Schloss Halberg in Saarbrücken im Jahr 1880 als Privatkapelle genutzt.

Die Stummsche Erbbegräbnisstätte in Sinnerthal ist von einer Mauer umschlossen. Den Mittelpunkt der Anlage bildet eine gusseiserne Stele von 1845, um die sich die mit gusseisernen Kreuzen versehenen Gräber der Familie Stumm gruppieren.

Stummsche Erbbegräbnisstätte Neunkirchen Stummsche Erbbegräbnisstätte
Die Stummsche Erbbegräbnisstätte wird von einer Mauer begrenzt. Das Zentrum der Anlage bildet eine gusseiserne Stele von 1845. Um diese gruppieren sich die mit gusseisernen Kreuzen versehenen Gräber der Familie Stumm. Foto: Landesdenkmalamt, Gregor Scherf

Weitere industriekulturelle Zeugnisse sind die 1845 in Erinnerung an das Stummsche Imperium errichtete Eisenstele, der Hammergraben, der Parkweiher, die Hüttenschule, das 1902 von Prof. Hugo Wilhelm Fritz Schaper geschaffene Stummdenkmal, die 1867-1869 vom Architekten Heinrich Wiethase im neugotischen Stil errichtete evangelische Christuskirche, das 1938 von Prof. Fritz Claus geschaffene gusseiserne Arbeiterdenkmal des Eisengießers, das 1904 von der Familie Stumm für Waisen und Alte gestiftete Karl-Ferdinand-Haus, die beginnend um 1880 errichteten Meisterhäuser in der Königstraße und das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Villen-Ensemble in der Goethestraße.

„Meisterhäuser“ in der Königstraße Neunkirchen „Meisterhäuser“ in der Königstraße
Die 1882 errichteten sogenannten „Meisterhäuser“ in der Königstraße dienten als Wohnungen für die Arbeiter des Eisenwerks. Foto: Landesdenkmalamt, Gregor Scherf

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