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Thema: Industriekultur und Denkmalpflege

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Ministerium für Bildung und Kultur | Industriekultur

Ehemaliges Eisenbahn-Ausbesserungswerk
(heute: AW-Hallen) Saarbrücken-Burbach

Im Jahr 1859 wurde die Königl. Eisenbahndirektion St. Johann – Saarbrücken gegründet. Nachdem diese 1880 im Rahmen einer Neuordnung der preußischen Eisenbahnverwaltung aufgelöst worden ist und stattdessen Betriebsämter eingerichtet worden waren, erfolgte bereits 1895 die Neuerrichtung der Königl. Eisenbahndirektion St. Johann – Saarbrücken. Der wirtschaftliche Aufschwung zu dieser Zeit führte zu einer erheblichen Steigerung des Güterverkehrs und damit auch der Anzahl an Güterwagen. Es waren daher Werkstätten zur Wartung bzw. Reparatur der Lokomotiven und Güterwagen erforderlich. Nachdem diese Arbeiten zunächst in sogenannten Remisen – d.h. in den den Lokomotiv- bzw. Wagenunterstellhallen angegliederten offenen Schupppen – durchgeführt worden waren, war bereits 1854 die Eisenbahnwerkstätte Saarbrücken im Norden des Bahnhofs St. Johann errichtet und 1857 zu einer Hauptwerkstätte erhoben worden. Bereits um die Jahrhundertwende war diese Werkstätte zu klein, um den zunehmenden Arbeitsanfall bewältigen zu können. Hinzu kam, dass aufgrund der Erweiterung des Saarbrücker Bahnhofsgeländes für den Zugverkehr die enge räumliche Situation einen Ausbau des Werkstattgeländes unmöglich machte.

Daher entschloss man sich, die Wagenwerkstätte nach Malstatt-Burbach auf den Pfaffenkopf zu verlegen. Die Lokomotivwerkstätte sollte in Saarbrücken verbleiben, wo sie durch den Wegzug der Wagenwerkstätte Erweiterungsmöglichkeiten erhielt. Der Standort in Burbach war somit von Anfang an als reines Wagenwerk geplant. Nach dem Erwerb des Baugeländes in Malstatt-Burbach wurde bereits 1904 mit den Erdarbeiten begonnen. Es folgte die Grundsteinlegung im Jahr 1905 und die Inbetriebnahme im Jahr 1906. Zunächst bestand die Wagenwerkstätte aus einer Ausbesserungshalle, einer Schmiede, einem Kesselhaus und einigen Nebengebäuden. Gleichzeitig wurde südöstlich an das Werk angrenzend eine Werkssiedlung u.a. mit Arbeiter- und Beamtenwohnhäusern sowie zwei Direktorenvillen errichtet, um Wohnraum in unmittelbarer Nähe des fernab des Stadtzentrums gelegenen Betriebes zu schaffen. Die Gebäude der Werkssiedlung sind hierbei standardisiert. Sie haben einen Sockel aus Sand- oder Klinkersteinen sowie einen Eingangsrisalit. Die Gebäude tragen ein ausgebautes Krüppelwalmdach. Zu den Wohneinheiten gehört jeweils ein Nutzgarten mit Wirtschaftsgebäude. Im Norden grenzt das Betriebsgelände an ein Waldgebiet. Aus den Wohnungsinhabern wurde eine Werksfeuerwehr rekrutiert. 1908 musste die Güterwagenausbesserung erweitert werden, 1921 erfolgte eine weitere Vergrößerung der Güterwagenhalle. Im Jahr 1936 wurde die neue Lehrwerkstatt eröffnet. Anfang der 1960er Jahre waren Grubensenkungen im Werkbereich festgestellt worden. Diese verliefen quer durch die Wagenrichthalle und nahmen schließlich solche Ausmaße an, dass die zulässige Gleisneigung teils erheblich überschritten wurde. In den Jahren 1974 bis 1976 erfolgte im Auftrag der Saarbergwerke eine Hebung des Hallenbodens zur Niveauregulierung.

Das Eisenbahnausbesserungswerk wurde über eine Spitzkehre im Bahnhof von der Heydt an die Bahnstrecke Saarbrücken – Von der Heydt angeschlossen. Hierüber erfolgte der Zu- und Abgang der Wagen. Für die Belegschaft wurde eigens ein Bahnhaltepunkt „Ausbesserungswerk“ eingerichtet.

Das zweigeschossige Verwaltungs- und Magazingebäude des Ausbesserungswerkes ist ein Backsteinbau mit Walmdach und einem kleinen Uhrenturm auf dem Verwaltungstrakt. Die Fassaden sind durch die Verwendung verschiedener Baumaterialien – wie dunklen und hellen Sandsteinen in Kombination mit Backsteinen – und unterschiedlichen Fensterformaten reich gegliedert. Im Untergeschoss wurden früher in einem Konsumladen verbilligte Lebensmittel für die Belegschaft verkauft.

Verwaltungs- und Magazingebäude Eisenbahn-Ausbesserungswerk Saarbrücken-Burbach Verwaltungs- und Magazingebäude
Das zweigeschossige Verwaltungs- (rechts) und Magazingebäude (links) ist ein Backsteinbau mit Walmdach und einem kleinen Uhrenturm. Die Fassaden sind durch die Verwendung unterschiedlicher Baumaterialien, wie dunklen und hellen Sandsteinen in Kombination mit Backsteinen, und unterschiedlicher Fensterformate reich gegliedert. Foto: Landesdenkmalamt, Stephanie Schlörb

Gegenüber liegt das Kantinen- und Pförtnergebäude.

Kantinen- und Pförtnergebäude Eisenbahn-Ausbesserungswerk Saarbrücken-Burbach Kantinen- und Pförtnergebäude
Das Kantinen- und Pförtnergebäude liegt dem Verwaltungs- und Magazingebäude gegenüber. Foto: Landesdenkmalamt, Stephanie Schlörb

Wagenreparaturhalle

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Imposant ist die Wagenreparaturhalle, das mit ca. 40.000 qm größte Gebäude des Betriebsgeländes. Es handelt sich um die Aneinanderreihung langgestreckter Baukörper mit Satteldächern, welche mit einer Oberlichtzone versehen sind. Hinter deren Backsteinmauerwerk mit niedrigem Sandsteinsockel verbirgt sich eine für die damalige Zeit moderne Stahlskelettkonstruktion. Die Wagenrichthalle wird über eine Gleisharfe erschlossen. Eine Verschiebebühne verbindet vor der Halle sämtliche parallel auf das Gebäude zulaufenden Gleise. Im Gebäude selbst erhöhen zwei weitere Verschiebebühnen die Flexibilität der Arbeitsabläufe. Die Verschiebebühnen dienen dazu, die Waggons von einer Arbeitsstation zur nächsten zu transportieren.

Verschiebebühne Eisenbahn-Ausbesserungswerk Saarbrücken-Burbach Verschiebebühne
Die Verschiebebühne zwischen Wagenrichthalle und ehemaliger Gleisharfe wurde unter Erhalt historischer Gebrauchsspuren denkmalgerecht saniert, wodurch die frühere Funktion des Werkes auch weiterhin ablesbar ist. Sie hatte vor der Halle sämtliche parallel auf das Gebäude zulaufenden Gleise verbunden und diente dazu, die Waggons zwischen den Gleisen zu den richtigen Arbeitsstationen zu verschieben. Foto: Landesdenkmalamt, Stephanie Schlörb

Die benachbarte Federnschmiede, erkennbar an ihren aneinandergereihten Kaminen, entspricht stilistisch der Wagenreparaturhalle. Neben Stichbogenfenstern und -portalen setzen Friese und Blendbögen ästhetische Akzente. In der Schmiede wurden Teile schadhafter Blattfedern nachgeschmiedet.

Federnschmiede Eisenbahn-Ausbesserungswerk Saarbrücken-Burbach Federnschmiede
Die Federnschmiede ist an ihren aneinandergereihten Kaminen erkennbar und entspricht stilistisch der Wagenreparaturhalle. In der Schmiede wurden Teile schadhafter Blattfedern nachgeschmiedet. Foto: Landesdenkmalamt, Stephanie Schlörb

Die in den Jahren 1935/36 erbaute Lehrwerkstatt ist dagegen deutlich nüchterner gestaltet, stellt jedoch durch die Verwendung ähnlicher Baumaterialien den Bezug zu den älteren Gebäuden her. Sie bildet den rückwärtigen Abschluss des Betriebsgeländes und liegt leicht erhöht der Werkseinfahrt gegenüber. Sie wird über eine zweiarmige Treppenanlage erschlossen.

Lehrwerkstatt Eisenbahn-Ausbesserungswerk Saarbrücken-Burbach Lehrwerkstatt
Die in den Jahren 1935/36 erbaute Lehrwerkstatt bildet den rückwärtigen Abschluss des Betriebsgeländes und liegt leicht erhöht der Werkseinfahrt gegenüber. Sie wird über eine zweiarmige Treppenanlage erschlossen. Foto: Landesdenkmalamt, Stephanie Schlörb

Das Ensemble aus Verwaltungsgebäude, Reparaturhallen und angrenzender Siedlung ist von hoher architektonischer Qualität. Es dokumentiert zudem das Nebeneinander von Wohn- und Arbeitsstätte.

Das Eisenbahnausbesserungswerk Saarbrücken-Burbach wurde im Jahr 1997 geschlossen. 1999 hat die GIU – Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung mbH das ehemalige Betriebsgelände erworben und betreibt seitdem dessen Entwicklung zu einem innovativen Gewerbestandort für kleine und mittlere Unternehmen. Die Wagenrichthalle soll auf Dauer erhalten werden. Zu deren Erschließung wurden eine längs- und zwei quergerichtete Hallenachsen in Fahrstraßen umgewidmet, wobei die dortigen Verschiebebühnen entfernt werden mussten. Über den Fahrstraßen musste die Dacheindeckung abgenommen werden, wobei die Dachkonstruktion selbst jedoch erhalten geblieben ist, sodass die Gesamtstruktur der Wagenrichthalle bestehen geblieben ist. Die Halle selbst wird mittels eines „Haus-in-Haus“-Prinzips umgebaut und nutzbar gemacht, wobei entlang der Fahrstraßen industriell gefertigte Pavillons eingebaut bzw. Innenfassaden eingezogen werden. Die Andienung der Betriebe erfolgt von außen über die ehemaligen Gleistore bzw. über die neuen Fahrstraßen im Halleninnern. Die Schienenstränge im Bereich der Gleisharfe wurden weitgehend entfernt und der Bereich für eine Bebauung vorgesehen. Der ehemalige Gleisbereich wird hierbei durch zwei neue Erschließungsstraßen parallel zum Verlauf der ehemaligen Gleise in Bauabschnitte unterteilt. Die Gestaltung von Gehwegen und Straßenbeleuchtung greift Elemente der ehemaligen Gleisanlage auf. So sind die Gehwegplatten beispielsweise in vor Ort belassenen Gleisen verlegt. Die Beleuchtungsmasten wurden dem Original nachempfunden. Neue Bauten müssen dem ursprünglichen Gleisverlauf folgen, um den Bezug zur früheren Nutzung herzustellen. Sämtliche Neubauten unterliegen den Richtlinien eines Gestaltungshandbuches. Die zwischen Wagenrichthalle und Gleisharfe befindliche Verschiebebühne wurde unter Erhalt historischer Gebrauchsspuren denkmalgerecht saniert, wodurch die frühere Funktion des Werkes auch weiterhin ablesbar sein wird. Auch die übrigen historischen Bestandsgebäude sind behutsam saniert und bereits zum Großteil neuen Nutzungen zugeführt worden.

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