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Thema: Industriekultur und Denkmalpflege

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Ministerium für Bildung und Kultur | Industriekultur

Die „Kirche aus Eisen“ Sainte-Barbe
in Crusnes

L’église en fer Sainte-Barbe de Crusnes

Crusnes liegt im Département Meurthe-et-Moselle. Der Ort ist heute Teil des 25 Kommunen zählenden Gemeindeverbandes „Communauté de Communes Cœur du Pays-Haut“. Verwaltungssitz ist Audun-le-Roman. Die Église Sainte-Barbe (1 Avenue Troisième Avenue, F-54680 Crusnes) ist der Hl. Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, geweiht. Die Besonderheit des Bauwerkes in Crusnes liegt in dessen Baumaterial: Die Kirche besteht in Gänze aus Eisen.

Die Einführung des Thomas-Verfahrens Anfang der 1880er Jahre in Lothringen ermöglichte die Verhüttung der phosphorhaltigen Minette zur Stahlproduktion. Das Minette-Revier erlebte daraufhin einen enormen Aufschwung. Die Familie de Wendel war Besitzerin u.a. des Eisenerzbergwerks von Crusnes. Das Abteufen der dortigen Schächte wurde 1913 abgeschlossen. Zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs wurden u.a. Bergarbeiter aus Polen und Italien angeworben. Für deren Unterbringung wurde südlich des Ortes Crusnes die neue rasterförmig angelegte Bergarbeitersiedlung Crusnes Cités errichtet. Die Avenuen und Querstraßen gruppieren sich um einen zentralen Platz, der von der Kirche Sainte-Barbe dominiert wird. Das Bergwerk wurde 1973 stillgelegt.

In Auftrag gegeben wurde der Kirchenbau 1937 von der Industriellenfamilie de Wendel. Die Kirche Sainte-Barbe wurde in den Jahren 1938/39 nach Plänen des Architekten Claude Robbe und seines Nachfolgers Alphonse Fénaux, beide Architekten in Diensten des Unternehmens de Wendel, errichtet. Bei dem Bauwerk handelt es sich um einen Prototypen, der an einen „Metallbaukasten“ erinnert. Das von Ferdinand Fillod, Inhaber einer Metallbaufirma, entwickelte Prinzip besteht aus einer überschaubaren Anzahl industriell vorgefertigter Bauelemente, deren Montage ohne Schrauben oder Schweißen auch ungelernte Arbeiter beherrschen sollten. Verbunden wurden die Einzelteile über Steckverbindungen. Ferdinand Fillod hatte große Erfahrung im Bau von Metallbaracken für militärische und zivile Zwecke. Vorgesehen war der Verkauf großer Stückzahlen der Bausätze in afrikanische Länder, als Kirche für die dortigen Missionare. Der Zweite Weltkrieg verhinderte die Serienproduktion. Nach dem Krieg wurde das Projekt nicht mehr aufgenommen, sodass die Kirche Sainte-Barbe in Crusnes heute ein Unikat darstellt.

Die Baumaterialien stammen aus dem lothringischen Eisenerzbecken. Stahlträger und -stützen bilden die Tragkonstruktion. Die Innen- und Außenverkleidung des Gebäudes besteht aus einer gefalteten Blechplatte. Der Wandzwischenraum wurde zur Dämmung mit Hochofenschlacke verfüllt. Ebenso waren die Portale aus Metall gefertigt. Die Kirchenfenster zeigen Szenen aus dem Leben der Hl. Barbara. Die Wandgemälde von Nicolas Pierre Emile Untersteller – ein in Stiring-Wendel geborener Maler, Glaskünstler und Bildhauer sowie späterer Direktor der „École nationale supérieure des Beaux-Arts de Paris“ – zeigen von den lothringischen, italienischen und polnischen Bergleuten verehrte Heilige. Der ab 1945 entstandene Kreuzweg wurde aus Eisenerzblöcken geschnitzt. 

1977 kam es durch Grubensenkungen zu gravierenden Gebäudeschäden und es bestand Einsturzgefahr. Ende der 1980er Jahre gründete sich die „Association des Amis de Sainte-Barbe“, die sich für die Restaurierung des Bauwerks einsetzt. Als erste Maßnahme wurde das Dach erneuert. Seit 1990 steht die Kirche Sainte-Barbe unter Denkmalschutz. Erst im Jahr 1997 begannen die Außenarbeiten zur Restaurierung der mittlerweile stark verrosteten Kirche. Die Arbeiten an der Fassade wurden 2006 abgeschlossen. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten wurden die ehemaligen Schlackefüllungen der Zwischenwände durch Steinwolle ersetzt. Da sich die Kirche seit 2015 in Privatbesitz befindet, ist lediglich eine Außenbesichtigung möglich.

L’église en fer Sainte-Barbe de Crusnes

1 Avenue Troisième Avenue
F-54680 Crusnes

Communauté de Communes Cœur du Pays-Haut

71 route de Briey
F-54560 Audun-le-Roman