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| Ministerium für Bildung und Kultur | Bibliothekswesen und Leseförderung, Bildung

Bundesweiter Vorlesetag: Warum für Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot das Vorlesen mehr ist als nur das Erzählen einer Geschichte

Wie die Bildungsbiographie von Kindern verläuft, welche Wege sie gehen – viele Weichen dafür werden bereits in der frühen Kindheit gestellt.

Eine dieser Weichen ist, inwiefern Kinder früh Zugang zu Sprache und Büchern haben. Kinder, die regelmäßig vorgelesen bekommen, lernen einfacher Lesen und Schreiben. Sie können sich meist auch besser konzentrieren, sie entwickeln früh Empathie und es fällt ihnen leichter, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Deshalb gibt es seit 2004 den bundesweiten Vorlesetag, der in diesem Jahr am 16. November stattfindet. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot besucht an diesem Tag die Förderschule Sprache Weierwiesschule in Sulzbach und liest den Schüler:innen vor.

„Vorlesen ist nicht nur das Erzählen einer Geschichte oder die Förderung von Lesekompetenz. Vorlesen ist auch Beziehungsarbeit. Es ist gar nicht so wichtig, in welcher Sprache Eltern oder Großeltern, Freunde oder Lehrerinnen vorlesen, ob sie flüssig lesen oder auch nur zehn Minuten Zeit dafür finden. Vorlesen knüpft ein Band zwischen diesen Menschen, beim Vorlesen stürzen sie sich gemeinsam in ein Erlebnis, fangen dabei an über sich und ihre Gefühle zu sprechen, lernen sich selbst wahrzunehmen und anderen zuzuhören. Vorlesen ist also unglaublich wichtig, kommt im Alltag aber oft zu kurz“, erklärt Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot zum Vorlesetag.

32 Prozent aller Eltern lesen ihren Kindern selten oder nie vor. Das hat eine Studie der Stiftung Lesen ermittelt. Fast 50 Prozent gaben bei der Befragung an, Vorlesen mache ihnen keinen Spaß. Vielen Haushalten mangelt es zudem an Vorlesestoff. Streichert-Clivot: „Wir haben in der Corona-Pandemie sehr deutlich gemerkt, wie wichtig persönliche Kontakte zwischen uns Menschen sind. An unseren Schulen sind die Lücken, die die Schulschließungen und die Pandemie-Einschränkungen gerissen haben, riesig. Besonders im sozial-emotionalen Bereich haben die Probleme von vielen Schülerinnen und Schülern zugenommen. Vorlesen kann hier viel Gutes bewirken und ein Besuch in den öffentlichen Bibliotheken unseres Landes lohnt immer.“

Der Stiftung Lesen hat zusammen mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Deutschen Bahn Stiftung den Vorlesetag im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Tausende Lesepat:innen machen Schulen und Kindertageseinrichtungen an diesem Tag zu größtes Vorlesefest Deutschlands. In diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam einzigartig“.

Die Stiftung nennt zehn Gründe, warum das Vorlesen so wichtig für die Entwicklung kleiner Kinder ist:

  1. Vorlesen schafft Nähe: Gemeinsam gegen Drachen kämpfen, mit Pferden durch die Berge reiten oder knifflige Kriminalfälle lösen – beim Vorlesen verbringen Eltern und Kinder Zeit miteinander, sind sich nah und kommen ins Gespräch. Das stärkt den Familienzusammenhalt und hilft, auch über schwierige Themen zu sprechen.
  2. Vorlesen vergrößert den Wortschatz: In Geschichten begegnen Kindern neue Begriffe. Wenn sie diese Wörter häufiger hören, benutzen sie diese bald schon eigenständig.
  3. Vorlesen macht erfinderisch: Kinder, die einer Geschichte lauschen, kommen danach oft auf gute Ideen. Sie bauen Burgen nach, kneten Tiere, basteln Superheldenmasken oder spinnen die Abenteuer ihrer Lieblingshelden im Kopf weiter.
  4. Vorlesen steigert das Mitgefühl: Stark und schwach, mutig und ängstlich, neugierig und schüchtern – Kinderbuchhelden sind ganz verschieden. In Geschichten empfinden Kinder deren Gedanken und Gefühle nach. Das hilft ihnen, etwa ihre Kita- und Schulfreundinnen und - freunde besser zu verstehen.
  5. Vorlesen festigt den Gerechtigkeitssinn: Wenn Kinder Peppa, Harry und die kleine Hexe auf ihren Abenteuern begleiten, erfahren sie, wie Probleme entstehen und sich lösen lassen. Das hilft ihnen bei Konflikten im Alltag.
  6. Vorlesen macht klug: Vulkane, Ballett, Raumfahrt – in Abenteuer- und Sachgeschichten lernen Kinder neue Welten kennen. Sie erweitern ihr Wissen, erhalten Antworten auf ihre Fragen und werden neugierig auf andere Themen.
  7. Vorlesen fördert die Konzentration: Kinder, die häufig Geschichten lauschen, lernen, für eine längere Zeit aufmerksam zu sein.
  8. Vorlesen erleichtert das Lesenlernen: Beim Blättern und Mitschauen lernen Kinder die ersten Buchstaben kennen. Dieses Wissen hilft ihnen später beim Schulstart.
  9. Vorlesen macht Lust auf Lesen lernen: Kinder mit Vorleseerfahrung haben mehr Freude daran, Wörter, Buchstaben und Sätze zu entschlüsseln.
  10. Vorlesen macht fit für die Schule: Kinder mit Vorleseerfahrung haben häufig bessere Noten –nicht nur in Deutsch, sondern auch in anderen Fächern.

Medienansprechpartner

Lukas Münninghoff
Referatsleiter M1 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Trierer Straße 33
66111 Saarbrücken

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