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Förderung der Mehrsprachigkeit: Abibac-Schulen bekommen zusätzliche Lehrer:innenstellen

Mit der bevorstehenden Gymnasialreform werden  die Schüler:innen entlastet und bekommen damit mehr Freiräume für den Doppelabschluss. Schulen, die das Abibac anbieten, erhalten seit diesem Schuljahr eine zusätzliche Lehrer:innenstelle.

Das Robert-Schuman-Gymnasium in Saarlouis, das Gymnasium Johanneum in Homburg, das Illtal-Gymnasium in Illingen und das Warndt-Gymnasium in Völklingen sind sogenannte Abibac-Schulen. Hier können Schüler:innen gleichzeitig mit dem deutschen Abitur auch das französische baccalauréat erwerben.

„Über die Hälfte der saarländischen Kitas sind bilingual, 40 Prozent aller Élysée-Kitas in Deutschland stehen auf saarländischem Boden und an etwa einem Viertel der saarländischen Grundschulen erfolgt der Französischunterricht bereits ab Klassenstufe 1. Wir haben im Saarland ein breit gefächertes Französischangebot vom Vorschulbereich über die Grundschule bis zu den Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und den beruflichen Schulen. Kein anderes Bundesland ist bei der Mehrsprachigkeit so weit wie das Saarland. An unseren Abibac-Schulen können Schülerinnen und Schüler zudem das baccalauréat, das französische Pendant zum deutschen Abitur, absolvieren. Im Zuge der bevorstehenden Gymnasialreform wird es Schüler:innen im Rahmen des Abibac ermöglicht, ihre zweite Fremdsprache Englisch in der gymnasialen Oberstufe weiterzuführen, ohne dass die übliche Wochenstundenzahl überschritten werden muss.“

Diese Entlastung der Schüler:innen wird auch von den Schulleitungen der Abibac-Schulen als wichtiger Schritt gesehen: Sie gehen davon aus, dass sich zukünftig mehr Schüler:innen für die Europaklassen und für den bilingualen Sachfachunterricht anmelden. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot will aber nicht nur Schüler:innen entlasten, sondern auch Schulen sollen für dieses zusätzliche Angebot mit mehr Personal belohnt werden. So erhält jede Abibac-Schule seit diesem Schuljahr eine zusätzliche Lehrer:innenstelle.

Derzeit besuchen im Saarland 40 Schüler:innen der Klassenstufe 12 sogenannte Abibac-Klassen.

Seit mehr als 20 Jahren gibt es in Deutschland Schulen, die das Abibac an den jeweiligen Standorten und mit französischen Partnerschulen anbieten. Das Prinzip ist einfach: verstärkter Französischunterricht und Unterricht in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern in französischer Sprache. Die Schülerinnen und Schüler legen dann zeitgleich mit dem deutschen Abitur ihre bilingualen Prüfungen ab; dabei entsendet Frankreich französische Schulaufsichtsbeamt:innen als Prüfungsvorsitzende. Die Partnerschaft zwischen den Schulen beider Länder ermöglicht einen regelmäßigen Schüler:innen- und Lehrer:innenaustausch.

Mehrsprachigkeit im Saarland

Kein anderes Bundesland ist bei der Mehrsprachigkeit so weit wie das Saarland: Das liegt vor allem an der strukturellen Verankerung des Französischen in den Bildungseinrichtungen – von der Kita bis zur beruflichen Bildung und Weiterbildung. So sind über die Hälfte der saarländischen Kitas bilingual, jede fünfte zweisprachige Vorschuleinrichtung in Deutschland liegt im Saarland.

In jedem Schuljahr legen die saarländischen Grundschüler:innen mit Französisch ab Klassenstufe 1 sogar die DELF Prim A1.1-Zertifikatsprüfung des französischen Staates ab. Die saarländischen Grundschüler:innen stellen hierbei jährlich ca. 85 Prozent der bundesdeutschen Schüler:innen insgesamt, die dieses Französischzertifikat ablegen.

Kitas:

Von den 493 Kitas im Saarland arbeiten 250 Kitas bilingual, also rund 51 Prozent. Die Angebote reichen hier von täglichen Angeboten in französischer Sprache für alle Kinder bis hin paritätisch deutsch- und französischsprachig besetzten Teams. Bei letzterem Angebot, fachlich Immersion oder „Sprachbad“ genannt, wird die zu lernende Sprache konsequent neben der Erstsprache als Alltagssprache (in der Kita) verwendet.

In das Netzwerk der sog. Elysée-Kitas wurden zwischen 2018 und 2022 15 weitere saarländische Kitas aufgenommen. Mittlerweile sind es im Saarland damit 83 Elysée-Kitas bei 196 Elysée-Kitas bundesweit, was 43 Prozent aller Elysée-Kitas entspricht.

Seit dem 1. April 2022 ist das neue Saarländische Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsgesetz  (SBEBG) in Kraft. Mit dem neuen Gesetz sind Personen mit französischen Berufsabschlüssen und Studienabschlüssen im sozialpädagogischen Bereich automatisch anerkannte Fachkräfte im Saarland und müssen kein Anerkennungsverfahren mehr durchlaufen. Zur staatlichen Anerkennung ihrer Ausbildung müssen sie einen Anpassungslehrgang „Pädagogik der Kindheit“ absolvieren, der sie in besonderem Maße auf die pädagogische Aufgabe in einer saarländischen Kita und auf die Arbeit in bilingual-bikulturellen Settings vorbereitet.

Grundschulen:

Derzeit bieten 42 der insgesamt 161 Grundschulen im Saarland Französisch ab der 1. Klasse an, 4 Schulen planen ein solches Angebot für das kommende Schuljahr 2023/24. 5 dieser 42 Grundschulen sind bilinguale Einrichtungen. An allen anderen Grundschulen im Saarland wird Französisch ab der 3. Klassenstufe unterrichtet.

Deutsch-Französischen Gymnasium und Deutsch-Luxemburgisches Schengen-Lyzeum:

Am Lycée Franco-Allemand de Sarrebruck/Deutsch-Französischen Gymnasium und am Deutsch-Luxemburgisches Schengen-Lyzeum Perl prägen Mehrsprachigkeit und binationale Bildungsangebote bzw. -abschlüsse die deutsch-französische bzw. deutsch-luxemburgische Ausrichtung und den Charakter als Schulen der im Alltag gelebten grenzüberschreitenden und internationalen Begegnung.

Berufliche Schulen:

Das Modell „Deutsch-Französischer Berufsschulzweig“ im Saarland wird zurzeit in sechs Bereichen umgesetzt: „Automobil“ am BBZ St. Ingbert, „Tourismus“ am KBBZ Halberg, „Hotellerie/Gastronomie“ am TGBBZ II Saarbrücken und „Bauwesen“, „Energie“ und „Informationssysteme“ am TGBBZ I Saarbrücken. Das Modell zielt auf die Förderung der internationalen Mobilität und des beruflichen Austausches zwischen Frankreich und Deutschland bereits während der dualen Ausbildung. Zentrale Methoden der Umsetzung in der Berufsschule sind zum Beispiel der verstärkte Unterricht in der Arbeitskultur und der Fachsprache des Partnerlandes und das Absolvieren von Praktikumsphasen im jeweiligen Partnerland. Darüber hinaus sollen zukünftig auch Lehrkräfte und Experten der beruflichen Bildung eine Zeit lang im jeweiligen Nachbarland arbeiten.