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Bildungsgerechtigkeit und Zukunftsperspektiven der Kinder und Jugendlichen sichern

Rede von Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot im Sonderplenum am 22. Januar 2021


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Hinweis: Es gilt das gesprochene Wort.

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Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr verehrte Damen und Herren Abgeordnete,

von Beginn der Pandemie an ist unser gemeinsames Ziel, eine Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern, weil sein Zusammenbruch für unsere Gesellschaft und damit potentiell für jede und jeden Einzelnen fatale Folgen hätte. Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder haben sich daher am 19.1.2021 auf verschärfte Infektionsschutzmaßnahmen verständigt. Im Zuge des jüngsten MPK-Beschlusses vom vergangenen Dienstag sollen auch Schulen und Kindertageseinrichtungen bis zum 15. Februar eine eingeschränkte Betreuung anbieten.

Auch im Saarland wird daher - mit Ausnahme der Abschlussklassen -  bis dahin die Präsenzpflicht in Schulen ausgesetzt und ein schulisch begleitetes Distanzlernen angeboten.

Dabei dürfen wir aber nicht aus dem Blick verlieren, dass unsere Strategien der Pandemiebewältigung auf unsere Gesellschaft nicht folgenlos bleiben.

Ich danke daher den Koalitionsfraktionen, dass Sie in Ihrem Antrag noch einmal deutlich machen, dass auch die Art und Weise der Pandemiebewältigung eine zutiefst soziale Frage ist, die unsere Gesellschaft auf die Probe stellt. Kinder, Jugendliche und Familien – insbesondere in weniger privilegierten Verhältnissen – tragen bereits seit Monaten eine hohe Last durch die Pandemie. Ich kann Ihnen daher nur voll und ganz zustimmen, wenn Sie in Ihrem Antrag die Wichtigkeit des regulären Schulbetriebs zur Sicherung der Bildungsgerechtigkeit und der Zukunftsperspektiven der Kinder und Jugendlichen ausdrücklich feststellen.  

Der jüngst vorgelegte Gesetzentwurf zur Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz ist hier ein wichtiger Schritt. Kinder haben ein Recht auf Bildung, soziale Teilhabe und eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung.

Diesen Rechten sind wir auch in der Pandemie verpflichtet und viele in unserem Land waren sich dieser Verantwortung auch bewusst: Dem unermüdlichen Einsatz dieser Lehrkräfte und auch Eltern ist es zu verdanken, dass Lernprozesse zu Beginn der Schulschließungen nicht gänzlich abbrachen. Sie hielten mit virtuellen Formaten die Schule am Leben.

Damit Lehrkräfte das Lernen von zuhause möglichst gut und nah begleiten können, hat mein Haus im Zuge der Schulschließungen zum 16. März eine landeseigene Bildungscloud auf den Weg gebracht: die Online-Schule Saarland wurde ins Leben gerufen. Dabei konnte auf  jahrelangen Vorarbeiten aufgebaut werden. Mittels der Online-Schule Saarland ist es möglich, mit den Schülerinnen und Schülern interaktiv zusammenzuarbeiten, Dateien in der Landescloud zu speichern, Videokonferenzen durchzuführen, externe Bildungsmedien zu verwenden und per E-Mail zu kommunizieren. Auch Elternabende, Eltern-Kind-Lehrkraft Gespräche und Informationsveranstaltungen können organisiert werden. Ich will damit nur nochmal der Mär  entgegentreten, die Zeit nach dem ersten Lockdown sei nicht genutzt worden, um die Schulen digital besser aufzustellen. Damit hat das Saarland neben Hamburg und Bremen als einziges Bundesland eine funktionierende Lernplattform und kann ein gutes Angebot für das Lernen von zuhause machen.

Zurzeit arbeiten täglich rund 80.000 Nutzerinnen und Nutzer und 303 Schulen mit der Online-Schule Saarland.

Mein Haus entwickelt diese landesweite Bildungscloud kontinuierlich weiter.

Als zweite Unterstützung des Fernunterrichts haben wir ein Sofortausstattungsprogramm für die Träger komplett umgesetzt, um Schülerinnen und Schülern zu einer Ausstattung mit digitalen Endgeräten zu verhelfen. Die hierfür vom Bund bereitgestellten Gelder wurden bereits komplett verausgabt.

Um Schulträger und Schulen bei dem Lernen von zuhause zu unterstützen, haben wir gemeinsam mit dem LPM eine Notfallreserve von 1000 Endgeräten aufgebaut. Diese soll perspektivisch um weitere 1000 Endgeräte erweitert werden, die später auch für die Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden könnten. 

In dem laufenden Jahr werde ich auch die 1:1 Ausstattung der Schüler*innen mehrerer Jahrgangsstufen und die Bereitstellung von mobilen Leihgeräten für Lehrkräfte mit den Kommunen beschließen.

Auch haben wir einen Qualitätsrahmen für das Lernen von zuhause entwickelt. In der Pandemie ist es besonders wichtig, dass die unsere Pädagoginnen und Pädagogen aktiv den Kontakt zu ihren Kindern suchen. Dabei sind alle gefordert, die in der Schule arbeiten, auch die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter.

Damit unsere Lehrkräfte für das digitale Unterrichten auch weiterhin fit gemacht werden, führt das LPM seit Beginn der Pandemie Fortbildungsmodule durch. Allein in diesem Monat bilden wir 1.390 Lehrkräfte von 42 Schulen fort. Das ist eine gute Nachricht. Gerade in diesen herausfordernden Zeiten, bedarf es der Weiterqualifizierung. Ein Dank geht hier an die Lehrkräfte, dass sie ihre eigene Verantwortung auch wahrnehmen.

 

Aber: Selbst an dem Tag, an dem wir alle Schülerinnen und Schüler digital optimal ausgerüstet und alle Lehrkräfte entsprechend qualifiziert haben, können viele Kinder und Jugendliche dennoch zuhause nicht gut lernen. Auch sind dem digitalen Unterricht klare Grenzen gesetzt. Lernen entsteht durch den Aufbau von Beziehungen zwischen Menschen. Diese sozialen Erfahrungen gehen oftmals verloren. Wir wissen doch mittlerweile alle, wie es sich anfühlt, den ganzen Tag in Videokonferenzen zu hängen. Den Lehrerinnen und Lehrern wird es erschwert, einen Eindruck von den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen zu bekommen, weil der unmittelbare Kontakt fehlt. Ihre Wahrnehmung ist auf das Sichtfeld eines Computerbildschirms begrenzt. Auch kann ich durch diesen nicht hindurch steigen, wenn ich dem Kind etwas anschaulich erklären möchte. Allein diese Schilderung zeigt, Lernen in digitalen Formaten ist nicht mit einer 1:1 Übertragung des Unterrichts ins Kinderzimmer getan.

Der international anerkannte Bildungsexperte Stefan Hopmann schreibt dazu: „Wie viel Lernen dabei auf der Strecke bleibt, ist noch ungewiss, nicht aber, wen es trifft.“

Im Saarland ist etwa jedes fünfte Kind von Armut betroffen oder bedroht. Fast die Hälfte der Kinder in Armut leben in Wohnungen mit zu wenig Platz. Jedes vierte Kind, das berichtet die Arbeitskammer, hat kein Internet zur Verfügung und jedem siebten fehlt ein Ort zum Lernen zu Hause, Eltern können seltener die nötige Unterstützung leisten. Wir können davon ausgehen, dass diese Kinder und Jugendlichen von Schulschließungen besonders hart getroffen werden. Auch jüngere Kinder können zuhause im Vergleich zu älteren Kindern und Jugendlichen schlechter lernen. Für die Schülerinnen der Klassenstufe 1 bis 6 bieten wir daher bereits jetzt ein angepasstes pädagogisches Angebot in Präsenzform an, insbesondere für jene, bei denen keine häusliche Betreuung möglich oder kein lernförderlicher Arbeitsplatz für das „Lernen von zuhause“ vorhanden ist.

Doch nicht nur das Lernen selbst wird erschwert: In der Pandemiesituation ist auch das außerfamiliäre soziale Netz für Kinder und Jugendliche stark eingeschränkt. Auch sportliche und kulturelle Angebote für Kinder und das Vereinsleben liegen zur Zeit still. Aber gerade in der Krise wird dieses soziale Netz als Anker der Stabilität für Kinder und Jugendliche gebraucht. Kinder verbringen einen Großteil ihrer Tageszeit in Schulen und Bildungseinrichtungen. Hier pflegen sie wichtige Kontakte zu Gleichaltrigen. Insbesondere kleine Kinder sind für ihre Entwicklung auf regelmäßige soziale Kontakte mit Gleichaltrigen angewiesen.

Kitas und Schulen erfüllen viele weitere wichtige Funktionen etwa als Meldestellen für Verdachtsfälle häuslicher Gewalt. Es fehlt der Kontakt zu Freunden. Auch im Umgang mit dem Verlust der Tagesstruktur, zunehmender Orientierungslosigkeit und den mit der Pandemie verbundenen Ängsten sind die Familien derzeit weitgehend auf sich gestellt. Das können auch die finanziellen Maßnahmen nicht kompensieren, die wir zur Entlastung der Familien durchaus ergriffen haben, wie die Übernahme der Elternbeiträge für Kitas und FGTS Einrichtungen und die Ausweitung des Anspruchs auf Kinderkrankengeld. Nichts davon rüstet sie mit geeigneten Antworten aus.

Und auch mich berührt es, wenn Kinder mir schreiben, was „für sie gerade nicht so toll ist“ und mich fragen: Wie geht es weiter? Wann geht die Schule wieder auf?

Obwohl ich persönlich deswegen vielen Anfeindungen ausgesetzt war, gilt für mich nach wie vor und muss für uns als politisch Verantwortliche die Maxime gelten: Wiederaufnahme des regulären Schul- und Kitabetriebs für möglichst viele Kinder und Jugendliche so früh wie möglich. Eine Abwägung ist hier nicht trivial. Das lange Ringen der Kanzlerin und der Ministerpräsidentinnen und –präsidenten um den Umgang mit den Schulen zeigt, dass es keine objektive Wahrheit, keinen Königsweg gibt, der der Pandemie und dem Bedürfnis und Wohl der Kinder gerecht wird. Doch auch die Kultusministerkonferenz war und ist sich in einem einig: Sobald es zu Lockerungen der im Dezember 2020 beschlossenen und nun bis Februar 2021 fortgeführten Maßnahmen kommt, müssen die Schulen und Kitas von Anfang an dabei sein. Das hat allerhöchste gesellschaftliche Priorität.

Wir brauchen in der Pandemie so viel Präsenzunterricht und Betreuung für so viele Schülerinnen und Schüler wie möglich –mindestens für alle, die besondere Förderung und Unterstützung brauchen oder auch vor dem Abschluss ihrer schulischen Laufbahn stehen.

Und wir brauchen eine zeitlich klare Perspektive durch die MPK:

Wie nach Mitte Februar weiter verfahren wird, ist von der Entwicklung des Infektionsgeschehens sowie der Beratungen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundeskanzlerin abhängig. Mein erklärtes Ziel ist es, so bald wie möglich mit einer Rückkehr zum Präsenzunterricht in den Klassenstufen 1-6 zu beginnen. Wie dies konkret auszusehen hat, wird sich kurzfristig entscheiden. Konzepte für unterschiedliche Szenarien (teilweise oder vollständige Präsenzbeschulung) wurden in meinem Haus bereits erarbeitet und sind jederzeit abrufbar.

Mit einer Rückkehr zum normalen Schulbetrieb haben wir unsere Pflicht und Verantwortung aber noch lange nicht erfüllt: Die Folgen des eingeschränkten Zugangs zu Kitas und Schulen für Kinder und Jugendliche werden wir noch lange an unseren Bildungseinrichtungen spüren.

Die OECD warnt sogar davor, dass sich die Lebensperspektiven für die betroffenen Schülerinnen und Schüler wirtschaftlich dauerhaft verschlechtern könnten.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Kontakteinschränkungen haben aber auch weit über die akute Pandemiesituation hinausweisende soziale, emotionale und kognitive Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche, die wir aktuell nur erahnen können.

Es häufen sich wissenschaftliche Belege, dass die negativen Folgen von selbst teilweisen Schul- und Kitaschließungen, und von der von Kindern und Jugendlichen als bedrohlich erfahrenen Situation folgenschwer sein können, wenn wir dem nicht aktiv entgegen wirken.

Bereits im ersten Lockdown meldeten die Schulleitungen eine gestiegene Zahl von Grundschulkindern, die Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Gleichzeitig beobachten wir eine erhöhte Nachfrage nach Förderschulplätzen. Das heißt wir haben mehr Kinder, die einen erhöhten Förderbedarf aufweisen. Auch das ist ein direktes Resultat der Schließungen zu Beginn der Pandemie.

Wir laufen akute Gefahr, dass sich soziale Gräben im Bildungsbereich verfestigen und vertiefen, dass die Krisenerfahrung zu einem Brennglas bestehender Bildungsungleichheiten wird oder zu weiteren Ursachen von Ungleichheit führt. Wir sehen bereits jetzt, dass die Schließungen von Schulen und Kitas und der Wechselbetrieb an Schulen zu einer größeren Leistungsspreizung geführt hat.

Diese unterschiedliche Betroffenheit müssen wir besonders in den Blick nehmen und in unserem Handeln berücksichtigen, wenn wir mittel- und langfristig ein Auseinanderdriften unserer Gesellschaft, schlechtere Lebensperspektiven für ohnehin bereits benachteiligte Kinder und Jugendliche und die Zunahme sozialer Verwerfungen vermeiden wollen.

Das betrifft zunächst offensichtlich Lerndefizite und Lücken, die geschlossen werden müssen.

Das betrifft aber auch emotionale Lasten, die die Kinder nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebes in ihren individuell bepackten Rucksäcken mit in die Schulen bringen. Die saarländische Psychologin Prof. Dr. Tanja Michael berichtete vorgestern, dass man davon ausgehen kann, dass ein Drittel der Kinder in Deutschland bereits massive psychologische Probleme hat. Ein weiteres Drittel ist davon bedroht. Auch Eltern melden uns, dass Kinder an dem Entzug sozialer Kontakte erkranken.

Viele Anker jugendlichen Lebens galten in einem Kampf gegen die Pandemie als verzichtbar – andere, und darunter auch Schule – sogar als gefährlich. Eine schlimme Vorstellung –  Schule und Kita als gefährliche Orte. Dabei lassen sich Schulen und Kitas sehr wohl so gestalten, dass die Gesundheit aller geschützt ist. Wir unterstützen zum Beispiel Kita-Träger mit mehreren Millionen Euro, damit sie vor Ort in den Gesundheitsschutz investieren können. Die Mittel stehen bereit, aber die Träger selbst rufen diese Mittel zu wenig ab. Stattdessen wird die Verantwortung den Kleinsten der Kleinen aufgebürdet. Auch bietet das Land allen Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften kostenlose Testungen an, auch hier sind noch viele Kapazitäten frei – ich kann nur allen empfehlen: Nutzen Sie dieses Angebot, in Ihrem eigenen Interesse. 

Erwachsene, die die Angstdebatte um Infektionen in der Schule schüren, tragen damit auch ganz direkt zu den emotional und sozial verheerenden Folgen auf Kinder bei, weil sie damit Kindern unlösbare Schuldgefühle aufbürden und an ihrem Vertrauen an Schule und Kita als Zufluchtsort rütteln. Auch vor diesem Hintergrund sollten wir auf gar keinen Fall Kinder und Jugendliche auf unsicherer Grundlage zu „Superspreadern“ erklären. Im Gegenteil: Gesunde Kinder erkranken seltener als Erwachsene, haben leichte oder keine Symptome, übertragen seltener und werden meist durch Erwachsene angesteckt.

Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben nur einen Anteil von 10% am aktuellen Infektionsgeschehen, machen aber fast 16% der Bevölkerung aus. Das beobachten wir nicht nur wir, das beobachtet auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte im Saarland so. Je jünger Kinder sind, desto geringer ist ihr Anteil am Infektionsgeschehen. Aktuell sind 7 Kitas teilweise, 2 Kitas vollständig geschlossen. In 6 dieser 9 Fälle sind die positiven Corona-Tests von Beschäftigten Auslöser der Quarantäne-Anordnungen.

Vorsicht ist in der aktuellen Situation auch angesichts neu auftretender Virusmutationen allemal geboten. Es gibt aber keinen Grund in Panik zu verfallen und Kinder und Jugendliche als Pandemietreiber abzustempeln. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene - zwei wichtige Fachgesellschaften - betonen in ihrer aktuellen Stellungnahme: Befürchtungen,  dass  diese  Mutationen  gehäuft  bei  Kindern  und 
Jugendlichen  auftreten, haben sich bisher nicht bestätigt.

Auch diese Ängste müssen im Nachgang mit den Kindern gründlich aufgearbeitet werden. Kinder dürfen keine Schuldgefühle haben, wenn sie das schlichte menschliche Bedürfnis nach Kontakten zu Gleichaltrigen einfordern.

Schule und Jugendhilfe sind dann gleichermaßen gefragt, junge Menschen bei der Verarbeitung all dieser Erfahrungen zu begleiten. Mir ist es ungemein wichtig, über die individuelle Förderung bei den Lerndefiziten hinaus weitergehende (sozial-)pädagogische Unterstützungsangebote vorzuhalten.

Wir brauchen eine langfristige Strategie, um diese negativen Folgen soweit wie möglich einzudämmen. Der Start muss unmittelbar nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht erfolgen. Die Schule wird dann nicht mehr dieselbe sein.

Wir haben einen breiten Fächer an Maßnahmen entwickelt. Ich will auf die zentralen Ideen eingehen:

1) Kinder müssen mit zusätzlichen Förderangeboten individuell bei der Rückkehr in den Alltag unterstützt werden. 

1.1. Wir setzen auf Multiprofessionalität. Schulen arbeiten bereits jetzt zunehmend multiprofessionell, d.h. Lehrkräfte unterstützen gemeinsam mit Schulsozialarbeiter*innen die Schüler*innen und Schüler. Was für die Schulen gilt, muss auch für die Kitas gelten. Erzieher*innen leisten aktuell hervorragende Arbeit. Dabei dürfen wir sie nicht alleine lassen. In Schule und Kitas werden wir weitere Fachkräfte aus unterschiedlichen Professionen brauchen und einsetzen.  

1.2. Wir werden die Schulen darin unterstützen, Lernwerkstätten anzubieten, in denen die Kinder gezielt Lernaufgaben erhalten und ihre individuellen Rückstände aufarbeiten können.

1.3. Schulen müssen zur individuellen Förderung auch die Freiräume nutzen, die ihnen bereits zur Verfügung stehen. Zum Beispiel bietet die aktuelle Rechtslage die Möglichkeit, schulspezifisch Schwerpunkte auf ausgewählte Fächer zu legen. Auch die ersten beiden Grundschuljahre können im Grunde flexibel durchlaufen werden.

1.4 Wo Bedarf besteht, sollen Schulen bei der Durchführung einer Ferienschule unterstützt werden. Für die individuelle Förderung sollen auch Studierende eingesetzt werden können. Ein solches Lernangebot könnte insbesondere die Bereiche Sprachen, Lesen und Mathematik umfassen.

 

2) Schulen brauchen mehr strukturelle Unterstützung bei der Schulentwicklung. Ich sagte bereits: Schule wird nicht mehr die selbe sein.

2.1. Hierzu müssen wir Schulen weiter stärken. Die Erfahrung zeigt, dass die Herausforderungen an Schülerinnen und Schülern an bestimmten Standorten besonders hoch sind. Deshalb fördern wir seit dem Schuljahr 2017/18 18 Schulen in herausfordernder Lage im Rahmen des Projektes „Schulen stark machen“. Im aktuellen Schuljahr wird das Netzwerk um 6 weitere Schulen erweitert.

2.2. Bei der Unterstützung der Schulen wird das LPM individuell mithelfen: Das LPM konzipiert einen Werkzeugkoffer für Lehrkräfte, der sie dabei unterstützen soll, die während der Pandemie entstandenen Lernrückstände bei Schülerinnen und Schülern zu erkennen und abzubauen.

2.3 Schulen stark machen bedeutet auch, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Elternhäusern weiter zu festigen.  Elternvertretungen fordern sich das auch zu Recht ein. Die Erfahrungen des Lernens von zuhause zeigen, wie wichtig ein solches regelmäßiges Feedback seitens der Elternhäuser ist. Diese Möglichkeit soll in Zukunft ein wesentliches Element der Qualitätsentwicklung im Saarland werden.

 

Klar ist, dass die Folgen der Pandemie und die Umsetzung dieser langfristigen Strategie zu ihrer Bewältigung uns allen einiges an Ressourcen und Kraftanstrengungen abverlangen werden, auch wenn die Pandemie offiziell beendet ist.

Daher abschließend noch einmal meine eindringliche Bitte: Unsere Kinder konnten von Beginn der Pandemie an ihre Interessen am wenigsten lautstark und medial gestützt vertreten. Kinder hatten in dieser Pandemie keine starke Lobby. Es ist unsere Aufgabe als Landespolitik, diese Lobby zu ersetzen und die Zukunftsperspektiven dieser jungen Menschen sicherzustellen. Dafür kämpfe ich mit all meiner Kraft.

Glück auf.  

Kontakt

Lukas Münninghoff
Referatsleiter M1 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Trierer Straße 33
66111 Saarbrücken

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