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Kinderschutz

"Schule gegen sexuelle Gewalt" im Saarland. Eine Initiative für den verbesserten Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt

"Im Rahmen ihres Unterrichts- und Erziehungsauftrages trägt die Schule in Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht für den Schutz der Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung sowie leiblicher, geistiger oder sittlicher Verwahrlosung Sorge." (§1 Abs. 2b Schulordnungsgesetz)

Foto: Uta Thien-Seitz  / pixelio.de
Foto: Uta Thien-Seitz / pixelio.de

Bundesweit erleiden jedes Jahr tausende Schülerinnen und Schüler sexualisierte Gewalt – zumeist in der eigenen Familie, im sozialen Umfeld, aber auch in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und zunehmend auch durch die digitalen Medien. Die betroffenen Mädchen und Jungen sind auf kompetente Ansprechpersonen angewiesen, die ihre Signale erkennen und wissen, was sie im Verdachtsfall zu tun haben. Da wir nur in der Schule nahezu alle Kinder und Jugendlichen erreichen können, ist die Schule für den Kinderschutz ein bedeutender Ort.  Bei vielen Menschen bestehen jedoch große Unsicherheiten im Umgang mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Lehrkräfte sind  wichtige Schlüsselpersönlichkeiten, um Mädchen und Jungen besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Mit einem passgenauen Schutzkonzept wird die Schule zu einem geschützteren Ort an dem betroffene Kinder und Jugendliche ein vertrauensvolles Gegenüber finden. Natürlich fangen die Schulen dabei nicht bei „null“ an. Viele Aspekte eines Schutzkonzeptes werden bereits heute im schulischen Alltag umgesetzt. Dazu gehört beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern, der Schulsozialarbeit und dem Schulpsychologischen Dienst sowie mit den Beratungs- und Fachstellen wie z.B. Nele, PHOENIX, pro familia oder SOS-Kinderschutz bei Maßnahmen der Prävention und auch der Intervention.

Lehrkräfte sollen keinesfalls dazu angehalten werden, gezielt nach einschlägigen und letztlich fast immer mehrdeutigen Indizien für einen sexuellen Übergriff/Missbrauch zu suchen oder im Verdachtsfall eigene Ermittlungen anzustellen. Dennoch sind sie gefordert, nicht die Augen zu verschließen vor dem Leid und den Problemen der betroffenen Kinder. Insbesondere die von den Schülerinnen und Schülern als Vertrauenspersonen gewählten Verbindungslehrkräfte genießen hohes Vertrauen und stehen betroffenen Kindern als Ansprechpartner/-in auch für Fragen des sexuellen Missbrauchs zur Verfügung. Selbstverständlich können sich Kinder und Jugendliche alternativ an alle Personen ihres persönlichen Vertrauens wenden. Dazu gehören die Klassenlehrkräfte und vor allem auch die Schoolworkerinnen und Schoolworker bzw. die Schulsozialarbeiter/-innen. Mit ihnen werden häufig auch solche Themen erörtert, über die Betroffene sonst eher nicht offen reden.

 

Start von ,,Schule gegen sexuelle Gewalt" im Saarland – eine Initiative für den verbesserten Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt am 24.Januar 2019

Start von ,,Schule gegen sexuelle Gewalt" im Saarland – eine Initiative für den verbesserten Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt am 24.Januar 2019

Im Saarland wird die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ am 24. Januar 2019 durch Minister Ulrich Commerçon und den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes Wilhelm Rörig, offiziell gestartet. Die Initiative will für die Entwicklung von passgenauen Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt werben. Viele der Bestandteile eines solchen Schutzkonzeptes werden bereits heute im schulischen Alltag umgesetzt.

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Logo Weißes X mit Schriftzug "Kein Raum für Missbrauch"

Sexualisierte Gewalt erzeugt bei allen Betroffenen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, ein überwältigendes Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit. Die mit zum Teil extremen Druckmitteln erzwungene Geheimhaltung verurteilt zur Sprachlosigkeit, so dass es oftmals ein langer Weg ist, bis es den Betroffenen gelingt, sich jemandem anzuvertrauen. Obwohl insbesondere in diesen Wochen immer wieder Fälle ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, bleibt die Dunkelziffer sehr groß. Noch immer sehen viele Menschen weg oder wissen nicht, wie sie bei einem Verdacht reagieren sollen. Betroffene Mädchen und Jungen brauchen jedoch erwachsene Bezugspersonen, die ausreichend informiert und handlungsfähig sind, damit die Opfer vor weiterem Missbrauch geschützt werden und Hilfe erfahren können.

Ausführliche Informationen zur Thematik bietet die Website des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM). Sie bildet das zentrale Informationsportal für das Themenfeld des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Das Portal gibt Einblick in die Arbeit des UBSKM, dokumentiert Aktivitäten sowie Entwicklungen und bietet zahlreiche Informationen und Hilfestellungen für Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Interessierte.

Auf dem Portal der Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt"  finden Schulen Informationen und Hilfestellungen, um Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt zu erarbeiten.


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Schutzkonzept "Schule gegen sexuelle Gewalt"

Junge mit Schild "Kinder brauchen Schutz"

In einem passgenauen Schutzkonzept legt eine Schule beispielsweise systematisch fest, wie im Verdachtsfall oder im konkreten Fall gehandelt werden muss (Interventionsplan). Sie legt aber auch fest, welche Maßnahmen zur Prävention von sexualisierter Gewalt sie etablieren will. Es gibt verbindliche Verhaltensvereinbarungen im Kollegium, es gibt Ansprechpersonen und Beschwerdestrukturen. Verankert ist das alles im Leitbild der Schule oder in ihrem Schulprofil, um so der Öffentlichkeit gegenüber  deutlich zu machen, dass die Schule sich ihrer Verantwortung bewusst ist und diese kompetent wahrnimmt.

Ein Plan für das Vorgehen in einem Verdachtsfall von sexueller Gewalt bietet allen schulischen Beschäftigten die erforderliche Orientierung und Sicherheit. Er enthält auch ein Rehabilitationsverfahren für den Fall eines unbegründeten Verdachts. 

Die Unterstützung durch externe Fachleute ist im Verdachtsfall sowie bei der Entwicklung eines Schutzkonzepts unentbehrlich.

Bei der Erarbeitung eines Schutzkonzeptes sind folgende wichtige Aspekte zu beachten:

  1. Leitbild: Verankerung des Ziels, Schülerinnen und Schüler vor sexualisierter Gewalt zu schützen im Leitbild der Schule oder im Schulprogramm
  2. Interventionsplan: Festlegung der Vorgehensweise bei einem Verdachtsfall von sexualisierter Gewalt
  3. Kooperation: Unterstützung und Beratung z.B. durch Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Insoweit erfahrende Fachkräfte (INSOFA), Schulpsychologischen Dienst  und Beratungsstellen
  4. Personalverantwortung: Sensibilisierung für die Übernahme von Verantwortung und die Vertretung klarer Standpunkte
  5. Fortbildung: Vermittlung von Wissen und Sensibilisierung für den Kinderschutz
  6. Kodex: Festlegung von Verhaltensvereinbarungen im Kollegium
  7. Partizipation: Stärkung der schulischen Mitbestimmung und des Zugangs zu Kinderrechten
  8. Prävention: Nutzung von Präventionsmaßnahmen und präventive Erziehung im Schulalltag
  9. Ansprechstellen und Beschwerdestrukturen: Z.B. Vertrauenslehrkräfte, Schoolworker/-innen, "Kummerkasten", Sorgentelefon

Ein standardisiertes Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt gibt es nicht. Jede Schule muss ihren eigenen Weg zu ihrem schulischen Schutzkonzept planen und gehen – unter Berücksichtigung der jeweiligen Bedingungen vor Ort.


Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, kurz UN-Kinderrechtskonvention (Convention on the Rights of the Child, CRC), wurde am 20. November 1989 von der UN-Generalversammlung angenommen. Es besteht aus insgesamt 54 Artikeln und basiert auf vier Grundprinzipien: dem Diskriminierungsverbot, dem Recht auf Leben und persönliche Entwicklung, dem Beteiligungsrecht und dem Kindeswohlvorrang. In der Bundesrepublik Deutschland gilt die Kinderrechtskonvention seit dem 5. April 1992. Seither wird darüber diskutiert, Kinderrechte ausdrücklich im Grundgesetz zu verankern. Der aktuelle Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht eine solche Grundgesetzänderung vor.

Das Saarland hat im September 2007 Kinderrechte in die Verfassung des Saarlandes aufgenommen (Artikel 24 a und 25), um die Position der Schwächsten in unserer Gesellschaft zu stärken und Kindern eine gewaltfreie Kindheit und Jugend zu gewährleisten.

Im Anschluss hieran wurde die Verfassungsänderung im Schulbereich nachvollzogen. Der Schutzauftrag wird seither in § 1 Absatz 2 b Schulordnungsgesetz (SchoG) zentral formuliert. Demnach trägt die Schule im Rahmen ihres Unterrichts- und Erziehungsauftrages in Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht für den Schutz der Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung sowie leiblicher, geistiger oder sittlicher Verwahrlosung Sorge. In den § 20 a Absatz 3 Satz 2, § 21 Absatz 5, § 28 Absatz 4 des Schulordnungsgesetzes wird dieser Schutzauftrag im Hinblick auf Schulleitung, Lehrkräfte und Schulpsychologischen Dienst konkretisiert.

Nach In-Kraft-Treten des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) wurde das saarländische Schulordnungsgesetz an die bundesgesetzliche Regelung angepasst (Gesetz vom 17.06.2015; Amtsbl. I S. 446).


Allgemeine Prävention - Kinder stark machen

Prävention sexualisierter Gewalt hat das Ziel, Kinder und Jugendliche stark zu machen, indem sie zur Entwicklung einer selbstbewussten und selbständigen Persönlichkeit beitragen.

Folgende Angebote sind Beispiele für eine Allgemeine Prävention zur Stärkung der Persönlichkeit (sog. Lifeskills-Programme)

  • Kindergarten: „Freunde“ (Rotary-Clubs), „Kindergarten plus“
  • Grundschule: "Klasse2000"
  • Sek. I: „Erwachsen werden“ (Lions Quest)
  • Erlebnispädagogik (wir im Verein mit dir e.V., Landesinstitut für Präventives Handeln)

Sexualerziehung leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Selbstbestimmung und Lebenskompetenz bei jungen Menschen zu entwickeln. Sie soll über nicht tolerierbares beziehungsweise strafrechtlich relevantes Verhalten wie sexuellen Missbrauch und sexualisierte Gewalt aufklären und dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche nicht nur das erforderliche Wissen erwerben, sondern auch das notwendige Selbstbewusstsein entwickeln, um sich Hilfe und Beratung zu holen und um sich Vertrauenspersonen zu offenbaren. Dies ist insbesondere auch bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung anzustreben, da der Grad ihrer Beeinflussbarkeit und der damit verbundenen Gefährdung ungleich höher ist.

Die Lehrpläne unterschiedlicher Fächer bieten entsprechende Anknüpfungspunkte, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen:

  • Grundschule:  Lehrplanentwurf Sachunterricht 3/4, Thema Sexualerziehung: Verhaltensempfehlungen in Risikosituationen
  • Gemeinschaftsschule
    - Lehrplan Naturwissenschaften, Klassenstufen 5 und 6, Erprobungsphase 2014, Themenfeld „Erwachsen werden“, Inhalt: Sexueller Missbrauch/sexuelle Gewalt
    - Lehrplan Biologie, Klassenstufen 9 und 10, Erprobungsphase 2016, Themenfeld „Erwachsen werden II“, Inhalt: Missbrauch
  • Gymnasium
    - Biologie, Gymnasium, Klassenstufe 5, Bau und Leistungen des menschlichen Organismus I: Missbrauch von Sexualität
    - Biologie, Gymnasium, Klassenstufe 6, Bau und Leistungen des menschlichen Organismus II: Missbrauch von Sexualität

Schulische Präventionsmaßnahmen werden unterstützt durch Angebote von Ausstellungen und Theaterstücken, die Schülerinnen und Schüler interaktiv ansprechen:

  • „Echt Klasse“ (PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH, Kiel)
    Die Ausstellung, die Grundschulen im Saarland bei Nele abrufen können, bietet Mädchen und Jungen im Grundschulalter einen Erlebnisrahmen, in dem sie sich spielerisch und handlungsorientiert mit den Präventionsprinzipien auseinandersetzen können.
  • Theateraufführung „Ganz schön blöd“ für Grundschulen im Saarland“. Das Theaterstück, das den Schulen durch Nele angeboten wird, will Kindern Mut machen sich gegen Angstmache, Erpressung und sexuelle Belästigung zu wehren und sich Hilfe zu holen.
  • Der interaktive Präventionsparcours  "Echt krass"  (PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH, Kiel)  will eine Stärkung der sozialen Kompetenz und eine Sensibilisierung der Jugendlichen erreichen und vermittelt Handlungsalternativen und Auswege aus der sexualisierten Gewalt.

Intervention bei Kindeswohgefährdung

Laut Schulordnungsgesetz

  • trägt die Schule im Rahmen ihres Unterrichts- und Erziehungsauftrages und in Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht für den Schutz der Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung sowie leiblicher, geistiger oder sittlicher Verwahrlosung Sorge,

  • ist der Schulpsychologische Dienst ist bei der Klärung von Sachverhalten in Zusammenhang mit Gefährdungen des Kinderwohls  einzubinden,

  • findet § 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz Anwendung wenn die Schulleiterin oder der Schulleiter davon Kenntnis erhält, dass gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des leiblichen, geistigen oder seelischen Wohls einer Schülerin oder eines Schülers bestehen

Ausführliche Leitfäden sowie Empfehlungen zur Vorgehensweise stehen zum Download zur Verfügung.

Anzeigepflicht

Eine generelle Anzeigepflicht bei sexuellem Missbrauch besteht in Deutschland nicht. Dies wird damit begründet, dass es den Opfern weiterhin möglich sein muss, sich jemandem anzuvertrauen — ohne dass zwangsläufig Anzeige erstattet und ein Strafverfahren eingeleitet wird. Andererseits wird das Verhalten von Institutionen kritisiert, dass diese die Erstattung von Strafanzeigen bei Missbrauchsverdacht unterlassen hätten, um Missbrauchsfälle in ihren Reihen zu vertuschen.

Damit daraus keine Vertuschung abgeleitet wird, gibt es inzwischen unabhängige Stellen, bei denen im Kinder- und Jugendbereich arbeitende Institutionen den Verdacht bis zur Kenntnis von sexueller Gewalt melden müssen. Für die Schule ist diese Stelle die Schulaufsicht.

Zudem gibt es die „Leitlinien zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden"wobei dort deutlich hingewiesen wird, dass das Kindswohl nicht gefährdet sein darf. Daraus ergibt sich sinnvoller Weise die Einbeziehung einer Fachstelle gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und deren Insofern erfahrenen Fachkraft (INSOFA).


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Fortbildung und Information

Informationen

  • Aufklärungs- und Informationsmaterialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  • In der Bibliothek des LPM können Medienpakete zum Thema ausgeliehen werden.
  • Eine Informationsbroschüre "Prävention gegen sexuelle Gewalt" kann beim Familienministerium bezogen werden.
  • Kooperationsleitfaden für Jugendhilfe und Schule zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung.1. überarbeitete Auflage nach dem Schulordnungsgesetz 2015 (Regionalverband Saarbrücken
  • Kooperationsleitfaden für Jugendhilfe und Schule zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung, Landkreis Neunkirchen

Fortbildung

Das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) wird sein bisheriges Fortbildungsangebot zur Thematik ab dem Frühjahr 2019 noch erweitern und in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium und der Beratungsstelle SOS-Kinderschutz zusätzlich ein zusätzliches Format mit dem Schwerpunkt „Schutzkonzepte“ anbieten.

Workshop 1 (ganztägige Veranstaltung)

  • „Kinderschutz“: Rechtliche Grundlagen und Interventionsplan, sexualisierte Gewalt als Gefährdung des Kindeswohls
  • „Schutzkonzept“: Definition und Bedeutung, Verantwortung, Aspekte eines wirksamen Schutzkonzepts, Vorgehensweise bei der Entwicklung

Im Workshop werden Schwerpunktthemen für den vertiefenden Workshop 2 vereinbart.

Workshop 2 (Nachmittagsveranstaltung)

  • Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
  • Risikoanalyse: Strukturen, Situationen oder Routinen, die besondere Risiken bergen
  • Potenzialanalyse: Keine Schule fängt bei „null“ an. Schon eingeführte präventive Strukturen
  • Intervention: (Weiter)Entwicklung verbindlicher Verfahren für den Umgang mit vermuteten oder erwiesenen Fällen sexueller Grenzverletzungen innerhalb und außerhalb der Institution
  • Prävention: Angebote für Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern, Verhaltenskodex und Leitbild der Schule
  • Kinderrechte: Beteiligung und Beschwerdestrukturen
  • Kooperation: Fortbildung und Beratungsstrukturen

Im Workshop wird mit Erfahrungsberichten und Fallbeispielen aus den Schulen, gearbeitet.

Zusatzoption:

Pädagogischer Tag zur bedarfsimplementierten Umsetzung am Schulstandort.

Leitung:

  • Dr. Bildung Spengler, Bildungs- und Chancengleichheit, LPM

  • Hilla Hassdenteufel, Prävention, LPM

Termine:

Staffel 1:  15.03.2019, 8:30 Uhr - 15:30 Uhr und 13.05.2019, 14:30 Uhr- 18:00 Uhr

Staffel 2:  13.09.2019, 8:30 Uhr - 15:30 Uhr und  4.11.2019, 14:30 - 18:00 Uhr

Staffel 3:  3.04.2020, 8:30 Uhr bis 15:30 Uhr und  29.05.2019, 14:30 Uhr - 18:00 Uhr  

Teilnehmer/-innen: Vertreter/-innen aller Schulformen, die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Referentin: Petra Ludt-Vogelgesang, Beratungszentrum Kinderschutz SOS Kinderdorf Saarbrücken

Ort: Landesinstitut für Pädagogik und Medien, Beethovenstraße 26, 66125 Saarbrücken


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Hilfe und Beratung

Seit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) haben die Lehrkräfte und damit auch die Schulleitung zur Einschätzung der Kindeswohlgefährdung gegenüber dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe Anspruch auf Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft (sog. INSOFA).

Vor allem beim Verdacht auf sexuelle Gewalt bzw. sexuelle Übergriffe wird die INSOFA von Schulen in der Regel einbezogen. Zu den Institutionen, die dabei von den Schulen angefragt werden können, gehörten

  • NELE gegen sexuelle Ausbeutung von Mädchen,
  • PHOENIX gegen sexuelle Ausbeutung von Jungen,
  • SOS – Kinderschutz und Beratung Saar, sowie
  • NEUE WEGE, eine Beratungsstelle zur Rückfallvorbeugung sexuell übergriffiger Minderjähriger.

Die Beratung und Unterstützung dieser Anlaufstellen ist für Ratsuchende aus dem ganzen Saarland kostenlos und kann auf Wunsch auch anonym in Anspruch genommen werden.

Ansprechpersonen für die Beratung im Verdachtsfall oder bei konkreten Vorfällen sind natürlich auch die Schulsozialarbeiter/-innen bzw. die Schoolworker/-innen in der Schule sowie der zuständige Schulpsychologische Dienst.


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Das Bundeskinderschutzgesetz

Das Bundeskinderschutzgesetz regelt den umfassenden, aktiven Kinderschutz in Deutschland. Es basiert auf den beiden Säulen Prävention und Intervention. Ziel des Gesetzes ist es, das Wohl von Kindern und Jugendlichen zu schützen und ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung zu fördern. Zentrale Grundlagen sind u.a. die Ergebnisse aus der Arbeit der Runden Tische "Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" und "Sexueller Kindesmissbrauch".
 
Wesentliche Regelungen mit Bezug zu Schulen, die auch in den Leitfäden und Empfehlungen berücksichtigt sind:
  • Wer eine hauptamtliche Tätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe aufnehmen möchte, ist verpflichtet ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Durch das Bundeskinderschutzgesetz wurde diese Verpflichtung auch auf die ehren- und nebenamtlich Tätigen ausgeweitet. Dies gilt auch für die Schule.
  • Werden Lehrerinnen oder Lehrern an öffentlichen und an staatlich anerkannten privaten Schulen in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen bekannt, so sollen sie mit dem Kind oder Jugendlichen und den Personensorgeberechtigten die Situation erörtern und, soweit erforderlich, bei den Personensorgeberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.
  • Zur Einschätzung der Kindeswohlgefährdung besteht gegenüber dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe ein Anspruch auf Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft. Sie sind zu diesem Zweck befugt, dieser Person die dafür erforderlichen Daten zu übermitteln; vor einer Übermittlung der Daten sind diese zu pseudonymisieren.
  • Scheidet eine Abwendung der Gefährdung  aus oder ist erfolglos und wird ein Tätigwerden des Jugendamtes für erforderlich gehalten, um eine Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen abzuwenden, so sind Lehrkräfte befugt, das Jugendamt zu informieren; hierauf sind die Betroffenen bzw. die Eltern vorab hinzuweisen, es sei denn, dass damit der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen in Frage gestellt wird. Zu diesem Zweck sind die Lehrkräfte befugt, dem Jugendamt die erforderlichen Daten mitzuteilen.

Kein Raum für Missbrauch - Schule gegen sexuelle Gewalt

Banner des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Initiative Kein Raum für Missbrauch

Johannes Wilhelm Rörig: "Mit der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ möchten wir Schulleitungen und Kollegien ermutigen und fachlich unterstützen, sich mit dem komplexen und sehr emotionalen Thema sexueller Kindesmissbrauch professionell auseinanderzusetzen. Unser Ziel ist es, dass alle Schulen Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt (weiter-)entwickeln, damit Kinderschutz im Schulalltag selbstverständlich wird. Nur durch das Engagement jeder Schule kann es schrittweise zu einem Rückgang der unverändert hohen Fallzahlen kommen. Schulen können Kinder und Jugendliche wirkungsvoll schützen und ihnen helfen, unabhängig davon, ob sie sexuelle Gewalt in der Familie, in der Schule, in der Freizeit oder über das Internet erleiden."

Sexualerziehung als Beitrag zur Prävention sexualisierter Gewalt

Titelbild der Broschüre "Richtlinien zur Sexualerziehung an den Schulen des Saarlandes"

Die Richtlinien leisten einen wichtigen Beitrag dazu, Selbstbestimmung und Lebenskompetenz bei jungen Menschen zu entwickeln. Sie sollen über nicht tolerierbares beziehungsweise strafrechtlich relevantes Verhalten wie sexualisierte Gewalt aufklären und dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche das notwendige Selbstbewusstsein entwickeln, um sich Hilfe zu holen und sich Vertrauenspersonen zu offenbaren. Dies ist insbesondere auch bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung anzustreben, da der Grad ihrer Beeinflussbarkeit und der damit verbundenen Gefährdung ungleich höher ist. Es sollte jedoch  darauf geachtet werden, dass sowohl zeitlich als auch inhaltlich Sexualkundeunterricht strikt von dem Thema „Sexuelle Gewalt" getrennt wird.

Kontakt

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