Saarland.de - Startseite
   Benutzerhinweise    Inhalt    Suche
Denkmalpflege
 

ANNA LEONIE

Das letzte Treidelschiff der Saar

Als Zeitzeugnis der Flussschifffahrt auf der Saar symbolisiert die „Anna Leonie“ eine Epoche, in der das Transportwesen zu Wasser zu allen Industriestandorten, die mit dem System Saarkohle zusammenhingen, von überlebensnotwendiger Bedeutung war.
Die seit 1863 bis Saarbrücken und wenige Jahre später bis Ensdorf kanalisierte Saar beheimatete als Wasserstraße bis etwa 1970 unzählige Lastkähne, sogenannte „Penischen“, die erst aus Holz später aus Stahl gefertigt waren. Zunächst unmotorisiert wurden die Schiffe mittels einer Leine von Pferden, etwa ab 1939auch von Traktoren, auf dem „Leinpfad“ flussauf und -ab gezogen, in der Schiffersprache „getreidelt“. Neben Kohle und Eisen transportierten die Schiffe aber auch Kalk, Zucker, Kreide, Kies und Getreide. Stets unterwegs auf dem Fluss und auf dem „Leinpfad“ bzw. „Treidelweg“ entwickelte sich die – heute fast versunkene – Lebenswelt der Treidelschiffer auf der Saar.
Eine Kultur der Menschen, denen das Schiff und der Fluss Lebensunterhalt und Heimat zugleich waren.


Treidelzug mit Pferd bei Güdingen um 1920
Treidelzug mit Pferd bei Güdingen um 1920
Am Staden Treidelzug mit Traktor
Am Staden Treidelzug mit Traktor
Anna und ihre Schwester Leonie
Anna und ihre Schwester Leonie

Eine dieser Saarschifferfamilien, die Familie Kind – Johann Kind und seine Ehefrau Eugenie, eine Französin, mit den 14 Kindern – gab 1925 der Werft der Gebrüder Schäfer in Völklingen/Luisenthal den Auftrag für ein Schleppschiff, das stolz den Namen der beiden jüngsten Töchter Anna und Leonie tragen sollte. Ernst Kind, Sohn der Familie, übernahm das Schiff Anfang der 40er Jahre und lebte bis zu seinem Tod 1987 auf der Anna Leonie. Allem technischen Fortschritt zum Trotz verzichtete er auf die Motorisierung seines Schiffes. Daher blieb das Treidelschiff nahezu unverändert seiner Nachwelt erhalten.


Auf der Werft | Sanierungsbeginn 2007
Auf der Werft | Sanierungsbeginn 2007

Es sollte über 20 Jahre dauern, die „Anna Leonie“ kurz vor ihrem sicheren Untergang zu retten. 2006 gelang der Durchbruch, das letzte saarländische Zeugnis der Treidelschifffahrt zu erhalten und kulturell zu nutzen. Seit 2007 wird die Anna Leonie originalgetreu auf der Schiffswerft Franz Wirotius in Rilchingen-Hanweiler in der Gemeinde Kleinblittersdorf, im Regionalverband Saarbrücken, instand gesetzt. Als Erinnerungsort und Botschafterin wird die Anna Leonie künftig – unter der Flagge des neuen Schiffseigners, des Fischereiverbandes Saar – unter anderem dafür werben, dass Zukunft ohne Vergangenheit nicht fortschreibbar ist!


ANNA-LEONIE 2009
ANNA-LEONIE 2009

Anna Leonie (gemäß Schiffsbrief und Eichschein)
Gedecktes Kanalschiff aus Eisen mit einem Mast und hinten einer Kajüte Baujahr 1925/26
auf der Schiffswerft Gebrüder Schäfer in Völklingen/Luisenthal
Eintragung in das Binnenschiffsregister 20. Mai 1926
Erster Eichschein 11. November 1937
Heimatort Saarbrücken, Eichzeichen SN 815 SA

Technische Daten
Länge des Schiffsrumpfes 38,76   Meter
Breite des Schiffsrumpfes 5,03   Meter
Mittlere Leertauchung 0,30   Meter
Tragfähigkeit 314,887 Tonnen
Ladefähigkeit ca. 276 Tonnen bei 1,80 Meter Tiefgang
(Zulässigkeit auf Kanälen in Frankreich)
Bemannung: 2 Personen

Bildquelle: Peter Michael Lupp, Landesarchiv Saarbrücken


Publikationen

Aktuell

Fischereiverband Saar präsentiert vom 2. Oktober bis 15. November 2009 die Ausstellung "Ozean der Zukunft" auf dem Treidelschiff Anna Leonie.

Aktuell

„ANNA LEONIE - Die Geschichte des letzten saarländischen Treidelschiffs“ – Vortragsveranstaltung am Dienstag, 6. Oktober auf dem Theaterschiff „Maria Helena“