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Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt
 

Täterarbeit

Täterarbeit bildet einen unverzichtbaren Bestandteil der Interventionskette in Fällen häuslicher Gewalt, denn die ausschließliche Bestrafung der Täter durch Geldbußen, Geldstrafen bzw. Haftstrafen führt nicht automatisch zu einer kritischen Auseinandersetzung der Täter mit ihrem Gewaltverhalten und zu dessen Beendigung.

Das Justizministerium hat daher eine Lücke im Mosaik täterbezogenerIntervention und Repression geschlossen und fördert die Einrichtung „Perspektive. Fachstelle für Täterarbeit bei gewalttätigem Verhalten im häuslichen Bereich“ im Zentrum für Prävention der AWO Saarland in der Nahestraße 19, 66113 Saarbrücken.

Das Sozialtrainingsprogramm für Partnerschaftsgewaltausübende orientiert sich an den bundesdeutschen "Standards und Empfehlungen für die Arbeit mit männlichen Tätern im Rahmen von interinstitutionellen Kooperationsbündnissen gegen Häusliche Gewalt (Täterarbeit HG)", welche von der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit erstellt wurden. Daran beteiligt waren Opferunterstützungseinrichtungen sowie die bundesdeutsche Konferenz der Landeskoordinierungsstellen, letztere vertreten durch die Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt unseres Hauses.

Danach ist Täterarbeit ein kognitiv-verhaltensorientiertes Programm, welches auf die nachhaltige Beendigung gewalttätigen Verhaltens abzielt und zu jedem Zeitpunkt dem Opferschutz verpflichtet ist.

Struktur und Inhalte der Programme sind auf die spezifischen Erscheinungsformen, Mechanismen und Ursachen häuslicher Gewalt abgestimmt und unterscheiden sich daher beispielsweise von Anti-Aggressivitäts-Trainings, die auf überwiegend jugendliche oder heranwachsende "unspezifisch" Gewalttätige abheben, also auf solche jungen Menschen, die situationsübergreifend auf Konflikte mit Gewalt reagieren.

Zielgruppe sind zunächst erwachsene männliche Täter, die gegenüber ihrer (Ex-) Partnerin gewalttätig geworden sind. Gruppenarbeit bildet einen festen Bestandteil des Angebotes, welche in begründeten Ausnahmefällen durch Einzelberatung ersetzt werden kann. Weil mittlere und schwere Partnerschaftsgewalt vergleichsweise selten von Frauen ausgeübt wird und sich entsprechend sehr wenige Täterinnen an die Beratungsstelle wenden, kann keine eigene Gruppe mit Täterinnen gebildet werden, so dass die Beratung für Frauen im Einzelsetting erfolgt.

Es wird sowohl mit sogenannten Selbstmeldern als auch mit institutionell vermittelten und insbesondere von Strafgerichten bzw. der Staatsanwaltschaft zugewiesenen Personen gearbeitet. Die Zuweisung zum Projekt Täterarbeit kann, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür vorliegen, im Wege der Verwarnung mit Strafvorbehalt gemäß §§ 59, 59a Absatz 2 Nr. 5 StGB, bei Verfahrenseinstellung nach § 153a Absatz 1 Nr. 6 StPO und als Bewährungsauflage im Wege der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde, erfolgen. Damit ist das Projekt Täterarbeit insbesondere als Alternative zu einer etwaigen Geldauflage oder Geldstrafe zu sehen.