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Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
 

Schutz vor Flutschäden – Umweltministerium und Versicherungswirtschaft informieren über Verbesserungen für Versicherungsnehmer

Pressemitteilung vom 27.09.2018 - 12:00 Uhr

Wassermassen durch Starkregen haben in diesem Sommer im Saarland enorme Schäden vor allem an Wohnhäusern verursacht. Fragen der Absicherung und Vorsorge wurden dadurch wieder in den öffentlichen Fokus gerückt. Das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz war in der Folge nicht untätig. Es wurden viele Gespräche mit Kommunen und Versicherern über Möglichkeiten der Vorsorge geführt.

„Leider ist die Hochwasservorsorge vieler Hauseigentümer erst eine Reaktion auf konkrete Katastrophen. Die Unwetter im Sommer haben uns allen wieder vor Augen geführt, dass es jeden treffen kann“, so der Minister für Umwelt und Verbraucherschutz, Reinhold Jost. Im Gegensatz zu Überschwemmungen, die infolge langer Regenperioden in Gewässernähe entstehen, könne man Überflutungen durch Starkregen kaum vorhersehen. Bei Wolkenbrüchen kann die Kanalisation die Wassermassen, die in sehr kurzer Zeit aufkommen, nicht unbegrenzt aufnehmen. Hohe Schäden an Gebäuden und Hausrat seien häufig die Folgen.

„Die aktuelle Sensibilisierung wollen wir nutzen, um mit Unterstützung aus der Versicherungswirtschaft erneut für mehr Eigenvorsorge in der Bevölkerung zu werben und zu beraten“, so Jost. Der intensive Dialog seines Hauses mit den Versicherern in den vergangenen Monaten habe sich aber auch auf die Frage konzentriert, wie die Versicherbarkeit verbessert werden könne. „Unsere Hinweise und Nachfragen haben u. a. dazu geführt, dass ein fehlender Deich im Zonierungssystem ZÜRS der Versicherer erkannt, ergänzt und die betroffene Überschwemmungsfläche korrigiert worden ist. Das hat zur Verbesserung der Gefahrenklasse für 653 Gebäude geführt. 284 Anwesen fallen nicht mehr unter die höchste Gefahrenklasse 4 und sind damit leichter versicherbar. Insgesamt dürfte die Prämienhöhe damit geringer ausfallen “, teilte der Minister mit.

Jost: „Die derzeit noch nicht versicherbaren Interessenten wollen wir aber sprichwörtlich nicht im Regen stehen lassen. Wir plädieren dafür, dass sich die Versicherungsunternehmen jeden Einzelfall genau anschauen. Wir prüfen in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, individuelle Gutachten finanziell zu fördern.“
Ein solches Gutachten könne sowohl individuelle Präventionsmaßnahmen der Hausbesitzer als auch kommunale Schutzmaßnahmen nachvollziehbar bewerten. Versicherungsschutz in hochgefährdeten Gebieten sei damit leichter zu finden, da mit dem Gutachten eine verlässliche Grundlage für eine günstigere Risikobewertung vorliege bzw. dem Betroffenen Möglichkeiten für eine verbesserte Eigenvorsorge aufgezeigt werden können.

Insgesamt hat sich die Absicherung der Wohngebäude gegen Elementargefahren im Saarland verbessert, ist aber noch nicht flächendeckend. Ende 2017 waren
25 % der Gebäude gegen Naturgefahren versichert. „Die Unwetter im Sommer 2018 haben die Menschen noch einmal sensibilisiert. Wir haben eine hohe Nachfrage an Elementarversicherungen im Bereich der Wohngebäudeversicherung verzeichnet“, so Martin Kerner, Hauptabteilungsleiter Sachversicherungen bei den SAARLAND Versicherungen. „Wichtig ist, neben dem Wohngebäude auch den eigenen Hausrat gegen Naturgefahren abzusichern. Jeder saarländische Eigenheimbesitzer sollte selbst initiativ werden und seinen Versicherungsschutz überprüfen lassen“, betont Kerner.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht vor dem Hintergrund der positiven Nachfragesituation davon aus, dass aktuell rund 27 % der Hausbesitzer im Saarland gegen Überschwemmung durch Hochwasser und Starkregen versichert sind. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren. Doch rund 200.000 Häuser im Saarland sind noch ohne ausreichenden Versicherungsschutz. „Viele ältere Verträge umfassen nur Sturm und Hagel, nicht jedoch Starkregen und Hochwasser. Dies betrifft sowohl die Wohngebäude-, als auch die Hausratversicherung. In beiden Produkten lässt sich der Versicherungsschutz aber ergänzen – auch in stark gefährdeten Lagen“, betont Oliver Hauner, Leiter Sachversicherung beim GDV. Er weist auch auf die Notwendigkeit baulicher Schutzmaßnahmen hin. „Schon mit geringem Aufwand lassen sich Lichtschächte und Kellerabgänge gegen Wassermassen schützen.

Neben den Vorsorgeaktivitäten jedes Einzelnen ist auch die Unterstützung der Kommunen unverzichtbar. Der Minister verwies auf das Pilotprojekt „Starkregenvorsorgekonzepte“, das den Städten und Gemeinden  geeignete Instrumente zur Starkregenvorsorge aufzeigen soll. Dabei werden derzeit exemplarisch drei kommunale Starkregenkonzepte in den Gemeinden Eppelborn, Sulzbach und Wadern mit unterschiedlichem Detaillierungsgrad erstellt. Im Anschluss werden die Konzepte ausgewertet und in einer vergleichenden Studie Empfehlungen für Kommunen erarbeitet. Anfang 2019 ist mit Ergebnissen zu rechnen. Das Projekt wird durch das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanziell gefördert.