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Arbeitsmarkt - Gute Arbeit im Saarland
 

Qualifizierungsprojekt in der Versorgungswirtschaft eröffnet konkrete berufliche Chancen

26.04.2019

Ein arbeitsreiches Jahr findet am Montag, 29. April, für die Teilnehmenden eines besonderen Qualifizierungsprojekts seinen erfolgreichen Abschluss: In den vergangenen zwölf Monaten haben sich geflüchtete Ingenieurinnen und Ingenieure für eine Beschäftigung im Bereich der saarländischen Versorgungswirtschaft weitergebildet. Über die Hälfte der 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfügt bereits kurz vor Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme über eine konkrete berufliche Anschlussperspektive oder sogar schon über einen Arbeitsvertrag. Im Rahmen einer öffentlichen Feierstunde im Foyer des Bildungszentrum TÜV Nord in Völklingen-Fenne werden Staatsekretär Jürgen Barke und Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, den Absolventinnen und Absolventen der Maßnahme ihre Teilnahmezertifikate überreichen.

„Wir verfolgen mit dieser Maßnahme zwei konkrete Ziele: Zum einen brauchen wir zur Deckung des Fachkräftebedarfs in der saarländischen Wirtschaft insbesondere auch Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund. Sie können ihre in der Heimat erworbenen Qualifikationen hier bei uns bestens einsetzen. Zum anderen ermöglichen wir durch die Qualifizierung berufliche und damit zugleich auch gesellschaftliche Integration. So profitieren die Geflüchteten, die Unternehmen und die saarländische Gesellschaft gleichermaßen. Eine echte Win-Win-Situation“, erklärt Jürgen Barke.

Das Qualifizierungsprojekt habe gezeigt, dass zugewanderte Menschen den Unternehmen konkrete Vorteile bringen, denn sie verfügten über eine ausgeprägte Arbeitsmotivation, eine hohe Lern- und Leistungsfähigkeit sowie über besondere interkulturelle Kompetenzen.

Zielgruppe der Qualifizierungsmaßnahme waren Arbeitsuchende mit Fluchthintergrund, die dauerhaft in Deutschland bleiben werden und die bereits aufgrund ihrer Ausbildung sowie Berufserfahrung in ihrem Heimatland eine berufliche Anerkennung in Deutschland als Ingenieurin bzw. Ingenieur erhalten haben. Neben Fachtheorie sowie berufsbezogenem Sprachunterricht erhielten die Teilnehmenden – darunter zwei Frauen – durch Praxisphasen in saarländischen Betrieben insbesondere auch einen umfassenden Einblick in konkrete betriebliche Strukturen und Abläufe.

„Die Erschließung und Förderung der Potentiale dieser geflüchteten Menschen ist auch dank der engen Zusammenarbeit zwischen Landespolitik, Wirtschaft und Arbeitsmarktakteuren gelungen“, sagt Barke weiter. So wurde das Projekt in Kooperation mit allen sechs saarländischen Jobcentern, die die Durchführung der Maßnahme finanzieren, umgesetzt und durch das saarländische Wirtschafts- und Arbeitsministerium sowie die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit koordiniert.

„Unser Ziel ist es, Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund langfristig am Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies gelingt am besten, wenn sie ihre mitgebrachten beruflichen Kompetenzen und Abschlüsse auf dem deutschen Arbeitsmarkt einbringen können. Aus diesem Grund haben wir dieses Qualifizierungsprojekt gerne mitinitiiert. Hier sind in beispielhafter Weise bereits bestehende Kompetenzen aus dem Heimatland um die Anforderungen an eine Fachkraft in der Versorgungswirtschaft ergänzt worden. Wesentlich zum Erfolg beigetragen hat die unmittelbare Zusammenarbeit aller Partner. Modellhaft war dabei auch die gemeinsame Planung und Umsetzung mit Branchenverbänden sowie Unternehmen. So konnten wir Theorie- und Praxisphasen sehr betriebsnah gestalten – mit sehr positiven Auswirkungen auf den Lern- und Integrationserfolg der geflüchteten Menschen“, so Heidrun Schulz.

Daher finanzierte das Wirtschafts- und Arbeitsministerium auch eine pädagogische Begleitung des Projekts. Damit können jetzt die Erkenntnisse der vergangenen Monate zusammengefasst werden, um diese auch auf die Entwicklung anderer Maßnahmen übertragen zu können. Besonders deutlich wurde im Projektverlauf, dass neben der hohen Bedeutung eines guten fachlichen Qualifikationsniveaus vor allem die Beherrschung der deutschen Sprache der Schlüssel für beruflichen Erfolg sowie für die gesamtgesellschaftliche Integration ist.

Durchgeführt wurde das Qualifizierungsprojekt von der TÜV Nord Bildung GmbH & Co. KG im Aus- und Weiterbildungszentrum der VSE AG in Ensdorf. Neben einer individuellen Einstiegsphase und berufsbezogenem Sprachunterricht gehören auch eine 16-wöchige Qualifizierungsphase und ein 20-wöchiges betriebliches Praktikum in einem saarländischen Unternehmen der Versorgungswirtschaft zur Projektkonzeption.

Geschäftsbereichsleiter der TÜV Nord Bildung gGmbH Harry Laufer: „Das Projekt war für uns eine große Herausforderung. Durch die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten ist es uns gelungen, die Projektteilnehmer in saarländischen Unternehmen zu etablieren. Wir hatten alle gemeinsam den Mut, mit diesem Pilotprojekt ein Zeichen zu setzen. Ich glaube, diese Idee und dieser Geist sind übertragbar.“ Henning Romund, Teamleiter Berufsausbildung beim TÜV Nord, ergänzt: „Wenn alle Zahnräder ineinandergreifen, wird der Erfolg von Arbeitsmarktpolitik erlebbar.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten zudem eine IHK-Zertifikatsprüfung im Bereich des Projektmanagements ablegen. Die Maßnahme wurde aus Mitteln der Jobcenter für Leistungen zur Eingliederung in Arbeit finanziert und darüber hinaus durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr aus Landesmitteln gefördert mit einer pädagogischen Projektbegleitung. Nur zwei Teilnehmende haben das Projekt vorzeitig aufgrund einer Arbeitsaufnahme bzw. aus persönlichen Gründen beendet.