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Sprachenkonzept

Sprachliche Bildung ist die Basis für soziale, kulturelle und berufliche Handlungsfähigkeit. Um das Sprachenlernen im Saarland gezielt und effektiv modernisieren zu können, wurde zum ersten Mal eine detaillierte Bestandsaufnahme des gesamten sprachlichen Lernens im saarländischen Bildungsbereich angefertigt und im Dezember 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf der Grundlage des Sprachenkonzeptes Saarland 2011 werden in den nächsten Jahren Maßnahmen eingeleitet, um die Schülerinnen und Schüler auf die sprachlichen Herausforderungen unserer globalisierten Welt intensiv vorzubereiten. Ziel ist es, den Sprachenunterricht an den saarländischen Bildungseinrichtungen effizienter und anwendungsorientierter zu gestalten. Ein zentrales Augenmerk richtet sich dabei neben der Deutschförderung auf die Stärkung des Französischen als Sprache des Nachbarn und auf die Stärkung des Englischen als internationale Wirtschafts- und Verkehrssprache. Künftig sollen alle saarländischen Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit in der Lage sein, beide Sprachen in konkreten privaten und beruflichen Kommunikationssituationen kompetent anwenden zu können.

 

Schwerpunkte des Sprachenkonzeptes Saarland 2011

Der Fremdsprachenunterricht im Saarland bekommt eine neue Grundlage, den "Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen" (GER)
Der GER, vom Europarat entwickelt, ermöglicht, relativ genau themen-, situations- und bereichsspezifische Kompetenzniveaus zu definieren, und schafft so die Voraussetzung für transparente Abschlussprofile. Sprachliches Lernen in der Schule soll deshalb so weit wie möglich auf den Referenzrahmen bezogen werden. Stärker als bisher kann auf diese Weise das Sprachenlernen auf einer Schulstufe systematisch mit dem Sprachenlernen der darauf folgenden Stufe verbunden werden. Somit wird die Kontinuität im Lernprozess gewährleistet. Sprachliches Lernen im Saarland wird demnach auch europäischer und mit dem Sprachenlernen in anderen Regionen und Ländern besser vergleichbar und kombinierbar.

Optimierung des Französisch- und des Englischunterrichtes
Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler im Saarland am Ende ihrer Schulzeit wirklich in der Lage sind, in beiden Sprachen zu kommunizieren – auch die Schülerinnen und Schüler im Hauptschulbildungsgang, die bisher meist nur eine der beiden Sprachen lernen. Hierfür wird der Französischunterricht in der Grundschule durch geeignete Maßnahmen verbessert und das Englischangebot an den Pflichtschulen ausgeweitet. Damit soll erreicht werden, dass die wichtigsten schulischen Fremdsprachen in Europa, Englisch und Französisch, von allen saarländischen Schülerinnen und Schülern ab Klassenstufe 5 oder 6 gelernt werden.

Sprachenlernen wird im Saarland mit Sprachenzertifikaten gefördert
Mit einem Sprachenzertifikat eines außerschulischen Anbieters erwerben Schülerinnen und Schüler sowohl im Französischen als auch im Englischen einen insbesondere in der Wirtschaft sehr gefragten und anerkannten zusätzlichen Qualifikationsnachweis und verbessern somit ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wie auch im universitären Bereich. Neuer Vertragspartner des saarländischen Bildungsministeriums ist seit Oktober 2010 die University of Cambridge. Mit Cambridge ESOL-Zertifikaten können Schülerinnen und Schüler im Saarland international bekannte und anerkannte Sprachzertifikate vergünstigt erwerben. Diese Zertifikate werden bei der Bewerbung um Aufnahme von den meisten britischen sowie einer Vielzahl von Hochschulen weltweit als Ersatz für Spracheingangstests akzeptiert.

Ausbau der vielfältigen Fördermaßnahmen im Bereich Deutsch als Zweitsprache
Sprachbildung, soziale Integration und beruflicher Erfolg sind aufs Engste miteinander verknüpft. Mit gezielter Sprachbildung kann man Sprachproblemen entgegenwirken, Benachteiligung kann so abgebaut werden. Wichtige innovative Elemente sind die integrative Sprachförderung im schulischen Regelangebot sowie Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in der Erstausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte und der Erzieherinnen und Erzieher.

Herkunftssprachen von Kindern aus Migrantenfamilien werden stärker in den schulischen Bildungsgang einbezogen
Hier wird angestrebt, den Erwerb von Sprachenzertifikaten im muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen und zu fördern. Der muttersprachliche Unterricht soll auf diese Weise enger an den schulischen Fremdsprachenunterricht gekoppelt werden.

Ausweitung des bilingualen Unterrichts
Eine Möglichkeit der Verstärkung der Fremdsprachen in der Sekundarstufe II ist, Unterricht in Sachfächern wie beispielsweise Erdkunde oder Biologie an allen Schulen, an denen qualifizierte Lehrkräfte vorhanden sind, häufiger in einer Schulfremdsprache zu erteilen. In dieser Phase sind bei den Schülerinnen und Schülern die sprachlichen Voraussetzungen für bilingualen Sachfachunterricht in mehreren Sprachen gegeben. Indem ein oder mehrere Sachfächer phasenweise oder ganz in einer Fremdsprache unterrichtet werden, kann das Sprachenlernen intensiviert werden, ohne dass die für den eigentlichen Fremdsprachenunterricht zur Verfügung stehende Unterrichtszeit ausgedehnt wird. Ein entsprechendes Fortbildungsprogramm für Lehrkräfte startet im Schuljahr 2011/12.

Chinesisch und Japanisch auch für saarländische Schüler/innen
Ab dem Schuljahr 2011/12 können Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12/13 an allgemein bildenden und beruflichen Schulen im Rahmen von landeszentralen Arbeitsgemeinschaften solche Fremdsprachen lernen, die im regulären Unterricht in saarländischen Schulen selten gelehrt werden. Die Kurse werden als 2-stündige Lehrgänge angeboten. Mehr als 80 Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 bis 12/13 haben sich angemeldet und lernen jeweils samstags am Sprachenzentrum der UdS Chinesisch oder Japanisch. Es ist vorgesehen, dieses Angebot in den kommenden Jahren auf weitere Sprachen wie beispielsweise Arabisch, Russisch oder Türkisch auszuweiten.

Sprachliches Lernen ist auch kulturelles und interkulturelles Lernen
Ziel des Unterrichts der modernen Fremdsprachen ist es deshalb immer, auf reale Begegnungssituationen vorzubereiten und diese so weit wie möglich in den Unterricht zu integrieren. Dies ist im Saarland insbesondere für Französisch leicht möglich. In alle Ausbildungsabschnitte des Französischunterrichts sollten die Nähe und die leichte Erreichbarkeit Frankreichs und besonders die der Partnerregion Lothringen noch stärker nutzbringend integriert werden. Hierzu will auch das saarländisch-lothringische EU-Projekt "Neue Wege zur Arbeitswelt des Partnerlandes", das im August 2011 startet, beitragen.

Einsatz neuer Medien
Die Grundlagen des Fremdsprachenunterrichtes haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Durch den Einzug der digitalen Medien ist gerade im Bereich des Hörverstehenstrainings vieles einfacher und komfortabler geworden. Fest in den Klassenräumen installierte Aktivlautsprecher erleichtern den Zugriff auf Tondokumente. USB-Sticks, DVDs und CDs sind leicht zu transportieren; ihre Handhabung ist einfach und gehört mittlerweile zum normalen Handwerkszeug der Unterrichtenden. Im Landesinstitut für Pädagogik und Medien erstellte Tonträger (CDs, DVDs) sind seit Jahren Standard bei den landeszentralen Abschlussprüfungen und Vergleichsarbeiten in den modernen Fremdsprachen. Die saarländische Landesregierung hat 2009 im Rahmen der Umsetzung des Zukunftsinvestitionsgesetzes aus Mitteln des Bundes und des Landes eine Million Euro für eine angemessene technische Ausstattung an öffentlichen und privaten Schulen bereitgestellt.

Neue und erweiterte Kompetenzen bei Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern
Innovative Entwicklungen im Bereich des Sprachenlernens bedingen neue Aus-, Fort- und Weiterbildungsinhalte. Entsprechende Fortbildungskurse werden bereits im Fortbildungsprogramm des Landesinstitutes für Pädagogik und Medien angeboten oder befinden sich aktuell in der Vorbereitung.

  • Sprachenkonzept (PDF 3,43 MB)

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