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60 Jahre Staatskanzlei des Saarlandes
 

Zwischen Krise und Strukturwandel

Ein Bundesland erfindet sich neu

Politisch gelang es den Saarländern, die Turbulenzen der fünfziger Jahre gut zu verarbeiten. Die Gräben zwischen „Ja- und Nein-Sagern“ wurden schnell überwunden, und gegenüber dem französischen Nachbarn entwickelte sich schon bald ein herzliches vertrauensvolles Verhältnis. Bis heute sieht sich das Saarland als das Bundesland, das Frankreich nicht nur geografisch, sondern auch mental am nächsten steht und von daher eine besondere Verantwortung für die Fortentwicklung der deutsch-französischen Freundschaft und das Zusammenwachsen der Großregion SaarLorLux empfindet.
Ökonomisch war das Saarland jedoch lange Jahre immer wieder von Krisen heimgesucht, die – keineswegs hausgemacht – bis in die Gegenwart hineinwirken: Zunächst der verspätete Beitritt mit seinen Übergangslasten; in den sechziger Jahren die Kohlekrise, die innerhalb weniger Jahre die Zahl der Arbeitsplätze im Bergbau auf 30.000 halbierte; in den siebziger Jahren die Stahlkrise mit zwei Drittel Arbeitsplatzverlusten innerhalb einer Dekade und mit gigantischen finanziellen Stützungsmaßnahmen, die zum größten Teil vom Landeshaushalt getragen werden mussten und maßgebliche Ursache für die bis heute bestehende Haushaltsnotlage sind. Dennoch schafften es die Saarländer, sich immer wieder umzuorientieren und die Krisen zu meistern. „Die Saarländer reagierten auf die Veränderung der Rahmenbedingungen flexibel, passten sich an und ergriffen neue Chancen, wo immer sie sich ihnen boten.“, so der Historiker Wilfried Loth.
Der Strukturwandel, bereits in den 1960er Jahren in Angriff genommen, begleitete das Saarland fortan bis in unsere Tage. Das allmähliche Auslaufen des Steinkohlebergbaus wurde gezielt flankiert von der erfolgreichen Restrukturierung der Stahlindustrie, der Ansiedlung neuer Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf der Automobilindustrie und der Erschließung neuer Wirtschaftszweige wie etwa im Bereich des Tourismus. Gleichzeitig gelang der Aufbau einer hochexzellenten Forschungslandschaft an den und um die Hochschulen, die weltweit beachtete Spitzenleistungen vor allem in den Bereichen Informatik, Nano-Bio-Technologie, Medizintechnologie und Materialwissenschaften hervorbringt und mit einem pulsierenden Technologietransfer bis in die mittelständische Wirtschaft hineinwirkt.
Auf diese Art hat sich das Saarland vom krisengeschüttelten Montanrevier zu einer modernen Industrieregion von hoher Produktivität, mit überdurchschnittlichem Exportanteil und ansehnlichen Wachstumsraten entwickelt. Das Saarland gehört zu den führenden Automobilzuliefererregionen in Deutschland, bietet Arbeitsplätze für zahlreiche Pendler aus Lothringen und Rheinland-Pfalz und rangiert bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf auf dem siebten Platz im Bundesländervergleich.
Das Saarland hat sich neu erfunden als erfolgreiches und zukunftsfähiges deutsches Bundesland im Herzen Europas.