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60 Jahre Staatskanzlei des Saarlandes
 

Wiederaufbau und Autonomie

Der Saarstaat 1945 - 1955

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland im Januar 1946 aus dem Rest der französischen Besatzungszone ausgegliedert und erhielt im Juni 1947 eine eigene Verfassung ebenso wie eine eigene Staatsbürgerschaft. Wirtschaftlich wurde das Saarland an Frankreich angeschlossenen und auch in den französischen Währungsraum einbezogen. Der Saarbergbau kam in die Hand der „Régie des Mines de la Sarre“. Das Saarland hatte einen von der Bevölkerung gewählten Landtag, eine vom Landtag ins Amt berufene Landesregierung und auch sonst alle Merkmale eines eigenständigen Staatsgebildes. Allerdings standen die politischen Entscheidungen unter Vorbehalt des von Frankreich entsandten Hohen Kommissars Gilbert Grandval, so dass man nur von einem teilautonomen Staat sprechen kann. An der Spitze der Saarregierung stand bis 1955 der Vorsitzende der Christlichen Volkspartei, Johannes Hoffman, der nach dem Kriege aus seinem Exil in Brasilien an die Saar zurückgekehrt war.
Anders als nach 1918 ergriff Frankreich nun zahlreiche Maßnahmen, um die Saarländer der französischen Einflussnahme gegenüber wohl zu stimmen. Hierzu zählen die Gründungen der Universität des Saarlandes, der Musikhochschule, der „Schule für Kunst und Handwerk“ , des Saarländischen Rundfunks, einer eigenen Saarmesse, die Auftritte zahlreicher französischer Künstler im Saarland und die Setzung von architektonischen Akzenten wie etwa durch den Pingusson-Bau in Saarbrücken. Zudem unterstrich die Teilnahme von Saar-Nationalmannschaften an internationalen Sportwettbewerben die Eigenstaatlichkeit des Saarlandes.
Erfreute sich der Saarstaat anfangs durchaus der Zustimmung durch die Bevölkerung, so wuchs mit der Zeit doch die Opposition gegen die ausgeprägte Frankreichorientierung. Dabei zeigte der Staat nun zunehmend auch seine dunkle Seite. Parteien, Gewerkschaften und Zeitungen, die sich gegen die Kernbestimmungen der Verfassung – Abtrennung von Deutschland, wirtschaftlicher Anschluss an Frankreich – wandten, wurden verboten, ihre Exponenten Repressalien ausgesetzt. Dies brachte den Staat in wachsendem Maße nicht nur bei seiner Bevölkerung, sondern auch in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit in Misskredit, wo die Verhältnisse im Saarland sogar mit denen in der DDR verglichen wurden.