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Justizvollzugsanstalt Ottweiler
 

Elektronischer Vollzugsplan - Instrument zur Bedarfsermittlung und Evaluation

Das Saarland ist das erste Bundesland, welches dem vom Bundesverfassungsgericht geforderten Evaluationsgedanken mittels eines im Jahre 2009 selbst entwickelten elektronischen Vollzugsplanes Rechnung trägt. Der elektronische Vollzugsplan erfasst alle dazu erforderlichen Daten bereits vom Haftbeginn an und aktualisiert sie kontinuierlich über den weiteren Vollzugsverlauf hinweg bis zum Ende der Zuständigkeit der Nachsorge, also weit über den eigentlichen Entlassungszeitpunkt hinaus.
Die Konzeption dieses Vollzugsplanes erfolgte jedoch nicht ausschließlich aufgrund der Vorgabe, „Behandlungsprogramme für die Gefangenen … auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu konzipieren, zu standardisieren und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen“ (§ 97, Abs. 1 SJStVollzG), sondern wurde ebenso als Instrument zur Bedarfsermittlung entwickelt, das die konsequente Erfassung aller für die Vollzugsplanung relevanten Daten gewährleistet und gleichzeitig eine gemeinsame Informations- und Kommunikationsbasis für alle beteiligten Dienste zwecks koordinierter Planung und Durchführung aller erforderlichen Behandlungs- und Fördermaßnahmen darstellt. Da während der Untersuchungshaft wegen der fehlenden Verurteilung noch kein Vollzugsplan erstellt werden kann, kommt dort eine modifizierte Variante in Form eines Erhebungsbogens zum Einsatz, der auf die spezifischen Verhältnisse der Untersuchungshaft abgestimmt ist und später nach der Umsetzung in Strafhaft in den offiziellen Vollzugsplan überführt wird. Ähnlich gestaltet sich das Übergangsmanagement in den Nachsorgeplan, der ebenfalls alle relevanten Daten aus dem Haftverlauf übernimmt und anhand eigens auf den Bedarf von Nachsorge und Nachbetreuung abgestimmter Kriterien immer wieder aktualisiert wird.
Durch das breit angelegte und kontinuierliche Erfassen von Informationen ist immer eine zeitnahe und jeweils aktuell bedarfsgerechte Vollzugsgestaltung sichergestellt. Bei der späteren Evaluation lässt sich sowohl die Eignung eines Klienten als auch die Notwendigkeit einer bestimmten Maßnahme jederzeit anhand objektiv nachvollziehbarer Kriterien überprüfen. Die regelmäßige Aktualisierung aller Daten ermöglicht darüber hinaus eine lückenlose Dokumentation des Maßnahmenverlaufs. Dabei beschränkt sich die Auswertbarkeit der Informationen nicht nur auf den jeweiligen Teilnehmer, sondern ermöglicht auch eine differenzierte Bewertung der Maßnahme selbst. Daraus lassen sich generelle Aussagen ableiten, inwieweit das vollzugliche Behandlungs- und Förderangebot auch dem tatsächlichen Bedarf der Klientel entspricht oder ob entsprechende Modifizierungen und Anpassungen angezeigt sind. Dies betrifft schulisch-berufliche Qualifizierungsmaßnahmen gleichermaßen wie Sport- oder Freizeitangebote. Parallel dazu werden auch alle den Bereich Sicherheit und Ordnung betreffenden Ereignisse dokumentiert, wie beispielsweise die Disziplinarmaßnahmen.
Abschließend lassen sich die Vorteile, die der elektronische Vollzugsplan der JVA Ottweiler bietet, folgendermaßen zusammenfassen: Erstens wird eine aktuelle Bestandsaufnahme der Klientel im saarländischen Jugendstrafvollzug ermöglicht. Zweitens können differenzierte Rückfall- und Risikoraten ermittelt werden – und zwar für die Gesamtgruppe der Gefangenen als auch für Subgruppen. Drittens lassen sich mit Hinblick auf effektiv anzuwendende Behandlungsmaßnahmen zielgruppenspezifische Faktoren benennen. Viertens lassen sich Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnisstrukturen und Entwicklungsverläufen identifizieren. Fünftens können vielfältige Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des saarländischen Jugendstrafvollzuges abgeleitet werden. Darüber hinaus bleibt es sechstens nicht bei einem in der Evaluation häufig zu beobachtenden statischen Ansatz, sondern durch den kontinuierlichen Blick auf den Vollzugsverlauf liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der dynamischen Ebene. Dadurch lässt sich siebtens der Plan infolge seiner hohen Flexibilität jederzeit problemlos den veränderten Bedingungen oder Anforderungen anpassen. Zuletzt sei achtens noch erwähnt, dass der zu betreibende Aufwand zur Erhebung der Daten in optimaler Relation zu deren vielfältiger Nutzbarkeit  steht. Insgesamt handelt es sich also um eine sehr effektive und ressourcenschonende Verfahrensweise.
Insofern stellt der elektronische Vollzugsplan der JVA Ottweiler ein äußerst hochwertiges und multifunktionales Instrument eines modernen Jugendstrafvollzuges dar, mit dem sich unterschiedlichste Aufgabenbereiche abdecken lassen. Der Plan ist seit 2010 in Anwendung, wobei immer wieder leichte Modifizierungen zwecks Optimierung vorgenommen wurden.