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Justizvollzugsanstalt Ottweiler

 

Die Arbeitstherapie

Infolge der vermehrt zu konstatierenden psychischen Auffälligkeiten und Erkrankungen stieg in den letzten Jahren kontinuierlich die Anzahl solcher Jugendlicher, die aufgrund einer situativ schwierigen Verfassung nicht für eine Zuteilung in eine reguläre Beschäftigungsmaßnahme in Frage kommen. Solche Gefangenen mit einer erheblichen Problematik im psychischen, sozialen oder intellektuellen Bereich schrittweise an eine Grundarbeitsfähigkeit im Rahmen einer geregelten Tagesstruktur heranzuführen, ist Aufgabe der Arbeitstherapie, die dem Jugendbereich vorbehalten ist. Dazu werden im elektronischen Vollzugsplan klare Zuteilungskriterien vorgegeben, die neben den zahlreichen psychisch oder kognitiv bedingten Defiziten auch motorische Einschränkungen, Zeichen äußerlicher Verwahrlosung sowie insbesondere Auffälligkeiten hinsichtlich der sozialen Interaktion betreffen.
Die Arbeitstherapie bietet innerhalb einer sorgfältig zusammengestellten Kleingruppe vielfältige Möglichkeiten der individuellen Förderung, um einerseits emotionale und soziale Kompetenzen zu festigen sowie arbeitstechnische Ressourcen auszubauen, andererseits aber auch mit jedem Einzelnen längerfristige Qualifizierungsperspektiven und persönliche Ziele zu entwickeln, denen sich der Gefangene dann über die speziellen Angebote Schritt für Schritt nähern kann. Dazu muss zunächst das notwendige Maß an Motivation, Interesse und Selbstvertrauen geweckt werden. Ebenso gilt es, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie Mechanismen zur Konfliktbewältigung einzuüben – nicht nur zwecks Integration in die spezielle Arbeitsgruppe der Sozialtherapie, sondern auch langfristig als Voraussetzung zur Teamarbeit in einem künftigen Betrieb. Durch das Eingewöhnen in einen geregelten Arbeitsprozess und das Erleben, aufgrund eigener Fähigkeiten ein Produkt anzufertigen, stellen sich sehr schnell Erfolgserlebnisse ein, die das Selbstwertgefühl bestärken und die Frustrationstoleranz erhöhen. Somit lassen sich über die persönliche psychische und emotionale Stabilisierung des Einzelnen hinaus wesentliche Grundqualifikationen schaffen, die für ein erfolgreiches späteres Berufslebens unabdingbar sind.
Die Behandlungs- und Förderangebote in der Arbeitstherapie erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Dienst, der grundsätzlich für die Zuteilungsempfehlung zuständig ist. Vielfach bieten sich parallel zur Arbeitstherapie begleitende Einzel- oder Gruppenbeschulungsmaßnahmen im Elementarbildungsbereich an, die nach individueller Absprache zeitlich variabel durchgeführt werden können und mit der Maßgabe gegenseitiger Ergänzung konzipiert werden.