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Ministerpräsidentin und Staatskanzlei
 

Ludwigsplatz mit Barockbauten und Staatskanzlei

Ludwigsplatz mit Ludwigskirche und den Gebäuden der Staatskanzlei (Foto: Niedermeyer/Staatskanzlei)
Ludwigsplatz mit Ludwigskirche und den Gebäuden der Staatskanzlei (Foto: Niedermeyer/Staatskanzlei)

Ensemble Wilhelm-Heinrich-Straße/Ludwigsplatz

Im Bild die Ludwigskirche mit dem Ludwigsplatz in Saarbrücken (Foto: W.Tauchert)

Die barocke Stadterweiterung Saarbrückens unter Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken und seinem Baudirektor Friedrich Joachim Stengel vollzog sich in zwei Etappen. Zunächst wurde südlich der Altstadt vor der nunmehr aufgegebenen Befestigung eine neue Straße in Ost-West-Richtung angelegt: die Reformierte-Kirch-Straße, von 1749 an Wilhelmstraße genannt. Daneben war auch lange Zeit die Bezeichnung Neugasse gebräuchlich, bis zu Beginn unseres Jahrhunderts die Benennung als Wilhelm-Heinrich-Straße erfolgte. Mit vorbereitenden Planungen ist spätestens zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung für die Reformierte Kirche 1743 zu rechnen. Erste Arbeiten sind 1746 belegt, und als man 1749-52 das Gymnasium als Querriegel und östlichen Abschluß der Straße errichtete, dürfte deren Ausbau weitgehend abgeschlossen gewesen sein. In östlicher Richtung stellt die neue Straße über die Saar hinweg eine durch Neubauten inzwischen gestörte Blickverbindung nach St. Johann dergestalt her, daß die verlängerte Achse über den Brückenkopf vor dem Sankt Johanner Saartor auf den Turm der evangelischen Pfarrkirche trifft. Die Bebauung der Wilhelm-Heinrich-Straße war durchweg zweigeschossig. Die meisten Häuser, darunter auch das Wohnhaus Stengels, gingen im Zweiten Weltkrieg zugrunde oder wurden so stark beschädigt, dass originale Substanz nur noch in Gewölbekellern und Umfassungsmauern zu finden ist. Weitgehend verschont blieben lediglich die Häuser Nummer 18-26. In der Nachkriegszeit ging der östliche Teil der Straße an die Trasse der Stadtautobahn und Hochwasserumgehung verloren, und es entstand eine Reihe von Ersatzbauten, die durch Zweigeschossigkeit und barockisierende Gliederungsmotive Anschluß an das historische Straßenbild suchen.

Die Anlage des Ludwigsplatzes gehörte einer zweiten Phase der barocken Stadterweiterung an. Von Fürst Wilhelm Heinrich nachdrücklich gefördert und unter der künstlerischen Leitung seines Baudirektor entstand hier ein Hauptwerk Stengels und eine der bedeutendsten barocken Platzanlagen in Deutschland überhaupt. Nach ersten Planungen 1760 setzten die Bauarbeiten 1762 mit der Grundsteinlegung zur Kirche ein, die in ihrer Doppelfunktion als evangelisch- lutherische Pfarr- und Hofkirche eine besonders reiche Ausgestaltung erfahren hat. Sie ist das beherrschende Monument in der Mitte des gestreckten Platzrechtecks, dessen Hauptachse auf die Wilhelm-Heinrich-Straße ausgerichtet ist.

Mit dem Bau der platzbegrenzenden dreigeschossigen Wohnhäuser, unter denen drei verschiedene Typen zu unterscheiden sind, wurde 1763 begonnen. Für das äußere Erscheinungsbild charakteristisch ist eine disziplinierte Formensprache, die als tendenziell klassizistische Stilvariante des Spätbarock angesprochen werden kann und zu dem reichen Formenapparat rheinisch- fränkischer Prägung am Kirchenbau in kalkuliertem Kontrast steht. Im Todesjahr Wilhelm Heinrichs 1768 waren die Arbeiten im wesentlichen abgeschlossen mit Ausnahme der Kirche, die erst unter seinem Sohn und Nachfolger Ludwig 1775 vollendet wurde, und des bis heute unbebauten Grundstücks neben dem Palais Lüder. Im Westen wird der Platz von dem 1763 begonnenen Hospital und Waisen-, Armen- und Zuchthaus abgeschlossen, während man auf der Ostseite durch Teilabbruch des bestehenden Gymnasiums 1768 eine unmittelbare Verbindung zur Wilhelm-Heinrich-Straße herstellte. Nach ihrem Begründer wurde die neue Platzanlage anscheinend nur in einem Dokument von 1763 Wilhelmsplatz genannt. Eingebürgert hat sich vielmehr die Bezeichnung Ludwigskirchenplatz, die später, 1875 erstmals belegbar, auf Ludwigsplatz verkürzt wurde.

Alle Bauten am Ludwigsplatz brannten 1944 völlig aus. Beim schrittweise vorgenommenen Wiederaufbau beschränkte man sich auf die Bewahrung und rekonstruierende Ergänzung von Umfassungsmauern und Dächern, der Innenausbau dagegen ist modern. Nur in der Ludwigskirche wurde nach langer kontroverser Diskussion die verlorene Ausstattung wieder rekonstruiert. Eine dezente Ergänzung brachte die Nachkriegszeit mit dem Atriumbau der Staatskanzlei, der zwischen den Palais Lüder und Freital anstelle einer von Stengel ursprünglich geplanten Promenade eingefügt wurde und inzwischen auch für sich genommen als Baudenkmal der fünfziger Jahre gewertet wird. Jüngstes Gebäude am Platz ist das Palais Röder (Nummer 16/17), entstanden 1978/79 als (im Äußeren) genaue Kopie des völlig zerstörten Ursprungsbaus, der um 1764/65 von der Reformierten Gemeinde als Pfarr- und Schulhaus errichtet worden war.


Das Ensemble Ludwigsplatz mit Barockbauten und Staatskanzlei, aus der Luft betrachtet.
Das Ensemble Ludwigsplatz mit Barockbauten und Staatskanzlei, aus der Luft betrachtet.

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Ludwigskirche

Ludwigskirche

Ludwigskirche, erbaut 1762-75 nach Entwurf von F. J. Stengel als evangelisch-lutherische Pfarr- und Hofkirche, benannt nach Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken, der den von seinem Vater Wilhelm Heinrich begonnenen Bau vollendete. 1944 bis auf die Umfassungsmauern zerstört, von 1947 an wiederhergestellt.