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Ministerium der Justiz
 

Justizstaatssekretär Roland Theis: „Kinder und Familien Inhaftierter stärken!“

„Schätzungen zufolge sind in der EU fast eine Million und in Deutschland 100.000 Kinder von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen. Das sind mehr Kinder als jeweils Inhaftierte“, informierte Justiz-Staatssekretär Roland Theis im heutigen Sommergespräch in der Staatskanzlei des Saarlandes.

Die UN-Kinderrechtskonvention schreibt das Recht auf unmittelbaren Kontakt zwischen inhaftierten Eltern und ihren Kindern sowie die Beachtung des Vorrangs des Kindeswohls vor, wenn der Staat – wie etwa durch eine Inhaftierung – in das Eltern-Kind-Verhältnis eingreift. Der Staatssekretär will daher  die tatsächliche und rechtliche Situation der betroffenen Kinder verbessern.
So wird die saarländische Justiz kindgerechte Besuchsräumlichkeiten in ihren Justizvollzugsanstalten und Informationsmaterialien für Kinder, nicht inhaftierte Elternteile sowie für mit den Kindern arbeitende Fachkräfte (JustizvollzugsbeamtInnen, Lehrkräfte und ErzieherInnen) zur Verfügung stellen. Dies soll den Adressaten eine Stütze in der belastenden Zeit der Haft des inhaftierten Elternteils sein. Das Justizpersonal soll sensibilisiert und weitergebildet werden.

"Die Inhaftierung eines Elternteils ist für Kinder ein kritisches Lebensereignis. Sie verändert die Beziehungen innerhalb der Familie und hat Auswirkungen auf das soziale Leben der Kinder", so Staatssekretär Roland Theis. 

"Um die negativen Einflüsse der Inhaftierung für die Familien und die Kinder Inhaftierter abzumildern, möchten wir durch verstärkte Besuchs- und Kontaktmöglichkeiten Beziehungsabbrüche möglichst vermeiden. Daneben soll ein Informationspaket für den saarländischen Justizvollzug zusammengestellt werden, das spezielle Informationsmaterialien und -angebote beinhaltet. Daneben bedarf es einer Sensibilisierung aller mit den betroffenen Kindern und Familienangehörigen befassten Fachkräfte."

Auf Antrag des Saarlandes und des Landes Mecklenburg-Vorpommern haben sich auch die Justizministerinnen und Justizminister auf der 89. Konferenz der Justizministerinnen und Justizminister am 6. und 7. Juni 2018 in Eisenach mit der Situation der Kinder inhaftierter Eltern in Bezug auf die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und mit entsprechenden für den Justizvollzug relevanten Empfehlungen befasst. Jetzt werden bundesweit best practices beschrieben und Vorschläge zur Umsetzung der Empfehlungen erarbeitet.


Hintergrund:

Die Ergebnisse der Studie des von 2010 bis 2012 EU-geförderten Forschungsprojekts COPING (Children of Prisoners, Interventions and Mitigations to Strengthen Mental Health) legen nahe, dass das seelische Wohlbefinden von Kindern Inhaftierter deutlich schlechter ist als in einer vergleichbaren Gruppe. Kinder inhaftierter Eltern wachsen häufig in Multi-Problemmilieus auf und sind dabei oft vielfältigen Risikofaktoren ausgesetzt.
Hier soll durch Informations- und Hilfsangebote in der Saarländischen Justiz künftig besser Abhilfe geleistet werden.