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Landesbetrieb für Straßenbau
 

Hintergründe zur Sperrung der Fechinger Talbrücke

24.03.2016
Die mehr als 50 Jahre alte Fechinger Talbrücke musste wegen überraschend festgestellter statischer Mängel komplett gesperrt werden. Foto  © Becker&Bredel
Die mehr als 50 Jahre alte Fechinger Talbrücke musste wegen überraschend festgestellter statischer Mängel komplett gesperrt werden. Foto © Becker&Bredel

Das Thema der Ertüchtigung von Brücken - die Anhebung der Tragfähigkeit durch grundhafte Sanierung, Verstärkung oder Ersatzbau- steht aufgrund von Untersuchungen des Bundesverkehrsministeriums im Fokus der Straßenbauverwaltungen aller Länder. Nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Belange des Speditionsgewerbes hatte der Bund zuvor mit Hilfe von Hochschulen eruieren lassen, inwieweit der heutige Brückenbestand in der Lage ist, die Belastung durch immer schwerere Fahrzeuge aufzunehmen. Zusammengefasst haben diese Untersuchungen ergeben, dass alle Bauwerke, die vor 1985 gebaut worden sind, allmählich an die Grenze ihrer Tragfähigkeit stoßen und bereits mit dem heutigen Verkehr ausgelastet sind.

Vor dem Hintergrund einer prognostizierten Zunahme des Güterverkehrs in Deutschland um 80 Prozent bis zum Jahr 2025 impliziert dies Instandsetzungen, Verstärkungen und Ersatzneubauten insbesondere der großen Bauwerke im Zuge der Bundesautobahnen. Daher hat der für die saarländischen Autobahnbrücken verantwortliche Landesbetrieb für Straßenbau im Jahr 2010 zunächst mit der Untersuchung und statischen Nachrechnung von 43 Teilbauwerken begonnen, die der Bund als prioritär erachtet hatte. Mit den Sanierungen der Klingentalbrücke, der Mettnicher Talbrücke, der Brücke über den Schwarzbach bei Einöd, die Saartalbrücke bei Güdingen und der Großenbruchtalbrücke bei Neunkirchen hat der LfS die ersten aus den Ergebnissen der Prüfung resultierenden Maßnahmen weitgehend umgesetzt. Zu Jahresbeginn hat die Sanierung der Ellbachtalbrücke bei Saarwellingen begonnen. Der Neubau der Illtalbrücke bei Eppelborn folgt im Herbst. Die Genehmigungsverfahren für die Grumbachtalbrücke und die Saarbrücke im Autobahndreieck Saarlouis laufen auf Hochtouren.

Turnusmäßige Überprüfung gab keine Hinweise

Parallel zu Planung und Bau der bereits nachgerechneten Brücken hat der LfS weiter gehende Untersuchungen an allen anderen Autobahnbrücken des Saarlandes veranlasst. Die Prioritäten ergaben sich aus dem Lebensalter der Bauwerke und ihrer Verkehrsbelastung. Die Untersuchung der Fechinger Talbrücke stand hier als eine der ersten Aufgaben an. Die landschaftsprägende und auf 10 filigranen Pfeilern errichtete Brücke steht unter Denkmalschutz. Ziel der Untersuchung war folglich die Bestandswahrung durch Sanierung und Verstärkung. Zwei renommierte Ingenieurbüros haben am Donnerstag übereinstimmende Untersuchungsergebnisse an einem exemplarischen Pfeiler vorgelegt. Das über 50 Jahre alte Bauwerk leidet danach bauartbedingt unter massiven statischen Defiziten, die im Rahmen der turnusmäßigen Brückenprüfungen nicht feststellbar sind. Seine Tragfähigkeit ist unter Verkehrsbelastung überschritten. Die materialsparende Bauweise birgt die Gefahr, dass die Pfeiler ohne Vorankündigung plötzlich versagen. Zum Schutz von Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer blieb dem LfS daher heute keine Alternative zu einer sofortigen Vollsperrung.

Gleichzeitig hat der LfS die Gutachter mit einer vollständigen Untersuchung des Bauwerks beauftragt. Ziel ist die provisorische Instandsetzung der Brücke, die schnellstmöglich wieder eine Inbetriebnahme zulässt. Bereits in die Untersuchung wird ein Stahlbauunternehmen einbezogen, das mit der provisorischen Instandsetzung beauftragt werden soll. Von dieser Vorgehensweise versprechen sich alle Beteiligten eine massive Zeitersparnis bei der Umsetzung der Baumaßnahme, weil die notwendigen -als Unikate herzustellenden-Stahlbauteile bereits in der Untersuchungsphase in Auftrag gegeben und schneller geliefert werden können. Dennoch wird an einer mehrmonatigen Sperrung kein Weg vorbei führen. Die abschließenden Untersuchungsergebnisse werden voraussichtlich nach 12 Wochen verfügbar sein. Für Herstellung und Anlieferung der benötigten Verstärkungsteile und die Gewährleistung der Baustellenlogistik werden nach heutiger Einschätzung weitere acht Wochen ins Land gehen. Ende August sollten danach die Verstärkungsarbeiten anlaufen. Sie werden nach optimistischer Einschätzung bis Jahresende andauern.

Zu Jahresbeginn 2017 wird dann erst eine Entscheidung getroffen werden können, ob die Brücke wieder für den vierstreifigen Verkehr zugelassen werden kann und inwieweit Lastbeschränkungen notwendig werden.
Der LfS bittet die Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die einschneidende Maßnahme. Sie ist im Sinne des Schutzes von Leib und Leben alternativlos.

Fechinger Talbrücke - Umfahrungsempfehlung für den Schwerverkehr.
Fechinger Talbrücke - Umfahrungsempfehlung für den Schwerverkehr.
Fechinger Talbrücke - Umfahrung über die Flughafenstraße.
Fechinger Talbrücke - Umfahrung über die Flughafenstraße.
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