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Verkehr
 

Fachkräfte für den saarländischen Busverkehr

16.10.2018

Verkehrsministerin Anke Rehlinger reagiert auf den dringenden Handlungsbedarf bei der Personalgewinnung im saarländischen ÖPNV, insbesondere bei den Busfahrern. Um dem wachsenden Fachkräftebedarf und den Beeinträchtigungen der Verkehrsleistung im ÖPNV entgegensteuern zu können, wolle man die Verkehrsunternehmen im Saarland aktiv bei der Gewinnung von Fachkräften unterstützen. Auf Initiative der Ministerin kamen daher am Montag, 15. Oktober, mehr als ein Dutzend saarländische Verkehrsunternehmen im Atrium – Haus der Wirtschaftsförderung zusammen, um gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Verkehrs- und Arbeitsministeriums Lösungsstrategien zur Personalgewinnung im saarländischen Nahverkehr zu diskutieren.

Als erstes Ergebnis wird ab sofort eine Taskforce aus Arbeitsmarkt-Experten des Ministeriums und Vertretern von Verkehrsunternehmen eingesetzt, die konkrete Maßnahmen zur Personalrekrutierung und beruflichen Qualifizierung entwickeln soll. „Der Arbeitsmarkt gibt keine Busfahrer mehr her. Der Busfahrer-Mangel wird nicht behoben, wenn sich die Verkehrsunternehmen ihre Fachkräfte wechselseitig abwerben“, so Ministerin Rehlinger. Deshalb müsse es darum gehen, neue Zielgruppen für das Berufsbild anzusprechen und zusätzliche Busfahrer auszubilden und zu qualifizieren. „Hier wollen wir insbesondere Arbeitsagentur, Jobcenter und Verkehrsunternehmen noch näher zusammenbringen – davon profitieren am Ende alle.“

Die Verkehrsunternehmen sehen bei älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern große Potenziale, aber auch bei geflüchteten Menschen. Sie könnten mit geeigneten Qualifizierungsmaßnahmen für den Nahverkehr ausgebildet werden. Bei geflüchteten Menschen könnten Sprachkurse ergänzt werden.

Ein ähnliches Projekt hat die Ministerin bereits erfolgreich aufs Gleis gesetzt: Im Mai dieses Jahres starteten zwanzig Ingenieurinnen und Ingenieure mit Flucht- und Migrationshintergrund eine einjährige berufliche Weiterbildung im Bereich der Energie- und Wasserwirtschaft. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit zwischen allen sechs saarländischen Jobcentern sowie den entsprechenden Branchenunternehmen umgesetzt und vom Arbeitsministerium gemeinsam mit der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit koordiniert. „Nach diesem Vorbild könnte auch ein Qualifizierungsprojekt für Busfahrer im ÖPNV aussehen“, so Anke Rehlinger weiter.

Rund 3.000 Menschen im Saarland besitzen einen Busführerschein, aber nur 2.000 von ihnen sind auch als Busfahrer tätig. Den Grund dafür sehen die Verkehrsunternehmen vor allem in den Arbeitsbedingungen und in unsicheren Zukunftsaussichten, etwa wenn ein Unternehmen den Zuschlag für eine zuvor gefahrene Verkehrsleistung nicht erneut erhält. Hinzu kommt, dass es sich für die meisten Verkehrsunternehmen nicht lohnt, selbst auszubilden: Ausbildungskosten müssen mit eingepreist werden, wenn sich  Verkehrsunternehmen auf eine Ausschreibung bewerben. Da der Zuschlag an das wirtschaftlichste Angebot geht, sind Unternehmen, die Nachwuchs ausbilden, bei Ausschreibungen im Nachteil. Und die Ausgebildeten können oft nicht im Unternehmen gehalten werden. Hier könnten die Aufgabenträger eine Schlüsselrolle spielen, waren sich die Vertreter der Verkehrsunternehmen sicher. Sie könnten in ihren Ausschreibungen eine Ausbildungsquote vorschreiben und bei einem Betreiberwechsel für Arbeitsplatzsicherheit sorgen, indem ein neuer Betreiber zur Übernahme des Personals verpflichtet wird. Das Land praktiziert dies bereits bei Ausschreibungen auf der Schiene. Im Busbereich sind die kommunalen Aufgabenträger in der Verantwortung. Diese sollen deshalb ebenfalls in die weiteren Gespräche eingebunden werden.

Insgesamt, so Ministerin Anke Rehlinger, müsse das Berufsbild des Busfahrers oder der Busfahrerin attraktiver werden. „Wer jeden Tag Verantwortung für Hunderte Fahrgäste, darunter viele Kinder, trägt, hat Anerkennung, Sicherheit und attraktivere Arbeitsbedingungen verdient.“

Das Land werde deshalb auch auf Bundesebene aktiv werden, damit soziale und qualitative Standards im Nahverkehr künftig eine größere Rolle spielen.