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Gesundheit
 

Psychiatrie

Psychiatrie gestern – Die Anstalt

Die Geschichte der Psychiatrie im Saarland ist weitgehend die Geschichte des Landeskrankenhauses Merzig.
Ab nach Merzig - diese Worte besiegelten über Jahrzehnte das Schicksal psychisch kranker Menschen im Saarland. Noch bis weit in die 70er Jahre war das Landeskrankenhaus Merzig eine psychiatrische Großklinik mit mehr als 1000 Betten und in der saarländischen Bevölkerung als Inbegriff der "Irrenanstalt" bekannte In diesen psychiatrischen Anstalten, die es damals bundesweit gab, sollten psychisch Kranke gesund werden.
Heute wissen wir, dass diese Art der Behandlung in Anstalten psychisch kranken Menschen nicht die Hilfe gibt, die sie brauchen. Die Anstaltspsychiatrie weckte bei Kranken und ihren Angehörigen eher Ängste vor dem Ausgestoßenwerden. Bei der Bevölkerung schürte es Vorurteile vor den "Verrückten", die man wegsperren muss.
Die Konsequenz: Viele psychisch Kranke kamen zu früh ins Krankenhaus, zu oft und blieben zu lange dort. Zum einen, weil bislang außerhalb des Krankenhauses fast keine Hilfen im Alltag existierten, und gerade diese sind bei psychischen Erkrankungen besonders wichtig. Und zum anderen, weil durch den langen Aufenthalt im weit entfernten Krankenhaus die Kontakte zum normalen Leben abgerissen sind.


Psychiatrie heute – Von der Anstalt zu einer sozialintegrativ orientierten Psychiatrie

Die in den 90er Jahren begonnene saarländische Psychiatrie-Reform mit den über die Parteigrenzen hinweg beschlossenen Leitgedanken hat die Situation der Anstaltspsychiatrie konsequent und systematisch verändert. Die psychiatrische Klinik in Merzig ist als erstes Landeskrankenhaus in Deutschland aufgelöst worden. In jedem Landkreis wurden psychiatrische Fachabteilungen vorrangig an einem Allgemeinkrankenhaus aufgebaut. Somit ist das Saarland weiterhin das einzige Bundesland, in dem die vollständige Regionalisierung der psychiatrischen Krankenhausversorgung umgesetzt wurde. Damit wurde einer der wichtigsten Schritte in der Psychiatrie-Reform vollzogen.
Ein weiterer Kristallisationspunkt in der psychiatrischen Versorgung  ist der außerklinische Bereich. Mittlerweile gibt es wohnortnahe und fachlich differenzierte Hilfeangebote außerhalb der Krankenhäuser auf den Lebensfeldern Wohnen, Arbeit und Freizeit, ebenfalls über alle Landkreise verteilt.


 
Die saarländische Psychiatrie-Reform hat damit drei Ziele erreicht, die eng miteinander verzahnt sind:

1. Die Gleichstellung von psychisch und körperlich Kranken
Natürlich muss eine psychische Krankheit anders behandelt werden als eine körperliche. Die Anstalt am Rande der Gesellschaft war der falsche Weg. Hingegen erhält eine Behandlung in einem wohnortnahen „normalen“ Allgemeinkrankenhaus den Kontakt zur Familie und zum sozialen Umfeld und das ist auch für das Gesundwerden bei psychischen Erkrankungen wichtig. Mit der Integration der Psychiatrie in die Allgemeinmedizin wurde eine wichtige Voraussetzung für das zweite Ziel der Reform geschaffen:

2. Eine wohnortnahe Versorgung
Die Klinik oder die Fachabteilung vor Ort ist ein wesentlicher Bestandteil der wohnortnahen Versorgung, aber eben nur ein Teil. Ebenso wie körperlich Kranke sollen auch psychisch Kranke nur in akuten Situationen eine Klinik aufsuchen. Im Gegensatz zu körperlichen ist es jedoch bei psychischen Erkrankungen oft mit der einmaligen und alleinigen Behandlung im Krankenhaus nicht getan. Wichtig ist eine Behandlung und Betreuung statt oder nach einem Krankenhausaufenthalt, da die Rückkehr des psychisch Kranken in das normale Leben häufig nur stufenweise und in kleinen Schritten möglich ist. Deshalb sind in den letzten Jahren vielfältige Hilfsangebote außerhalb des Krankenhauses aufgebaut worden. So haben wir sukzessive das dritte Ziel erreicht:

3. Ein umfassendes, bedarfsgerechtes Netz von Hilfen außerhalb des Krankenhauses
Umfassende, bedarfsgerechte Hilfen: Neben der Behandlung durch niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten sind Hilfen wichtig, die es psychisch Kranken ermöglichen, sich wieder im Alltag zurechtzufinden. Das kann bedeuten: Betreuung am Arbeitsplatz, in der Wohnung, in der Freizeit. Die Hilfen sind so ausgestaltet, dass psychisch Kranke so viel Betreuung wie nötig erhalten und ihre Rückkehr in das normale Leben soweit wie möglich gefördert wird. Die Angebote reichen beispielsweise von Arbeitstrainingsplätzen, Integrationsbetrieben, einer virtuellen Werkstatt und berufsbegleitende Dienste für die Rückkehr in den Beruf, über abgestufte Wohnformen, Gastfamilienprojekten bis hin zu ambulanten tagesstrukturierten Diensten wie Tagesstätten, die die Arbeit der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten unterstützen können. Greifen kann das Konzept allerdings nur dann, wenn die Einrichtungen und Dienste eng zusammenarbeiten. Die Landesregierung unterstützt und fördert dies nach Kräften.
Die saarländische Psychiatrie-Reform: Ein Konzept, das psychisch kranken Menschen Perspektiven für ein Leben in der Gesellschaft eröffnet. In einer Konsequenz wie sonst nirgends in Deutschland.

Mit dem PsychVVG wurde die gemeindepsychiatrische Versorgung gestärkt und die Finanzierung der wohnortnahen Kliniken gesichert.

Foto: Saarland

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