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Frauen und Gleichstellung
 

Innenministerin Annegret Kramp-Karrenbauer: Einrichtung einer Interventionsstelle im Rahmen der Umsetzung des saarländischen Aktionsplanes gegen häusliche Gewalt

Pressemitteilung vom 14.11.2006 - 17:00 Uhr
Die Ministerin für Inneres, Familie, Frauen und Sport, Annegret Kramp-Karrenbauer hat im Rahmen der Umsetzung des saarländischen Aktionsplanes gegen häusliche Gewalt die Einrichtung einer Interventionsstelle angekündigt.

Deren Aufgabe wird es sein, nach der Information durch die Polizei über einen Einsatz bei häuslicher Gewalt, Kontakt zu den Opfern aufzunehmen und aktiv auf sie zuzugehen, um ihnen möglichst kurzfristig spezialisierte und professionelle Unterstützung anzubieten.

„Viele Opfer sind häufig infolge jahrelanger Misshandlungen und Einschüchterungen nicht zu einem ersten Schritt der selbständigen Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle in der Lage. Die Interventionsstelle bietet deshalb psychosoziale und rechtliche Erstberatung für die Opfer häuslicher Gewalt nach dem pro-aktiven Beratungsansatz und ist sozusagen Bindeglied zwischen der polizeilichen Intervention und der Inanspruchnahme gerichtlichen Rechtsschutzes“, sagte die Ministerin auf der Landespressekonferenz in Saarbrücken.

DIe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Interventionsstelle ergänzen somit den Opferschutz der Polizei. Bereits im Jahr 2004 wurde damit begonnen, ein umfangreiches Maßnahmepaket gegen häusliche Gewalt auf der Interventionsebene der Vollzugspolizei umzusetzen, das einen verbesserten Schutz der Opfer und das konsequente Einschreiten gegen die Täter zum Ziel hat. „Diese Maßnahmen in Verbindung mit den rechtlichen Möglichkeiten des Gewaltschutzgesetzes haben zu einer zunehmenden Anzeigebereitschaft der Betroffenen geführt“, bilanziert Ministerin Kramp-Karrenbauer.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für das Jahr 2005 insgesamt 2.464 Fälle häuslicher Gewalt für das Saarland aus, das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von 483 Fällen (24,4 %). „Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir drängenden Handlungsbedarf hinsichtlich spezialisierter Opferberatung haben. Wir sind deshalb sehr froh, dass es uns jetzt gelungen ist, gemeinsam mit dem Justizministerium die Finanzierung einer Interventionsstelle sicherzustellen“, so die Ministerin. Die Interventionsstelle wird mit einem Finanzvolumen von etwa 80.000 Euro aus Landesmitteln bezuschusst.

Aber nicht nur die Frauen -und selbstverständlich auch Männer-, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, brauchen spezialisierte Hilfe. Ministerin Kramp-Karrenbauer: „Ganz besonders wichtig war mir, dass es auch ein eigenständiges Hilfeangebot für Kinder und Jugendliche geben wird, die von Gewalt selber betroffen sind oder häusliche Gewalt miterleben mussten.“ Studien belegen, dass Gewalt in der Partnerschaft häufig in Verbindung mit direkter Kindesmisshandlung sowohl durch Mütter wie auch durch Väter stattfindet. Auch das Miterleben Häuslicher Gewalt stellt immer eine Gefährdung des Kindeswohls dar. Trotzdem wurde der besondere Schutz- und Hilfebedarf dieser Kinder bislang zu wenig beachtet. Bundesweit gibt es bislang nur zwei Interventionsstellen, die sich als Modellprojekte, auch der Kinder und Jugendlichen annehmen. Das Saarland ist das erste Bundesland, dass eine aus Landesmitteln bezuschusste Interventionsstelle durch die Beratung von Kindern und Jugendlichen ergänzt.

„Die Diskussion um die Fälle schwerster Kindesmisshandlung und –vernachlässigung, die in den letzten Wochen bekannt geworden sind und die uns alle erschüttert haben, hat erneut deutlich werden lassen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun müssen, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen“, so Ministerin Kramp-Karrenbauer. „Mit der Kinder- und Jugendberatung in Fällen häuslicher Gewalt soll der Schutz von Kindern und Jugendlichen verbessert, ihnen Möglichkeiten zur Bewältigung der Gewalterfahrung aufgezeigt und entsprechend des Hilfebedarfs weiterführende Hilfeangebote vermittelt werden.“

Die Interventionsstelle mit spezialisierter Kinder- und Jugendberatung in Fällen häuslicher Gewalt, die vom Sozialdienst katholischer Frauen in Kooperation mit der Caritas getragen wird, wird voraussichtlich im Januar 2007 im Haus der Caritas in der Johannisstrasse in Saarbrücken ihre landesweite Beratungsarbeit aufnehmen.

(PM 78/2006)

Ministerium für Inneres, Familie, Frauen und Sport