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Tierschutzbeauftragter
 

Kennzeichnung von Hunden und Katzen

Aktueller Erfolg im Europaparlament für das Thema Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen

Am 25.2.2016 wurde in Brüssel erfolgreich im Plenum des Europäischen Parlamentes über einen Antrag fast aller politischer Fraktionen abgestimmt: 

Die EU-Kommission wird aufgefordert, eine EU-weite Harmonisierung der Kennzeichnung und Registrierung von Heimtieren herzustellen.
Genau diese Forderung hat der saarländische Landtag bereits im Sommer 2014 beschlossen und als Forderung für die Einleitung eines Bundesratsbeschlusses an die saarländische Regierung weitergegeben.
Das Europa arbeiten an beiden der Zentralregister Tasso hat in diesem Zusammenhang nachgewiesen, dass die Maßnahme der Kennzeichnung und Registrierung wirtschaftlich nicht nur sinnvoll sondern im Sinne des Tierschutzes geradezu geboten ist. "Wir vermitteln jährlich rund 60.500 entlaufene Tiere an ihre Halter zurück und ersparen den Tierheimen somit Kosten in Höhe von 11 Millionen € da diese Tiere dort nicht versorgt werden müssen." SoPhilip McCreight, der Leiter von Tasso e.V.
Wenn man überlegt, dass pro Jahr über 300.000 Hunde und Katzen alleine in Deutschland verloren gehen, kann man sich unschwer ausrechnen, welche Summen der deutsche Tierschutz einsparen könnte, vor allen Dingen aber welches Tierleid vermieden werden könnte, wenn dank einer einheitlichen Kennzeichnung und Registrierung die größte Zahl dieser Tiere an ihre glücklichen Besitzer zurück vermittelt werden könnten, stellt der Landesbeauftragte für Tierschutz des Saarlandes fest. Die großen Gewinner einer solchen bundeseinheitlichen Regelungen wären unsere Tiere, gleichzeitige Gewinner wären allerdings auch die Tierbesitzer, die Tierheime, die Städte und Gemeinden und die Ortspolizeibehörden.

Mit diesem Beschluss in Brüssel ist der Tierschutz im Bereich der Heimtiere einen großen Schritt vorangekommen.

Netzwerk K&R:

Viele Fachleute haben sich in der Vergangenheit aus verschiedenen Blickwinkeln mit diesem Thema beschäftigt. Alle Fachleute, aktuell die Mitglieder des Netzwerks Kennzeichnung und Registrierung (K&R), sind sich einig, dass wir eine bundeseinheitliche Gesetzgebung für die Regelung der Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen dringend benötigen. Viele Länder innerhalb der EU haben entsprechende Regelungen bereits seit Jahren beschlossen und mit Erfolg umgesetzt.

Auflistung der Vor- und Nachteile einer allgemeinen Kennzeichnung von Hans Friedrich Willimzik, Landesbeauftragte für Tierschutz des Saarlandes
Forderung: Alle Hunde und alle Katzen sind durch ihre Besitzer mittels eines Transponder zu kennzeichnen und registrieren zu lassen. Welpen sind zukünftig durch ihre Züchter vor dem Entlassen in die Freiheit oder vor der Abgabe an einen neuen Besitzer ebenfalls zu kennzeichnen.

Vorteile einer allgemeinen Kennzeichnung

1. Im Sinne eines praktizierten Tierschutzes wird den Tieren durch eine Kennzeichnung sehr viel Leid erspart.
2. Verlorene Tiere werden schneller ihrem Besitzer zurückgegeben.
3. Tierbesitzer erhalten eine größere Sicherheit bezüglich der Rückgabe ihres verlorenen Tieres.
4. Tiere die abzugeben sind, werden fürsorglicher vermittelt.
5. Tiere werden viel seltener ausgesetzt, da das Eigentumsrecht gekennzeichneter Tiere zurückverfolgt werden kann.
6. Der Tierschutz wird gefördert durch kurze Verweilzeiten von Fundtieren.
7. Entstehende Kosten für Fundtiere werden durch die Behörden und die Tierheime dem verursachenden Besitzer in Rechnung gestellt.
8. Tierheime werden bezüglich der aufzunehmenden und zu betreuenden Kapazität entlastet.
9. Tierschutzvereine und Tierheime werden kostenmäßig entlastet.
10. Ortspolizeibehörden und Ordnungsämter werden personell und finanziell erheblich entlastet.
11. Die Kosten für die Unterhaltung von Tierheimen werden bei den Landkreisen, Städten und Gemeinden sinken.
12. Bessere Erfassung von Haustieren durch die Ordnungsbehörden.
13. Bessere Erfassung und Überwachung züchterischer Aktivitäten im Bereich bestimmter Haustierarten.
14. Bessere Kontrolle und Nachverfolgung von Haustieren, die durch Tierheime oder Züchter abgegeben werden.
15. Vermeidung von Doppel-Kastration insbesondere bei Katzen durch Eintragung der Kastration in das Zentralregister und kurzfristiges Abrufen der Daten.
16. Wildernde Hunde sind bei Habhaftwerdung klar zu identifizieren und einem Besitzer zuzuordnen.
17. Es entstehen den Ordnungsbehörden und Gemeinden aber auch dem Land keine zusätzlichen Kosten.
18. Förderung des „Gesellschaftspaktes Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes.
19. Verunfallte Hunde können einem Besitzer zugeordnet werden. Der Hundebesitzer kann mittels seiner Tierhaftpflichtversicherung für den entstandenen Schaden aufkommen. Versicherungen werden somit entlastet, das Verursacherprinzip konsequenter verfolgt.


Nachteile einer allgemeinen Kennzeichnung

1. Es entstehen Kosten, die zukünftig von den Züchtern und/oder den Tierbesitzern zu tragen sind. Die Kosten sind mit 10 bis 20 € durchaus überschaubar. Im Vergleich zu den späteren "Unterhaltungskosten" eines Tieres sind sie zu vernachlässigen.
2. Es bedarf der Einrichtung einer zentralen Registrierstelle. Alternativ könnte diese Tätigkeit kostenneutral einer Einrichtung wie Tasso e. V. übertragen werden. Zugelassene Einrichtungen sind dann lediglich dahingehend zu verpflichten, sich gemeinsam zu vernetzen und bei Bedarf Daten auszutauschen.
3. Die Belastung durch das Setzen eines Transponders entspricht dem einer normalen Injektion. Aus diesem Grunde sollte auch zukünftig die Tätowierung verboten sein (siehe hierzu eigenes Informationsblatt).


Situationsanalysen, Maßnahmen und Aktivitäten bezüglich einer allgemeinen Kennzeichnung von Katzen und Hunden.

Das Saarland kann sich als Initiator einer bundeseinheitlichen Regelung präsentieren gemäß dem aktuellen Motto:
Grosses ensteht immer im kleinen.
Das Saarland entwickelt die Initiative, über Tierschutz wird nicht nur geredet, Tierschutz wird gelebt.
Ein weiteres Ziel ergibt sich aus dem Motto:
Tierschutz beginnt im Kopf.
Das Thema Tierschutz war in der allgemeinen Diskussion vielfach geprägt durch emotionale und radikale Äußerungen. Hier müssen zukünftig mehr rationale Gründe und Sachbeiträge den Tierschutz praktisch und pragmatisch voranbringen.

• Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD enthält für die 18. Legislaturperiode der Bundesregierung einige Vereinbarungen zum Thema Tierschutz. Insbesondere soll das Problem von überfüllten Tierheimen gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen gelöst werden.
• Der deutsche Tierschutzbund fordert schon lange eine einheitliche Kennzeichnungspflicht für Katzen und Hunde im Sinne des aktiven Tierschutzes.
• Der Tierschutzbeirat Rheinland-Pfalz fordert ein Kennzeichnungs- und Kastrationsgebot für Freigängerkatzen.
• Die bundesweite Interessengemeinschaft „Pro Katzenschutzverordnung“ fordert eine einheitliche Kennzeichnung mittels Transponder für jede Katze.
• In Österreich ist die Kennzeichnung bei Hunden seit Juli 2008 eingeführt. Die bisherigen Erfahrungen haben eine deutliche Verbesserung für den Tierschutz und eine Entlastung der Tierheime sowie eine finanzielle Entlastung für die Kommunen gebracht
• In der Schweiz ist eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von staatlicher Seite für Katzen seit 2007 existent.
• TASSO e.V., Europas größtes Zentralregister unterstützt die einheitliche Kennzeichnung und Registrierung der Haustiere und bietet dieses bundesweit kostenlos an.
• Die Stadt Paderborn hat, bundesweit vorbildlich, eine Kennzeichnungs-pflicht für Katzen in ihrem Stadtgebiet eingeführt.
• Der Bundestierärztekammer-Ausschuss für Tierschutz hat am 3.9.2009 das Vorgehen der Stadt Paderborn begrüßt und alle Gemeinden und Landkreise aufgefordert, sich diesem Vorgehen anzuschließen. Bund und Länder sollten das bestehende Modell unterstützen und weitere Pilotprojekte fördern. Die Bundestierärztekammer wird in einem Schreiben an das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vorschlagen, bei einer anstehenden Revision des Tierschutzgesetzes das Kennzeichnungs- und Kastrationsgebot aufzunehmen.
• Die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern sind sich bezüglich der Kennzeichnungspflicht für Katzen einig, dass dieses einheitlich im Interesse des Tierschutzes umzusetzen ist.
• Berlin hat mittels Hundeverordnung seit dem 1. Januar 2005 (Übergangsfrist bis 2010) eine generelle Kennzeichnungspflicht aller Hunde eingeführt.
• Für andere Tierarten, wie das Pferd, ist eine flächendeckende Kennzeichnung in der Bundesrepublik Deutschland bereits eingeführt.


Kennzeichnung mittels Transponder

Fakten zum Thema: Art der Kennzeichnung
Das Einsetzen eines Transponder ist nicht besonders schmerzhaft. Vielmehr ist die fachgerechte Implantation mit einer ordentlich durchgeführten Impfung vergleichbar. Bei der regelrechten Durchführung einer Tätowierung ist er dagegen von einem wesentlich höheren Schmerzaufkommen auszugehen. Schon aus diesem Grunde ist die Implantation eines Transponders ohne Sedierung oder Narkose möglich.
Die Behauptung, der Transponder würde wandern, entspricht nicht den Tatsachen. Wird der Transponder fachgerecht in Höhe des zweiten Halswirbels (direkt hinter dem Atlasflügel) auf der linken Halsseite implantiert, verwächst er sehr schnell mit dem umliegenden Gewebe. Da ein Transponder deutlich weniger als 1 g Gewicht hat, greift auch keine Schwerkraft, die ihn nach unten ziehen und damit wandern lassen könnte.
Allgemein verbreitet ist auch der Glaube, ein Transponder würde Strahlung abgeben. Dies ist allerdings falsch. Ein Transponder besteht äußerlich aus einer Glas- oder Biopolymer- Oberfläche. Im Übrigen ist er inaktiv. Vielmehr wird die Kupferspule vom Lesegerät aktiviert und gibt über Radiowellen die Kennzeichnung frei. Erlischt die Aktivierung durch das Lesegerät, wird der Transponder wieder inaktiv.
Auch die Verunsicherung von Tierhaltern, häufig durch das Internet, ein Transponder könne Krebs auslösen, sind weder belegt noch haltbar. Seit über 20 Jahren werden Transponder implantiert. Es existiert keine wissenschaftliche Veröffentlichung, wonach es am Transponder gehäuft zur Entstehung von bösartigen Tumoren kommen würde.
Eine weitere Verunsicherung, der Transponder könne innere Verletzungen verursachen, ist ebenfalls falsch. Richtig implantiert, liegt der Transponder in der Unterhaut. Im Bereich der Unterhaut des linken Halses gibt es keine Gefäße oder Nerven, welche durch ihn verletzt werden könnten.
Manchmal wird die Meinung vertreten, der Transponder müsse nach einigen Jahren gewechselt werden. Da der Transponder über keine Batterie und auch über keine sonstige Aktivität verfügt, kann er sich nicht erschöpfen. Vielmehr muss er aktiviert werden um lediglich seine Kennnummer freizugeben. Sie kann sich daher im Transponder auch nicht ändern.
Mittels Transponder kann das Tier geortet werden? Dieses wäre durchaus manchmal wünschenswert, ist allerdings nicht möglich! Lediglich durch die Energiequelle des Lesegerätes, welches sich maximal 15-20 cm vom Transponder entfernt bewegen muss, ist der Transponder auszulesen. Eine weitere Identifikation ist nicht möglich.
Viele Angaben über die Datenspeicherung auf den Transponder sind schlichtweg falsch. Es werden weder personenbezogene Daten des Besitzers noch Daten zum Tier selber gespeichert.
Vielmehr enthält der Transponder eine 15-stellige Nummer, welche weltweit einmalig vergeben ist. Dabei ergibt der dreistellige Zahlencode am Anfang die Länderbezeichnung nach ISO Standard: 276 für Deutschland, 756 für die Schweiz, 056 für Belgien, 040 für Österreich, 528 für Holland, 250 für Frankreich, 380 für Italien, 724 für Spanien und 826 für England, um nur einige zu nennen. Diese drei Zahlen geben das Herstellungsland für den Chip wieder und damit auch das Land der Implantation. Als 4. Zahl folgt eine 0, gefolgt von 3 Zahlen der Herstellerkennzeichnung. Es folgen 8 Stellen der Individualkennzeichnung. Weitere Daten sind auf dem Transponder nicht vorhanden.