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Flüchtlinge und Integration
 

Willkommenspreis 2014

Sozialministerin und Landesintegrationsbeauftragte Monika Bachmann hat heute (16.12.2014) insgesamt neun Vereine, Initiativen, Organisationen und sonstige Gruppen für Ihr beispielhaftes Engagement für die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgezeichnet und ihnen den Willkommenspreis 2014 überreicht. „Angesichts der vielen Menschen, die aus den verschiedensten Gründen in unser Land kommen, wird deutlich, welch wichtige und unverzichtbare Arbeit im Bereich des Ehrenamts für diese Menschen geleistet wird“, sagte Ministerin Monika Bachmann anlässlich der Verleihung in der Staatskanzlei. „Vereine, Initiativen und Organisationen sind ein bedeutendes Bindeglied zwischen den Migranten und der einheimischen Gesellschaft. Sie fördern die gesellschaftliche Teilnahme und Teilhabe zugewanderter Menschen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Aufgabe der Politik ist es, dieses große Engagement in unserem Land zu unterstützen und zu würdigen und gute Beispiele aufzuzeigen, um die Menschen zu motivieren, sich aktiv für zugewanderte und geflüchtete Menschen einzubringen.“

Der Willkommenspreis wird in den Kategorien „Sport“, „Soziales“ und „Kultur“ verliehen und war in diesem Jahr mit einem Preisgeld von insgesamt 8.000 Euro dotiert. In der Kategorie „Soziales“ haben zwei Preisträger den zweiten Platz erreicht. Darüber hinaus wurde in diesem Jahr noch ein zusätzlicher Sonderpreis verliehen.

Sozialministerin Bachmann lobte die hohe Bereitschaft der saarländischen Bevölkerung, sich um Flüchtlinge zu kümmern und dadurch menschliche und soziale Verantwortung zu übernehmen. „Diese Solidarität und Hilfsbereitschaft macht mich stolz“, sagte die Ministerin bei der Überreichung der Preise.

Willkommenspreis 2014 - Die Preisträger im Einzelnen:

Kategorie Sport

1.     Preis: Saarbrücker Fitness- und Boxclub 09 (SFBC 09) e.V.

Der Saarbrücker Fitness- und Boxclub 09 (SFBC 09) e.V. führt Kinder und Jugendliche an den Kampfsport als sinnvolle Beschäftigungsmaßnahme heran. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Vereins ist die Förderung der sozialen Integration von verhaltensauf- oder straffälliger Kinder und Jugendlicher mit und ohne Migrationshintergrund. Der Verein ist auch im Bereich des Behinderten- und Rehasports aktiv und als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe im Regionalverband Saarbrücken anerkannt. Der Verein kooperiert mit lokalen Schulen und schafft auf diese Art Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund, am Vereinssport teilzunehmen. Über 120 Kinder sind in den Kinderkickbox und Jiu Jutsu Kursen, die 4x wöchentlich angeboten werden gemeldet. Ca. die Hälfte hat einen Migrationshintergrund. Im Erwachsenenbereich (Kampfsportbereich) ergibt sich ein ähnliches Bild. Über 2/3 der Kameraden und Kameradinnen des Sportvereins bringen ebenfalls einen Migrationshintergrund mit. Der Preis ist mit 1200 Euro dotiert.

2. Preis: Budo Club Dillingen / Freyming Merlebach Judo

Der Budo Club Dillingen und der Judoclub Freyming Merlebach kooperieren über die deutsch-französische Grenze hinaus. Insbesondere im Judoclub Freyming-Merlebach sind viele Migranten und Mitglieder muslimischen Glaubens engagiert. Der Austausch findet also nicht nur innerhalb der Kulturen und Religionen sondern auch „über die Grenze“ statt.

Neben der Förderung des Judosportes sind die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen sowie die Integration ausländischer Mitbürger und Inklusion von Menschen mit Behinderungen durch die gemeinsame Ausübung des Judosports wesentliche Tätigkeitsbereiche der beiden Judosport-Vereine.  Kinder und Jugendliche erhalten hier auch individuelle persönliche Betreuung bei schulischen und sozialen Schwierigkeiten.

Der Preis ist mit 800 Euro dotiert.

3. Preis: Sportfreunde 05 Saarbrücken e.V.

Die Sportfreunde 05 Saarbrücken e.V. bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ausländischer Herkunft oder aus sozial schwachen Familien in Saarbrücken-Malstatt und Umgebung neben der Möglichkeit der Ausübung des Jugend- und Amateurbreitensports (insbesondere Fußball) auch soziale Betreuung und Hausaufgabenhilfe an. Der Verein kooperiert eng mit Kindergärten, Schulen und dem Zentrum für heilpädagogische Kinder-, Jugend- und Familienhilfe „Theresienheim“. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.

Kategorie „Kultur

1. Preis: Interkultureller Chor „Stimmenvielfalt“ des Diakonischen Werks an der Saar

Im Interkulturellen Chor sind Deutsche und Zugewanderte gleichermaßen eingebunden. Gegenseitiges Kennenlernen und Wertschätzung wird durch das gemeinsame Singen von Liedern aus allen Kulturen kultiviert. Mit den Chorauftritten werden die Themen "Zuwanderung" und "Kulturelle Vielfalt" als Bereicherung für die Gesellschaft dargestellt. Der Chor hat 25 Sängerinnen, wovon 13 einen Migrationshintergrund haben. Der Chor tritt bei verschiedenen Gelegenheiten, wie z.B. Stadtteilfesten, Stadtteilforen, Veranstaltungen zur "Interkulturellen Woche", Einbürgerungsfeiern, Veranstaltungen von Kirchengemeinden, Chorkonzerten usw. auf. Teilweise gibt es auch gemeinsame Auftritte mit Musikensembles. Mit dem Projekt "Singbar" werden Lieder und Geschichten aus verschiedenen Kulturen zutage gefördert und für den Chorgesang musikalisch bearbeitet. So sollen zwischen den bestehenden Chor- und Musikensembles von Migranten und der einheimischen Chorlandschaft Verbindungen hergestellt werden. Der Preis ist mit 1200 Euro dotiert.

2. Preis Mochila Productions

Mochila ist eine Gruppe von jungen Leuten, die sich aus verschiedenen Bereichen und auf verschiedene Art und Weise für die Gesellschaft engagieren. Die Idee ist in der Zusammenarbeit von ausländischen sowie einheimischen Studenten der Universität des Saarlandes entstanden, die alle ihre Ideen und Projekte in einer zentralen Gruppe zusammenbringen wollten. Die Arbeit der Initiative besteht überwiegend aus Medienprojekten und –bildung sowie Veranstaltungen zu den Themen Integration, Interkulturalität, Kommunikation und Kunst. Viele der Mitglieder der Initiative sind gleichzeitig Mitarbeiter von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen und engagieren sich sehr oft in Schulen (zum Beispiel mit dem Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland oder an der Universität mit der Initiative Fairtrade University). Darüber hinaus sind einige der Mitglieder in Projekten wie Wohnen für Hilfe, Sprachpatenschaft bei Caritas oder auch in Initiativen wie das studentische Theaterfestival Grafiti 2015, das von der Initiative selbst organisieren wird, engagiert. Der Preis ist mit 800 Euro dotiert.

3. Preis:Projekt „AYANDE meets ZUKUNFT“ des Diakonischen Werks an der Saar  

Das Projekt AYANDE ist in der Flüchtlingsberatungsstelle des Diakonischen Werks an der Saar in der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Lebach angesiedelt. Das Projekt richtet sich an unbegleitete Flüchtlinge ohne Anerkennung, die bei Beendigung von Jugendhilfeleistungen nach Erreichen der Volljährigkeit in der Landesaufnahmestelle sowie in Kommunen untergebracht sind. Ziel des Projektes ist es, jungen Flüchtlingen fachgerechte Begleitung und Förderung zukommen zu lassen, um sie in sehr belastenden und schwierigen Lebensumständen zu unterstützen. Zur Integration von Flüchtlingen wurde Anfang 2014 ein Theaterprojekt ins Leben gerufen, bei dem 10 afghanische Flüchtlinge aus der Landesaufnahmestelle in Lebach gemeinsam mit einheimischen Jugendlichen des Café Exodus in Saarbrücken über einen Zeitraum von ca. 3 Monaten ein Theaterstück einstudierten. Das Theaterprojekt fand im und in Kooperation mit dem Theater im Viertel statt. Die Proben wurden unter Leitung eines iranischen Regisseurs durchgeführt, unter Begleitung einer iranischen Musiklehrerin. Neben den Jugendlichen des Cafe Exodus wohnten dem Theaterprojekt drei Studierende der Fachrichtung „Interkulturelle Kommunikation“ der Universität des Saarlandes im Rahmen eines Praxisseminares bei. Der Preis ist mit  500 Euro dotiert.

Kategorie „Soziales“

1. Preis: Kreisfeuerwehrverband Saarlouis

Der Kreisfeuerwehrverband Saarlouis engagiert sich seit 2013 durch zahlreiche Aktionen im Bereich der Förderung der gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. 2014 wurde den Feuerwehren im Landkreis Saarlouis das Projekt "Feuerwehr für ALLE" vorgestellt. In Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Saar-Hochwald in Saarlouis wurden Workshops für Feuerwehrangehörige zum Umgang mit Migranten durchgeführt. Das Projekt wurde auch in das Programm der "Interkulturellen Woche" des Landkreises Saarlouis integriert. Hier wurden Vorstellungs- und Aufklärungsveranstaltungen in den Moscheen Dillingen und Schmelz durchgeführt. Gleichzeitig wurden Plakate für diese Veranstaltungen sowie ein Roll-Up und separate Flyer für die aktiven Feuerwehren und die Jugendfeuerwehren des Landkreises Saarlouis in Eigenleistung erstellt. Die Flyer wurden so entwickelt, dass sie in einer kurzen Darstellung die Arbeit der Jugendfeuerwehr, bzw. die Aufgaben der aktiven Feuerwehr erklären. Nach Erstellen der deutschen Seite wurden die Flyer und Info-Materialien mit Hilfe von Freunden und Bekannten in verschiedene Sprachen übersetzt. Die Flyer  werden als PDF-Datei auf der Homepage des Kreisfeuerwehrverbandes Saarlouis (www.kfv-sls.de) zum kostenlosen Download hinterlegt. Ziel der Aktion ist es, dass es in Zukunft mehr ausländische Mitbürger in den Feuerwehren geben soll. Dies hat für beide Seiten einen Vorteil. Für die Feuerwehren ist damit eine bessere gegenseitige Verständigung gewährleistet, die unter Umständen Leben retten kann. Der Vorteil für Menschen mit Migrationshintergrund liegt darin, dass sie durch die Mitwirkung bei Feuerwehren eine Möglichkeit erhalten, sich gesellschaftlich zu integrieren. Darüber hinaus nimmt der KFV Saarlouis an Weiterbildungsveranstaltungen zum Thema Migration beim Deutschen Feuerwehrverband in Koblenz und Berlin teil und unterstützt weitere Aktionen zur Integration ausländischer Mitbürger in den Feuerwehren des Deutschen Feuerwehrverbandes („Miteinander“ und „112 Willkommen bei uns“). Der Preis ist mit 1200 Euro dotiert.

2. Preis: Stadtteilkonferenz Lebendiges Erbach e.V.

Die Stadtteilkonferenz Lebendiges Erbach besteht aus Bürgern, Vereinen, Einrichtungen, Gewerbetreibenden des Homburger Stadtteil Erbachs, die sich seit 1998 mit dem Ziel Erbach zu einem lebendigen und lebenswerten Ort für alle zu entwickeln, zusammengefunden haben. Ziel ist u.a. das soziale Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, die Lebens- und Wohnqualität zu verbessern und die soziale Integration zu unterstützen.

Seitdem wurden und werden in verschiedenen AG's und Projektgruppen zahlreiche dementsprechende Projekte umgesetzt:

-       INTERKULTURELLER "GARTEN DER BEGEGNUNG": Der Garten der Begegnung  besteht mittlerweile in seinem 3. Jahr und bringt Menschen unterschiedlicher Kulturen, unterschiedlicher Hintergründe, junge und alte sowie behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen.

-       Das CAFÈ RAT & TAT ist ein  regelmäßiges, monatlich stattfindendes Café mit Beratungs- und Informationsangeboten im Haus der Begegnung Erbach, insbesondere für partizipationsferne Gruppen, wie z.B. ältere Menschen mit Migrationshintergrund.

-       ÄLTER WERDEN IN DEUTSCHLAND - INFORMATIONSREIHE FÜR SENIOREN MIT TÜRKISCHEM MIGRATIONHINTERGRUND: Wöchentliche Treffen mit wechselnden Themen und Begleitung von deutschen und türkisch-sprachigen Ehrenamtlichen unter Einbeziehung wechselnder, themenbezogener Experten (Inhalte: vielfältige Informationen und Einblicke in die Leistungen der deutschen Altenhilfe; von Fragen zum Altern, zur Versorgung, zum Wohnen und zur Sicherheit im Alter, zu Versicherungen und Medikamenten, aber auch zum Verhältnis von Eltern zu Kindern im Hinblick auf Pflege)

-       INTERRELIGIÖSER AUSTAUSCH: Auf Anregung der SeniorInnen, welche an der Informationsreihe „Älter werden in Deutschland“ teilgenommen haben, wurde ein Austausch zwischen den in Erbach ansässigen Kirchen- und Moscheengemeinden initiiert.

-       INTERNATIONALES FRÜHSTÜCK: Das Internationale Frühstück findet einmal im Monat statt und bietet Gelegenheit verschiedene Kulturen kennen zulernen und vorzustellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Preis ist mit 800 Euro dotiert.

2. Preis: Türkischer Elternbund Neunkirchen e.V.

Hauptziel des Vereins ist die Förderung der gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, was durch die Initiierung von Festen und Bildungsaktivitäten für Kinder und Jugendliche umgesetzt wird. Der Verein arbeitet eng mit deutschen und anderen Migrantenorganisationen zusammen und ist eng mit den Schulen in der Umgebung vernetzt. Ein neu initiiertes Projekt „Anneeli“ („Mutterhand“) unterstützt erwerbslose Frauen mit Migrationshintergrund durch die Vermittlung von Grundkenntnissen im Gastronomie-Bereich in ihrer Eigenständigkeit. Der Preis ist mit 800 Euro dotiert.

Ein Sonderpreis geht an die Pfarreiengemeinschaft Namborn-Oberthal für das Engagement hinsichtlich der Integration von syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen.