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Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt
 

Reaktionen des Umfeldes

In der Regel können die Opfer Häuslicher Gewalt nicht auf Hilfestellungen der sozialen Umgebung zählen. Die Einstellungen der Nachbarschaft, des Freundeskreises und der Verwandtschaft sind häufig von ähnlichen Schuldverschiebungen auf das Opfer geprägt, wie sie von den Tätern vorgenommen werden, aber auch von den Opfern selbst. Diese Tendenz des Victim-Blaming ist nicht auf den Bereich Häuslicher Gewalt beschränkt, findet sich aber verstärkt bei Gewalttaten. Die Opfer erfahren eine soziale Abwertung, Stigmatisierung und Ausgrenzung; soziale Unterstützung wird ihnen vorenthalten.
Viele Menschen neigen dazu, Opfern von Gewalttaten eine Mitverantwortung an dem Geschehen zuzuschreiben, um ihren „Glauben an eine gerechte Welt“ aufrecht erhalten zu können.
Die Reaktion des sozialen Umfelds ist nicht nur in der Akutsituation von Bedeutung, sondern spielt eine besondere Rolle bei der Bewältigung der Traumatisierung, denn ohne angemessene soziale Unterstützung leiden die Opfer deutlich länger und intensiver an den Spätfolgen. Dieser erhebliche Einfluss geht von negativen Umweltreaktionen sowohl aus dem privaten als auch aus dem behördlichen Bereich aus .

Literatur: Herman, Ruth Lewis: Die Narben der Gewalt: Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1994; Lerner, M.J.: „The Belief in a Just World“, New York 1980; Dearing, Albin /Förg, Elisabeth (Hg.): „Konferenzdokumentation ,Polizeiarbeit gegen Gewalt an Frauen’“, Wien 1999; Finkelhor, D./ Brown, A.: Assessing the long-term impact of child sexual abuse“ zitiert nach Wetzels, Peter: „Gewalterfahrungen in der Kindheit“, Baden-Baden 1997