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Ausbildung
 

AnschlussDirekt – ein Erfolgsmodell zur Fachkräftesicherung wird erweitert

07.11.2018

Das Projekt „AnschlussDirekt“ (AnDi) verfolgt seit 2010 das Ziel, möglichst viele Jugendliche nach dem Schulabschluss ohne Umwege in die duale Ausbildung zu bringen. Es richtete sich bisher insbesondere an Jugendliche, die voraussichtlich einen mittleren bis guten Hauptschulabschluss erreichen. 31 (Gemeinschafts-)Schulen nahmen bisher saarlandweit teil. Nun wurde die Förderung ausgeweitet.

Dies berichteten Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen und Heidrun Schulz, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, bei einem Pressegespräch. Der Kooperationsvertrag zur Fortführung des Projektes eröffne auch die Möglichkeit, es ab diesem Schuljahr auf ausgewählte Berufsbildungszentren auszudehnen.

Rehlinger: „Unser Fokus lag bisher auf den Hauptschulabsolventen. Die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen. Das Team von AnDi hat in den vergangenen Jahren viele von ihnen unmittelbar nach ihrem Abschluss erfolgreich in eine betriebliche Ausbildung gebracht. Von 113 Schülern, die im Schuljahr 2017/2018 am Projekt teilgenommen haben, konnten die Berater 77 in Ausbildung vermitteln.“ Die Vermittlungsquote lag bei rund 70 Prozent und sei damit in den letzten drei Jahren um fast 20 Prozent gestiegen, so die Ministerin. Rund 630 junge Menschen konnten dank AnDi in den letzten Jahren in eine ungeförderte duale Ausbildung vermittelt werden.

Die direkte Ansprache und Unterstützung der Schüler vor Ort in der Schule, gepaart mit einem praxisnahen Beratungspaket in Kooperation mit zahlreichen Wirtschaftspaten, spielen hierbei eine zentrale Rolle. „Mit der Erweiterung von AnschlussDirekt auf die Berufsbildungszentren wollen wir die Vermittlung in Ausbildung beschleunigen und unnötige Warteschleifen im Übergangssystem vermeiden. Viele Schüler streben bereits zu den Berufsfachschulen. Daher bieten wir das an den Gemeinschaftsschulen bereits erfolgreich erprobte Projekt im Schuljahr 2018/2019 auch an ausgewählten Berufsbildungszentren an“, so Heino Klingen.

„Eine individuelle Berufsorientierung ist der Garant für einen erfolgreichen Berufseinstieg und eine abgeschlossene Ausbildung. Hier arbeitet das Projekt erfolgreich mit den Beraterinnen und Beratern der Agentur für Arbeit und den Jobcentern zusammen. Nachweislich haben Frauen und Männer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mit AnschlussDirekt sind wir auf einem guten Weg, auch im Hinblick auf die Fachkräftesicherung“, so Heidrun Schulz. „Wir als Partner sind uns einig, dass wir dieses Projekt langfristig fortführen wollen. Daher beteiligen wir uns in deutlich größerem Umfang an der Finanzierung von AnschlussDirekt.“

Die Ausweitung des Projektes erfolgt im Rahmen einer dreijährigen Pilotphase, zunächst an drei ausgewählten Berufsbildungszentren aus unterschiedlichen Landkreisen:

  • Technisch-gewerbliches Berufsbildungszentrum I Saarbrücken,
  • Kaufmännisches Berufsbildungszentrum Saarlouis und
  • Berufsbildungszentrum St. Ingbert.

Somit können alle ausbildungsinteressierten Schüler/innen mit Hauptschulabschluss im Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) und im Berufsgrundschuljahr (BGS) sowie Schüler/innen der Berufsfachschulen den Service von AnDi nutzen. Finanziert wird dieser Ausbau des Projektes auch von der RAG-Stiftung, jeweils 10 Prozent werden vom Wirtschaftsministerium und der IHK Saarland getragen.

Das Pressegespräch der Projektpartner fand in den Räumen der Firma Brück GmbH in Saarbrücken-Ensheim statt. Hintergrund ist, dass dort der Auszubildende Tobias Hartmann beschäftigt ist. Er hat im September eine Ausbildung zum Elektroniker der Fachrichtung Betriebstechnik begonnen. Er zeigte sich „stolz, dass ich einen Ausbildungsplatz in meinem Wunschberuf Elektroniker Betriebstechnik bekommen habe“. Dafür habe er sich mächtig angestrengt, berichtet das Beraterteam, die Anforderungen an die Bewerber in diesem Beruf seien hoch. Tobias habe in der Mandelbachtalschule Ommersheim das Projekt AnDi kennengelernt und sich spontan angemeldet. Gemeinsam mit seiner AnDi-Beraterin Nancy Kalkes schrieb er Bewerbungen und wurde gezielt auf Einstellungstests und Vorstellungsgespräche vorbereitet.

 

HINTERGRUND

Auf den Weg gebracht wurde AnschlussDirekt vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr. Projektpartner sind neben dem Ministerium für Bildung und Kultur die IHK Saarland, die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, die RAG-Stiftung, die Handwerkskammer des Saarlandes und die Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände.

Praxisnahe Beratung in Kooperation mit Wirtschaftspaten bietet den Schüler/innen ein persönliches Einzelcoaching in Fragen der beruflichen Orientierung, der Berufswahl, des Bewerbungs- und Auswahlverfahrens sowie der Ausbildungsplatzsuche.

Mit der Einführung der Nachbetreuung im ersten Ausbildungsjahr in 2014 konnte die Abbrecherquote in den vergangenen Jahren von 18 Prozent auf 6 bis 8 Prozent gesenkt werden. Dieser Wert liegt deutlich unter den üblichen Abbrecherquoten. Im IHK-Umfeld liegt diese bei knapp über 20 Prozent. Damit wird auch der Beweis geführt, dass mit den ergänzenden Aktivitäten durch AnDi die Situation der Auszubildenden verbessert wird.

2016 wurde bereits als weiteres Angebot das Modul „Passgenaue Besetzung“ eingeführt. Dessen Ziel ist es, kleine und mittlere Unternehmen bei der Besetzung ihrer freien Lehrstellen zu unterstützen sowie interessierte Bewerberinnen und Bewerber schulabschlussübergreifend bei der Suche nach einer Lehrstelle zu beraten. Das Teilprogramm wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie den Europäischen Sozialfonds gefördert.