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Tourismus
 

Rehlinger: „Wachstumsbremse für den Tourismus muss vermieden werden.“

25.10.2018

Eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik, Gewerkschaften, Unternehmen und Kammern ist notwendig, um im Gastgewerbe eine entspanntere Personalsituation zu erreichen. Dies war Konsens bei einer Veranstaltung, zu der die Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz, Anke Rehlinger, in die Berliner Landesvertretung des Saarlandes eingeladen hatte. Das Risiko, dass die positive Tourismusentwicklung in Deutschland durch Fachkräftemangel ausgebremst wird, sei beherrschbar. „Mit Branchenvertretern und Gewerkschaftern haben wir ausführlich erörtert, an welchen Stellschrauben jetzt gedreht werden muss“, so die Ministerin.

Der Tourismus sei für Deutschland ein Stabilitätsfaktor. Dafür stehe eine Bruttowertschöpfung von 44,9 Mrd. Euro im Jahr 2016, ungefähr in der Größenordnung der chemischen Industrie. Rehlinger: „Die tourismuspolitischen Ziele, die sich Bund und Länder gesteckt haben, dienen aber nicht nur der ökonomischen Weiterentwicklung, sondern auch dazu, die Attraktivität der Regionen zu erhalten und wo immer möglich noch auszubauen. Dies ist für die Bundesländer, die besonders mit demographischen Verwerfungen zu kämpfen haben, eine ebenso wichtige wie herausfordernde Aufgabe.“

Für einen Aktionsplan zur Fachkräftesicherung im Hotel- und Gaststättengewerbe hatte deshalb eine länderübergreifende Facharbeitsgruppe der Wirtschaftsministerkonferenz Analysen und Empfehlungen vorgelegt.

Elemente dieses Zehn-Punkte-Plans sind Qualitätsstandards der Aus- und Weiterbildung ebenso wie innovative Arbeitszeitmodelle, die Einführung eines einheitlichen Gütesiegels sowie der Start einer Imagekampagne für die Branche. Eine besondere Bedeutung wird der Schaffung eines attraktiven Arbeitsumfelds beigemessen. Dazu gehören neben einer angemessenen Entlohnung auch Austauschprogramme mit ausländischen Betrieben. Der Anteil von unbefristeten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen sollte trotz aller Zwänge zu Flexibilität und durch Saisonabhängigkeit möglichst hoch sein.

Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des „Sieben von Deutschen Industrie- und Handelskammertags: zehn Gastbetrieben sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre Geschäftsentwicklung - so die jüngsten DIHK-Umfragen. Die angespannte Arbeitskräftesituation kann deshalb in den nächsten Jahren immer mehr zur Wachstumsbremse für den Deutschlandtourismus werden. Nicht nur die Unternehmen müssen sich hier deshalb engagieren, auch die Politik sollte die richtigen Weichen stellen. Dazu gehört, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch mehr Betreuung für Grundschüler zu verbessern und auch die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte weiter zu vereinfachen.“

Im Zehn-Punkte-Plan wird im Übrigen gefordert, dass die Qualitätssicherung in der Ausbildung mehr Raum einnehmen soll. Dazu müsse auch eine kontinuierliche Weiterbildung der Ausbilder erreicht werden.

Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und „Die guten, engagierten Arbeitgeber und Gaststättenverbandes: Ausbilder müssen das Bild der Branche prägen! Von der Politik in Bund und Ländern erwarten wir eine Offensive für duale Ausbildung. Azubis sind von Steuern und Sozialabgaben auf Unterkunft und Verpflegung zu befreien, die Berufsschulen besser auszustatten. Unverzichtbar für die Fachkräftesicherung ist politischer Rückenwind auch beim Einwanderungsgesetz sowie der Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes.“

Dr. Philipp Steinberg, Abteilungsleiter im Bundeswirtschaftsministerium: „Fachkräftemangel ist für die deutsche Wirtschaft aktuell mit das höchste Geschäftsrisiko. Der Koalitionsvertrag sieht deshalb vor, im Rahmen einer nationalen Tourismusstrategie u.a. eine Fachkräfteoffensive mit der Tourismusbranche auf den Weg zu bringen. Dabei wird die Bundesregierung auch den vorgelegten Zehn-Punkte-Plan berücksichtigen, im engen Schulterschluss mit den Ländern.“

Auf der Grundlage der jetzt vorliegenden Vorschläge sei es „möglich, die Entwicklung zu Gunsten der Tourismuswirtschaft besser zu steuern“, so Ministerin Rehlinger. Entscheidend sei, dass die Branche auch selbst aktiv werde und Anstrengungen unternehme, ein günstiges Arbeitsumfeld zu bieten: „Ein betriebliches Gesundheitsmanagement gehört zu attraktiven Arbeitgebern genauso wie Anreize für ältere Beschäftigte. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss trotz aller Zwänge auch für das Gastgewerbe gelten.“

Guido Zeitler, stellvertretender NGG-Bundesvorsitzender: „Der Zehn-Punkte-Plan sieht zunächst völlig zu Recht die Branche selbst in der Pflicht durch die Sicherstellung guter Arbeitsbedingungen die Attraktivität der Arbeitsplätze im Tourismus zu erhöhen. Dazu gehören für uns selbstverständlich betriebliche Mitbestimmung und die flächendeckende Tarifbindung. Wir strecken hier gerne die Hand an alle Beteiligten aus. Alleine die Praxis in den Betrieben wird zeigen, ob es die Branche ernst meint mit dem dringend notwendigen Kulturwechsel. Gute Arbeitsbedingungen sprechen sich unter den Beschäftigten rum, schlechte aber auch.“