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Justizvollzugsanstalt Ottweiler
 

Deliktaufbereitung

Einen unverzichtbaren Bestandteil des Resozialisierungsprozesses bildet die so genannte Deliktaufarbeitung. Diese beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung des Gefangenen mit den von ihm begangenen Straftaten unter besonderer Berücksichtigung des Tatmotivs, des Tathergangs sowie des Tatmusters. Ziel ist es, eine Tateinsicht und Opferempathie zu bewirken. „Die Einsicht in die beim Opfer verursachten Tatfolgen" (§ 3, Abs. 1 SJStVollzG) sind im saarländischen Jugendstrafvollzugsgesetz explizit als Bestandteil des Erziehungsauftrages benannt. Grundlage der Aufarbeitung der kriminellen Vorbelastung ist die genaue Analyse der Täterpersönlichkeit im Rahmen der Sozialanamnese bzw. der gesamten Basisdiagnostik.

Aufgabe der Deliktaufarbeitung ist eine größtmögliche Rückfallprävention. Durch das Herausarbeiten kriminogener und kriminovalenter Tat- und Persönlichkeitsmerkmale sollen zunächst dissoziale Einstellungen und Verhaltensweisen deutlich gemacht werden, damit weitere behandlerische Interventionen überhaupt möglich werden. Auf dieser Grundlage muss überlegt werden, welche Maßnahmen zur Reduzierung der delinquenzrelevanten Faktoren geeignet sind und sich während der Inhaftierungszeit durchführen lassen. Langfristiges Ziel ist es, hinsichtlich einer künftigen Delinquenzvermeidung nachhaltige kriminoresistente Strukturen aufzubauen und zu verfestigen.

Die Deliktaufarbeitung erfolgt in Einzel- und Gruppengesprächen mit Hilfe spezieller verhaltenstherapeutischer Strategien sowie durch gezielte psycho-soziale Trainingsmaßnahmen. Ergänzt werden diese durch begleitende Maßnahmen zur Aufarbeitung von Sozialisationsdefiziten und durch Angebote zur Förderung sozialer Kompetenzen, wie sie insbesondere im Wohngruppenvollzug regelmäßig durchgeführt werden. Dabei wird nach Möglichkeit das soziale Bezugssystem so weit wie möglich mit eingebunden. Die Ergebnisse werden von den Behandelnden rückgemeldet und in Form von Berichten sowie über den elektronischen Vollzugsplan in den gesamten Behandlungs- und Förderprozess des Gefangenen eingebracht.