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Justizvollzugsanstalt Ottweiler
 

Aufgaben und Ziele des Strafvollzugs

Gemäß den Vollzugsgesetzen soll der Gefangene im Vollzug der Freiheits- oder Jugendstrafe befähigt werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Daneben dient der Strafvollzug auch dem Schutze der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten. Er steht somit im Spannungsverhältnis zwischen Resozialisierung und dem Schutz der Allgemeinheit. Ein reiner Verwahrvollzug, der ausschließlich die Interessen von Sicherheit und Ordnung berücksichtigt, würde dem gesetzlich vorgegebenen Resozialisierungsauftrag nicht gerecht werden. Daher realisieren wir einen ressourcenorientierten, fördernden aber auch den Gefangenen fordernden Vollzug, der zum systematischen Aufbau von prosozialen Wahrnehmungs- und Verhaltenskompetenzen führt.

Ziel jeglicher Förderangebote darf dabei nicht lediglich die Anpassung des Gefangenen an eine möglichst reibungslose Anstaltsroutine sein, sondern er muss darin bestärkt werden, seine Rechte und Pflichten in eigener sozialer Verantwortung wahrnehmen zu können. Die so definierte Mündigkeit des Gefangenen setzt voraus, dass er sich über sein vorangegangenes sozialschädliches Verhalten und seine persönliche Problem- und Konfliktlage bewusst wird. Neben der Aufarbeitung seiner Kriminalität und seines Fehlverhaltens erhält der Gefangene Unterstützung in der Bewältigung seiner Probleme und Defizite. Der Gefangene soll aber auch langfristig in die Lage versetzt werden, Lernprozesse selbst zu steuern.

Die Möglichkeit zum Erwerb sogenannter „Schlüsselqualifikationen" und somit der Ausbau der eigenständigen Entwicklung findet seine Grenze jedoch naturgemäß im Bereich der Sicherheit und Ordnung der Anstalt. Deshalb müssen die baulichen und organisatorischen Gegebenheiten der Strafanstalt sowie alle vollzuglichen Maßnahmen zunächst einmal darauf ausgerichtet sein, dass die Gefangenen während ihrer Inhaftierung sicher untergebracht sind und von ihnen keine Gefährdung der Bevölkerung ausgeht. Die Verhinderung weiterer Straftaten darf allerdings nicht nur auf die Dauer der Haft reduziert sein. Vielmehr müssen alle Bemühungen und Maßnahmen auf eine möglichst dauerhafte Sicherheit der Gemeinschaft über die Zeit des Freiheitsentzugs hinaus ausgelegt sein. Dies kann nur durch eine erfolgreiche soziale (Re-) Integration von Straftätern in die Gesellschaft erreicht werden.

Ein chancenorientierter Justizvollzug fördert Bedingungen, die es dem Gefangenen ermöglichen, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Um den Inhaftierten an einen eigenverantwortlichen Umgang mit der späteren Freiheit heranzuführen soll er lernen, entsprechende Handlungs- und Entscheidungsspielräume sinnvoll auszugestalten. Dieser Lernprozess muss überwiegend während der Inhaftierung erfolgen, da die richtungsweisenden Rahmenbedingungen des Strafvollzugs mit der Entlassung des Gefangenen wegfallen und er danach sein Leben in eigener Verantwortung führen muss. Daher sollten die Forderungen und Erwartungen an den Gefangenen nicht allein aus dem äußerlichen Ordnungs- und Sicherheitsbestreben der Anstalt resultieren. Denn ein nur äußerlich angepasster Gefangener ist rückfallgefährdeter, als derjenige, dessen Verhaltensänderung auf tatsächlicher Einsicht beruht. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Sicherheit und Behandlung im Strafvollzug nur scheinbare Gegensätze darstellen. Tatsächlich ist es so, dass sich Behandlungskonzepte umso besser realisieren lassen, je sicherer und geordneter sich die Bedingungen in der Anstalt darstellen. Insofern ergänzen und fördern sich behandlerische und sicherheitsrelevante Interessen des Strafvollzugs im Idealfall gegenseitig.