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Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
 

Kleiner Lichtblick: Waldschäden im Saarland leicht zurückgegangen – Umweltminister Jost stellt Waldzustandserhebung 2017 vor

20.11.2017
 „In den kommenden Jahren pflanzen wir vermehrt klimaresistente Baumarten. Mit dem seit Jahren praktizierten Waldumbau haben wir das Risiko gesenkt und verfolgen das Ziel, den Wald dauerhaft zu erhalten.“ so Minister Jost
„In den kommenden Jahren pflanzen wir vermehrt klimaresistente Baumarten. Mit dem seit Jahren praktizierten Waldumbau haben wir das Risiko gesenkt und verfolgen das Ziel, den Wald dauerhaft zu erhalten.“ so Minister Jost

Der Zustand des saarländischen Waldes hat sich seit 2010/2011 nicht verschlechtert. Im Vergleich zur Situation im vergangenen Jahr ist 2017 sogar eine leichte Verbesserung eingetreten – ein kleiner Lichtblick. Allerdings: „Seit Beginn der Waldschadensdiskussion ist heute ein deutlich höheres Schadniveau zu beobachten. Waren 1984 nahezu 70% der untersuchten Bäume ohne sichtbare Schäden, so sind es heute  29%. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt“, stellt Umweltminister Reinhold Jost bei der Vorstellung der Waldzustandserhebung 2017 fest.

Ursache sei hier vor allem die Klimaveränderung, die dem Wald besonders zusetze. „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Erhaltung unserer Wälder. Seit 1997 waren alle Vegetationsperioden im Vergleich zum langjährigen Mittel zu warm“, so der Minister. Die bereits im Sommer 2016 begonnene Folge trockener Monate hatte sich bis in den Juni 2017 fortgesetzt. Erst der Juli brachte ergiebige Niederschläge. Und im Frühjahr 2017 entstanden an Laubbäumen verbreitet Schäden durch Spätfrost.
„Wir im Saarland sehen hier aber nicht tatenlos zu, sondern bereiten unsere Wälder auf den Klimawandel vor, so dass sie stabil genug sind, den Klimaschwankungen zu trotzen“, so Jost. Der SaarForst setze auf eine Mischung der Baumarten (wie z.B. die Eiche, der Ahorn, die Edelkastanie aber auch auf standortgerechte Nadelbaumarten wie Tanne und Douglasie), um so das Risiko für den Wald zu verringern. Jost: „In den kommenden Jahren pflanzen wir vermehrt klimaresistente Baumarten. Mit dem seit Jahren praktizierten Waldumbau haben wir das Risiko gesenkt und verfolgen das Ziel, den Wald dauerhaft zu erhalten.“

Aber nicht nur der Klimawandel allein ist für die Waldschäden verantwortlich. Minister Jost verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Belastung der Wälder durch Luftschadstoffe: „Zwar sind die Einträge an Schwefel und Schwermetallen deutlich zurückgegangen, doch die Säurebelastung übersteigt immer noch das Pufferpotenzial vieler Waldstandorte. Gegenmaßnahmen wie die Bodenschutzkalkung sind daher weiterhin notwendig. Auch die Stickstoffeinträge übersteigen nach wie vor die Schwellenwerte der Ökosystemverträglichkeit. Die Ozonspitzenwerte sind zwar zurückgegangen. Dennoch wirkt Ozon auch weiterhin waldschädigend.“

Der Zustand des Waldes im Saarland hat sich 2017 insgesamt leicht verbessert. Der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden ist von 24 % (2016) auf 29 % gestiegen. Der Anteil an Bäumen mit deutlichen Schäden hat sich um drei Prozentpunkte auf 26 % verringert. Betrachtet man die einzelnen Baumarten, so verlief die Entwicklung jedoch unterschiedlich.

Als Indikator für die Waldgesundheit  gelten die im forstlichen Umweltmonitoring untersuchten Nadel- und Blattverluste. Auch dieses Jahr haben Experten der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt in Kooperation mit dem SaarForst Landesbetrieb die umfangreichen wissenschaftlichen Daten über den Gesundheitszustand des saarländischen Waldes erhoben.

Der Zustand der wichtigsten Baumarten in der Übersicht:
Buche: Die Buche ist im Saarland mit 23% Flächenanteil die wichtigste Baumart und zugleich Leitbaumart der natürlich vorkommenden Waldgesellschaften.
Der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden (Schadstufe 0) ist um acht Prozentpunkte auf 22 % gestiegen (Vorjahr 14 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist um 26 Prozentpunkte auf 34 % gesunken (Vorjahr 60 %).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich 2017 der Kronenzustand der Buchen deutlich verbessert hat. 2017 hatte die Buche nicht fruktifiziert (keine Bucheckern gebildet), die Belastung durch starken Fruchtbehang blieb also aus, entsprechend konnte sich die Buche gut erholen.
Eiche: Die Eiche ist im Saarland mit einem Flächenanteil von 21 % vertreten. Gegenüber der Buche hat sich der Kronenzustand der Eichen etwas verschlechtert.
Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist zwar um vier Prozentpunkte auf 31 % gestiegen (Vorjahr 27 %). Allerdings ist auch der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) von 19% im Vorjahr auf 22 % gestiegen.
Der geringe Anstieg des Schadniveaus ist auf mehr oder minder starke Schäden durch blattfressende Insekten der so genannten Eichenfraßgesellschaft Frostspanner, Eichenwickler, Eichenprozessionsspinner und Schwammspinner zurückzuführen.
Fichte: Die Fichte hat einen Flächenanteil von 16 %. Gegenüber dem Vorjahr ist der Kronenzustand der Fichte weitgehend unverändert geblieben. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist um drei Prozentpunkte auf 23 % angestiegen. Bei den deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) sind wie im Vorjahr 24% der Fichten betroffen.
Die Fichten leiden stärker als die meisten anderen Baumarten unter Schadereignissen, besonders Sturmwurf und Borkenkäferbefall.
Kiefer: Die Kiefer hat landesweit einen Anteil von knapp 5 %. Bei der Kiefer  hat sich der Kronenzustand etwas verschlechtert. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist zwar um zwei Prozentpunkte auf 40 % gestiegen. Allerdings ist auch der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) gestiegen – um vier Prozentpunkte auf aktuell 14 %.
Sonstige Baumarten: Darunter werden Esche, Birke, Lärche, Ahorn und Douglasie und weitere Arten zusammengefasst.  Der Anteil der Bäume beläuft sich landesweit auf 36%.
2017 war die Entwicklung der Kronenverlichtung bei den Nebenbaumarten unterschiedlich. Lärche, Birke und Ahorn haben sich in ihrem Kronenzustand verbessert, bei der Douglasie zeigt sich keine wesentliche Veränderung.
Zu den „Schattenseiten“ gehört in diesem Jahr zweifelsohne der Anstieg  der Kronenschäden bei der Esche. Ursächlich  ist das zunehmend massive Auftreten des Eschentriebsterbens, das durch eine Pilzinfektion mit dem  „Eschenstängelbecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus)  verursacht wird. Die frisch abgestorbenen, feinen Dürräste sind namensgebendes Symptom des Eschentriebsterbens.  Resultat:  Der Anteil der Eschen in der zusammengefassten Schadstufe 2-4  ist gegenüber dem Vorjahr von 29% auf 56% gestiegen.