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Saarforst Landesbetrieb
 

Eichenprozessionsspinner auf dem Vormarsch

26.06.2017
Eichenprozessionsspinner Foto: SFL
Eichenprozessionsspinner Foto: SFL

„Der Eichenprozessionsspinner, ein für empfindliche Menschen unangenehmer Schädling, der bislang nur in Parkanlagen und an besonnten Waldrändern punktuell aufgetreten ist, wurde jetzt auch in lichten Eichenwäldern gesichtet“, so Joachim Stelzer, Leiter der Abteilung Biologische Produktion im SaarForst Landesbetrieb. Besiedelt werden verschiedene eichenreiche Wälder, bevorzugt an trockenen und lichten Orten. Die Tiere treten jedoch auch an Einzelbäumen auf, wie etwa an Straßenrändern, in Parks und auch im urbanen Bereich. Aktuell gesichtet wurden Eichenprozessionsspinner vereinzelt im Saar-Pfalz-Kreis, im Warndt im Revier Überherrn, im Großraum Saarbrücken und im Bereich Nonnweiler.

Seinen Namen hat der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) durch ein besonderes Verhalten seiner Raupen – sie leben gesellig und man trifft sie auf ihren Wanderungen in langen Reihen an (wie in einer Prozession).
Der Falter ist unscheinbar graubraun gefärbt und hat braune Linien auf seinen Flügeln. Seine Eier legt er vorzugsweise an glatten Rindenstellen freistehender älterer Eichen in Form einer Platte (auch Eispiegel genannt) aus 100 bis 200 Stück ab, die durch einen mit Deckschuppen des Hinterleibes vermischten braunen Kitt überzogen sind und so dem Aussehen der Rinde ähnlich ist. Bei Laubausbruch schlüpfen die locker grau gelb behaarten, mit Samtspiegeln auf den Hinterleibsringen gekennzeichneten Raupen, fressen während der Nacht und ruhen am Tag.
Bis hierhin wäre dieser Schmetterling nichts weiter als ein gewöhnlicher Eichenbewohner wie der Eichenwickler oder der Frostspanner, hätten seine Raupen nicht eine ausgesprochen unangenehme Eigenschaft – sie besitzen giftige Haare auf ihren Samtspiegeln, die bei Menschen und Tieren Entzündungen empfindlicher Hautstellen, besonders an der Bindehaut der Augen und den Schleimhäuten der Mund-, Rachenregion verursachen können; es entstehen dabei juckende Bläschen, die sich zu rotem Ausschlag vereinigen und wochenlang schmerzen. Da sie immer wieder zu ihrem Nest zurückkehren und sich auch dort häuten, können diese Nester durch Ansammlungen von Kot, Gespinstfäden und Häuten die Größe eines Kinderkopfes erreichen. Bei heftigem Wind werden die Gifthaare verweht und können so Spaziergänger oder Bewohner waldnaher Siedlungen belästigen.

Schutzmaßnahmen:
• Vermeiden Sie den Kontakt mit den Raupen und Gespinsten, halten Sie Abstand, setzen Sie sich nicht in der Nähe auf den Boden.
• Tragen Sie Schutzkleidung, wenn Sie sich beruflich in befallenen Gebieten aufhalten müssen.
• Auf Holzernte und Pflegemaßnahmen verzichten, solange Raupennester erkennbar sind.
• Nach Kontakt mit den weißen Raupenhaaren betroffene Körperstellen gründlich abspülen und Kleidung auf mindestens 60 Grad Celsius waschen.
• Treten Beschwerden auf, sofort den Arzt konsultieren und auf die Raupenhaare hinweisen.
• Gespinstnester und Raupen nicht selbst entfernen, abflammen oder abspritzen - dabei werden die Gifthaare nur aufgewirbelt und verbreitet. Beauftragen Sie einen staatlich anerkannten Schädlingsbekämpfer oder entsprechend ausgerüstete Baumpfleger.
• Haben sie einen Befall an öffentlichen Plätzen entdeckt? Informieren Sie die Ge-meindeverwaltung, das Umwelt- oder Gesundheitsamt