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Gentechnik und Chemikalien
 

Neue Techniken in der Molekularbiologie

Neue Techniken

In den letzten Jahren wurden im Bereich der Erforschung und Veränderung des Erbguts weitrechende Entwicklungen gemacht, die unter dem Begriff der „neuen Techniken“ zusammengefasst werden. Dazu gehören z. B. die CRISPR/Cas-Technik und die Oligonukleotidmutagenese (ODM bzw. OGM). Mit Hilfe der neuen Techniken ist es u. a. möglich, lediglich eine Base (einen Buchstaben der DNA-Sequenz) auszutauschen, kleinere oder größere Stücke künstlicher oder fremder DNA in das Erbgut einzubauen oder bestimmte Gene zu zerstören.
In Wissenschaft und Gesellschaft wird bereits seit geraumer Zeit (parallel zu ihrer Entwicklung) die Frage diskutiert, ob diese Techniken und/oder ihre Produkte unter den bisherigen Begriff der Gentechnik fallen und somit auch unter den Anwendungsbereich des Gentechnikgesetzes (GenTG). Die Anwendung gentechnischer Methoden als gentechnische Arbeiten wird in gentechnischen Anlagen verwiesen, die einem Anzeige- oder Anmeldeverfahren und sicherheitstechnischen Vorgaben unterliegen, die wesentlich darauf abzielen, eine unbeabsichtigte Ausbreitung zu verhindern (geschlossene Systeme).
Die Entscheidung, ob die Anwendung einer der neuen Techniken unter das Gentechnikrecht fällt ist im Einzelfall zu treffen, da eine verbindliche Klärung durch Rechtssetzung oder Rechtsprechung bisher weder auf europäischer noch nationaler Ebene erfolgt ist. Die Umweltministerkonferenz empfiehlt gemäß Beschluss vom 2. Dezember 2016 bis zu einer für den Vollzug verbindlichen Klärung bei der Entscheidung im Einzelfall, neue Techniken im Zweifelsfall zunächst dem Anwendungsbereich des Gentechnikgesetzes zuzuordnen. Führt ein Anwender molekularbiologische Arbeiten unter Einsatz einer neuen Technik außerhalb einer gentechnischen Anlage durch, kann somit nicht ausgeschlossen werden, dass dies als Verstoß gegen das Gentechnikgesetz angesehen wird.
Aus diesem Grund empfiehlt das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz als die für das Gentechnikgesetz zuständige Behörde im Saarland, Anwendern der neuen Techniken vor deren Einsatz Kontakt mit dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz aufzunehmen.


Gentechnik mit Biologiebaukästen: Einfach, aber möglicherweise strafbar

Durch Genome-Editing-Verfahren wie etwa CRISPR-Cas ist es einfach und preiswert möglich, das Erbgut von lebenden Organismen gezielt zu verändern. Mittlerweile können insbesondere im Internet komplette Biologiebaukästen (so genannte „Do-it-yourself“, bzw. DIY-Kits) aus dem Ausland gekauft werden, mit denen daheim und ohne zusätzliche Geräte das Erbgut von Organismen, z. B. E. coli-Bakterien, verändert werden kann.
Derartige Experimente im heimischen Hobbykeller mögen lehrreich und spannend sein. Abhängig vom konkreten DIY-Kit gilt dafür jedoch das Gentechnikrecht. Dies ist immer dann der Fall, wenn das DIY-Kit gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthält oder wenn damit GVO erzeugt werden. Solche gentechnischen Arbeiten dürfen gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 Gentechnikgesetz (GenTG) nur in gentechnischen Anlagen durchgeführt werden, also in geeigneten, behördlich überwachten Laboren unter Aufsicht eines sachkundigen Projektleiters.
Der Europäische Gerichtshof hat am 25.07.2018 folgendes  Urteil gefällt: neue Züchtungstechniken wie Genome Editing und CRISPR sind als Gentechnik einzustufen. Das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz als die für das Gentechnikgesetz zuständige Behörde im Saarland, empfiehlt Anwendern der neuen Techniken, vor deren Einsatz Kontakt mit dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz aufzunehmen.


Kontakt

Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
Referat E/5
Dr. Andre Johann
Gentechnik
Keplerstraße 18
66117 Saarbrücken
E-Mail-Kontakt
Telefon
(0681) 501-3514
Telefax
(0681) 501-4488

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