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60 Jahre Staatskanzlei des Saarlandes
 

Die kleine Wiedervereinigung

Das elfte Bundesland der Bundesrepublik

Da das Saarstatut keine Regelung für den Fall der Ablehnung enthielt, mussten neue Verhandlungen zur Zukunft des Saarlandes aufgenommen werden. Diese führten schließlich zum Luxemburger Vertrag, der den politischen Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik zum 1.1.1957 vorsah. Dafür machte die Bundesrepublik Frankreich weitreichende Zugeständnissen in Form der Mitfinanzierung der Moselkanalisierung von Thionville bis Koblenz und großzügiger Bezugs- und Nutzungsrechte an den saarländischen Kohlevorkommen. Zudem sollte der wirtschaftliche Anschluss an die Bundesrepublik erst nach einer mehrjährigen Übergangszeit erfolgen. Der streng geheim gehaltene „Tag X“ kam schließlich am 6.7.1959 und löste im Saarland den französischen Franc durch die D-Mark ab.
Für die Saarländer vollzog sich die Rückgliederung allerdings längst nicht in allen Beziehungen als vorteilhaft. Die hohen, an das französische System angelehnten Sozialstandards mussten den eher leistungsbezogenen Standards der Bundesrepublik weichen. Auch erwies sich die saarländische Wirtschaft als längst nicht reif für den bundesrepublikanischen Wettbewerb, so dass trotz von Bundes- und Landesregierung gewährter Investitionshilfen und einer Ermäßigung der Einkommens- und Körperschaftssteuer um 15 Prozent 125 saarländische Firmen diesen schwierigen Übergang nicht überlebten und schon kurze Zeit nach dem Beitritt ca. 5.000 Arbeitsplätze verloren gingen.
Dennoch bleibt die Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland ein in mehrfacher Hinsicht richtungsweisendes Ereignis. Zum einen obsiegte in diesem Prozess die Kraft der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich über alle Widerstände. Bis heute rechnen es die Saarländer den Franzosen hoch an, dass sie den Bevölkerungswillen im Saarland anerkannten und dem Beitritt des Saarlandes in die Bundesrepublik zustimmten. Hier zeigte sich erstmals wirkungsvoll die neue Dimension einer europäischen Innenpolitik, die allmählich die traditionelle Außenpolitik überlagern sollte. Zum andern wies die „kleine Wiedervereinigung“ im Westen den Weg für die große Wiedervereinigung im Osten. Artikel 23 des Grundgesetzes, über den im Jahre 1990 die ostdeutschen Bundesländer zum Geltungsbereich des Grundgesetzes beitraten, fand zum ersten Mal Anwendung beim Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland.