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Die Anfänge der Johann-Adams-Mühle reichen urkundlichen Überlieferungen zufolge in das Jahr 1589 zurück, als ein kurfürstlicher Beschluss dem Johannes Leer von Lichtenberg der Bau einer ersten Wassermühle bewilligte. Grundsätzlich wurde dieser Mühlentyp überall, wo ein entsprechendes Gewässer zur Verfügung steht, bevorzugt gebaut, da durch Anlegen eines angestauten Mühlteiches die Antriebsenergie gespeichert und jederzeit abgerufen werden kann.

Im Laufe des 18.Jhs. wurde die Mühle als Lehen an verschiedene Pächter übertragen. Als Bannherschaftsmühle unterstand sie der Verwaltung des Kurfürsten von Trier, dessen Bevölkerung nur in den kurfürstlichen Mühlen ihr Korn mahlen lassen durfte. Das Mühlengebäude mit angebautem Kellerhaus wurde in der zweiten Hälfte des 19.Jhs. um einen Kleintierstall und ein frei stehendes größeres Wirtschaftsgebäude mit Stallungen und Scheune erweitert. Zu Beginn des 20.Jhs. teilten sich zwei Müllerfamilien hier Wohnung und Gewerk. Die Mühle war bis 1934 in Betrieb.

Der heutige Mühlenbau kann aufgrund dendrochronologischer Untersuchungen (Datierung von Eichenholzproben durch Konkordanz der Jahresringe mit einem bestimmten Zeitraum der süddeutschen Eichenchronologie) in wesentlichen Bereichen in das Jahr 1739 datiert werden. Das längszweiraumtiefe Gebäude besteht aus dem massiv gemauerten und verputzten Erdgeschoss und dem weitgehend in Fachwerk aufgeführten Obergeschoss. Ein ausgedehnter Speicherraum erstreckt sich unter dem hohen Satteldach, das wie alle ürbrigen Bauten bis in die 1930er Jahre noch mit Langstroh gedeckt war.

Das Haupthaus ist funktionsmäßig zweigeteilt. Zur Wasserseite, linker Hand des mittelachsialen Hausgangs erschließt sich der eigentliche Mühlenbetrieb mit dem oberschlächtigen hölzernen Mühlenrad und dem Mahlraum. Der Zugang zum Wohnteil führt ohne räumlich Trennung über den Flur direkt in die rückwärtig liegende Küche und von dort in die weiteren Räumlichkeiten.

Ein großer, beinahe den halben Küchenraum einnehmender Harst (Rauchfang) wird von einem kräftigen Holzpfosten abgestützt. Zwei Herdstellen verweisen auf die spätere zweihäusige Nutzung der Mühle. Die älter Feuerstelle grenzt an die mittleren beiden Stuben. Ein Feuerstein dient hier zur Weiterleitung der Wärme in das unbeheizte Zimmer. Der große Binnenbackofen ist in der hinteren Ecke des Harstes eingebaut. Im Obergeschoss befindet sich das Schlafzimmer.

In den 1930er Jahren baute man die Wohnräume um – u.a. wurden Decken gehoben, verschiedene z.T. tragende Fachwerkinnenwände entfernt, der Rauchabzug über den offenen Feuerstellen beseitigt, der Dachstuhl und die Dacheindeckung erneuert und die äußere Fachwerkkonstruktion zwecks Fenstervergrößerung und Versatz verändert. Die rückwärtige Fachwerkwand wurde bereits seit der ersten Hälfte des 19.Jhs. in Massivbauweise aufgeführt.

Nach langjährigem Leerstand trug die Gemeinde Tholey der historischen Bedeutung des desolaten Mühlenanwesens Rechnung und erwarb es 1983. Mit fachlicher Unterstützung des damaligen Staatlichen Konservatoramtes wurden bis 1989 umfangreiche Baumaßnahmen ausgeführt. Ziel war der Rückbau der seit des 20.Jhs. vorgenommen Veränderungen, die Wiederherrichtung eines funktionstüchtigen Mahlwerkes sowie die museale Nutzung des Mühlenbauwerkes. Die Arbeiten umfassten u.a. die Rekonstruktion der Fachwerkkonstruktion im Fassadenbereich und den Einbau einfachverglaster Holzsprossenfenster. Die Haustür konnte in Zweitverwendung aus einem älteren Gebäude eingebaut werden. Die Fachwerkgiebelwand entstand mit neuer Ausmauerung. Binnenwachwerkwände errichtete man wieder an ursprünglichen Standorten und mit neuer Strohlehmausfachung. Böden wurden mit Holzdielenbelag bzw. Sandsteinplatten erneuert, der Rauchfang und der Backofen rekonstruiert, Feuerstellen wieder aufgemauert. Auf eine Heizung wurde bewusst verzichtet. Die Obergeschossdecke wurde in ursprüngliche Höhe zurückversetzt, der Dachstuhl neu aufgeschlagen und nun – mangels Langstroh – mit Reet eingedeckt.

Die Johann-Adams-Mühle ist eine der wenigen intakten Wassermühlen der Region. Das relativ hohe Gefälle ermöglicht einen oberschlächtigen Radantrieb, der eine vergleichsweise günstige Energieausnutzung von rund 60% zulässt. Das achtspeichige Wasserrad mit seinen 50 Schöpfwerken konnte nach Befund aus Eichenholz rekonstruiert werden. Die Radachse hat eine Länge von 5,60 m und einen Durchmesser von 0,58 m. Aus der Bosener Mühle wurde das Hauptantriebsrad geborgen und im Mahlwerk der Johann-Adams-Mühle eingebaut. Der freistehende Mühlstuhl ist bis auf wenige zu ersetzende Einzelteile erhalten, das Mahlwerk wurde reaktiviert. Die Wasserzufuhr erfolgt über eine neue 12 m lange Eichenholzbrücke. Das Tosbecken für das Wasserrad wurde neu aufgemauert und der alte Mühlenteich, ca 50 m oberhalb der Mühle, mit einem Fassungsvermögen von 600-700 qm³ neu angelegt. Zuletzt ersetze man den ruinösen Kleintierstall durch ein in der Kubatur ähnliches Gebäude für Versammlungen und Kleinaustellungen an gleicher Stelle neu. Ähnliches gilt für das größere verfallene Wirtschaftsgebäude. In dem Neubau entstand eine Gaststätte mit Wohnung und Toilettenanlagen.

Heute besteht das Anwesen aus dem Kreismühlenmuseum mit seinen Ausstellungsräumen, dem Mahlraum und zwei Gewölbekellern, dem Anbau für Ausstellungen und Seminare sowie der Gaststätte mit Biergarten. Geprägt durch die detailreichen Rückbau-, Rekonstruktions- und Instandsetzungsmaßnahmen ist die Mühle teil der Geschichte der saarländischen Landesdenkmalpflege. Die Johann-Adams-Mühle vermittelt heute über die Landesgrenzen hinaus einen beispielhaften Einblick in den Werdegang eine im Ursprung barocken Wassermühle.