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Archiv des Saarlandes
 

Sammlung Maria Wallpott an das Landesarchiv übergeben

20.05.2009 -

Die Sammlung Maria Wallpott stellt mit ihren etwa 30.000 Exponaten eine im Saarland einzigartige Zusammenstellung historischer Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts dar. Sie wurde von der Namensgeberin gemeinsam mit dem Rehlinger Hermann Lehnhoff im Verlauf eines Vierteljahrhunderts aufgebaut und nun zehn Jahre nach dem frühen Tod von Frau Wallpott dem Landesarchiv Saarbrücken übergeben.

Revuetänzerinnen Ilona und Gina Karolewna, Aufnahme von Ernst Schneider aus dem Jahr 1928
Revuetänzerinnen Ilona und Gina Karolewna, Aufnahme von Ernst Schneider aus dem Jahr 1928
Mit großer Leidenschaft und hohem persönlichen Einsatz hat Maria Wallpott gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Rehlinger Hermann Lehnhoff, in einem Vierteljahrhundert mehr als 30.000 Exponate zur historischen Fotografie zusammengetragen. Auf Flohmärkten, in Aktionshäusern und bei Privatpersonen waren die beiden unermüdlich unterwegs, in Berlin, Paris und vielen anderen deutschen und europäischen Städten wurden sie fündig. Zehn Jahre nach dem frühen Tod von Maria Wallpott wurde die einmalige Kollektion nun dem Landesarchiv geschenkt – und das Saarland kann sich glücklich schätzen, in den Besitz dieser kulturhistorischen Kostbarkeit gekommen zu sein. Denn nicht nur wegen ihrer Themen und Motive ist diese Sammlung sehenswert. Mit ihren Daguerreotypien, Ambrotypien, Ferrotypien oder Talbotypien enthält sie auch das gesamte Spektrum historischer Fotografieformen und ermöglicht damit einen fast lückenlosen Rückblick auf die Entwicklung dieses faszinierenden Mediums seit seiner Entstehung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Was die Sammlung Wallpott besonders auszeichnet, ist die erstaunliche Fülle und Qualität von Exponaten der Unikatfotografie. Allein 225 Daguerreotypien sind in ihr vertreten, jene raren und äußerst gefragten Zeugnisse aus der Frühzeit der Fotografie. Die Namen vieler Fotografen sind zwar nicht bekannt, allerdings kann die Sammlung Wallpott auch mit Namen wie Antoine Claudet, Richard Beard oder Rufus Anson aufwarten, die in den 1840er und 1850er Jahren die renommiertesten Ateliers für Daguerreotypie führten. Bereits einige Jahrzehnte, bevor Louis Daguerre sein Verfahren zur dauerhaften Speicherung eines Lichtbildes erfunden hatte, waren die „Silhouetten“ in Mode gekommen, präzise Scherenschnitte mit Hilfe der „lebendigen“ Vorlage, ein Verfahren, das die Silhouette zur Vorläuferin der Porträtfotografie werden ließ. Auch davon sind einige Exemplare in der Sammlung Wallpott erhalten, ebenso wie kolorierte Talbotypien auf Salzpapier, Ferrotypien, die selbst in Miniaturform das Bildnis des Porträtierten gestochen scharf wiedergeben, oder Emaille- und Semi-Emaillefotografien, die teilweise an kuriosen Orten – auf Notizblöckchen von Soldaten oder gar auf Zigarettenspitzen – platziert wurden.
Vielfältig sind die Arten der Fotografie in der Wallpott-Kollektion, abwechslungsreich und – teilweise buchstäblich – bunt sind ihre Themen und Motive. Bei einer Sammlung, die zu 40% aus Exponaten des 19. Jahrhunderts besteht, ist es fast selbstverständlich, dass die Porträts im Vordergrund stehen. Aber auch die Landschafts-, Reise-, Architektur- und Kunstfotografie konnte sich seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts etablieren und führte dazu, dass viele Menschen sich ein präziseres Bild von der Welt und ihren „Wundern“ machen konnten. Zu den Pretiosen der Sammlung Wallpott gehört das Porträt eines kleinen Jungen, der mit vier Füßen scheinbar eine anatomische Kuriosität darstellt, in Wirklichkeit natürlich nur ein „Opfer“ der langen Belichtung geworden ist. Aus Anlass der Übergabe der Sammlung hat Hermann Lehnhoff einige hundert Exponate ausgewählt, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Einen Monat lang hatten die Besucher des Landesarchivs die Gelegenheit, die kulturhistorischen Schätze der Sammlung Wallpott kennenzulernen.