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Auf dem Rodenhof, einem Wohngebiet des Saarbrücker Stadtteils Malstatt, steht die katholische Pfarrkirche St. Albert, ein herausragendes Beispiel deutscher Nachkriegsarchitektur im Saarland.

Nachdem die 1939 errichtete erste Kirche der Wohnsiedlung 1944 bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört wurde, beschloss die katholische Kirchengemeinde unmittelbar nach der Zerstörung den Bau einer neuen Kirche am Standort des kriegszerstörten Vorgängerbaus. Mit der Planung wurde der Kölner Architekt Dominikus Böhm beauftragt, der sich bereits einen Namen im modernen Sakralbau des 20. Jh. gemacht hatte. Zusammen mit seinem Sohn Gottfried (geb. 1920) legte er 1950 einen Entwurf vor, der zwischen 1952 und 1954 realisiert wurde; Verfasser dieses realisierten Entwurfs war Gottfried Böhm.

Der Baukörper in seinem heutigen, weitgehend originalen Zustand der Erbauungszeit ist in drei Elemente gegliedert: Einen Hauptbau, einen vorgelagerten Glockenturm und einen Verbindungstrakt.

Der Entwurfskonzeption Böhms lag die architektonische Interpretation und Umsetzung des „Omne vivens ex ovo“ („Alles Leben kommt aus dem Ei“) zugrunde. So basiert der Grundriss des Zentralbaus tatsächlich nicht auf der regelmäßigen geometrischen Ellipsenfigur, sondern auf der organischen Eiform. Böhms Verständnis von Sakralarchitektur ist bei diesem Gebäude sehr stark geprägt von der Raumbildungs- und Symbolfunktion von Architektur: Anlässlich der Fertigstellung schrieb er: „Der Kirchbau soll einen der Gemeinde gemäßen Raum schaffen, in dem der Gottesdienst in seinem Wesentlichen von ihr erfahren werden.   Hier durchdringen sich zwei Raumkörper: der vertikale und der horizontale Raum; und aus dieser Begegnung kommt das Licht, das den Raum erleuchtet. Über diesem Durchdringen schwebt gleichsam eine Kuppel, die bezeichnet ist mit dem Zeichen der heiligsten Dreifaltigkeit und deren Gnadenströmen. Diese Kuppel wurde nach außen abgestrebt in einer Form, die den ganzen Kirchbau als Krone der menschlichen Bauten im Stadtbild zeichnet.“
Mit dieser Entwurfskonzeption dokumentierte Böhm in einer qualitätvollen Art und Weise die innovativen Ansätze im Sakralbau der 1950-er Jahre. St. Albert verdeutlicht vor allem zwei Tendenzen in der Sakralarchitektur dieser Zeit: Die Verarbeitung des Zentralbaumotivs mit vorgelagertem Campanile und die Vorliebe für die Anwendung organischer Formen.

Vor dem Hintergrund dieser Dokumentationsqualität, der baukünstlerischen Bedeutung und dem weitgehenden Originalzustand der Erbauungszeit, wurde St. Albert 1993 offiziell als Einzeldenkmal in die Denkmalliste des Saarlandes aufgenommen. Zwischen 1994 und 1999 wurden Dach und Fassaden von Glockenturm, Atrium und Hauptbaukörper befundgetreu instandgesetzt. Als jüngste Maßnahme wurde 2005 der Innenanstrich analog zum Originalanstrich der Erbauungszeit erneuert.
St. Albert präsentiert sich heute als ein Baudenkmal der Nachkriegsarchitektur, das nicht nur im Schaffen Gottfried Böhms eine herausragende Position einnimmt. In seiner architektonischen Qualität bildet das Gebäude einen wesentlichen Beitrag für die saarländische und –darüber hinausgehend- die europäische Architekturgeschichte.